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Regio-Thema der WocheHandball im Blut

Seit etwas mehr als einem halben Jahr spielt Aleksander Spende beim RTV Basel. Nach einem schwierigen Start bei den Realturnern ist der Slowene nun drittbester Skorer der Liga.

Auch wenn Spende hier mit seinem Freiwurf an der Mauer des BSV Bern scheitert, scheint der Slowene in Basel angekommen zu sein.
Auch wenn Spende hier mit seinem Freiwurf an der Mauer des BSV Bern scheitert, scheint der Slowene in Basel angekommen zu sein.
Foto: Pino Covino

Die Statistik von Aleksander Spende spricht eine eindeutige Sprache. In zehn Spielen hat der Slowene 79 Tore erzielt, 24 davon per 7-Meter. Dies entspricht einem Schnitt von 7,9 Treffern pro Partie. Damit ist Spende nicht nur der beste Basler Torschütze, sondern weist auch den besten Tor-Durchschnitt der höchsten Schweizer Liga auf. Etwas weniger als ein halbes Tor mehr pro Spiel als der zweitbeste Akteur in den Top 10 der Torschützenliste hat er erzielt. Diese Leistung ist umso höher einzuschätzen, weil die Basler deutlich weniger Treffer erzielen als andere Mannschaften. So hat beispielsweise Spitzenreiter Kadetten Schaffhausen über 100-mal mehr eingenetzt als der RTV.

Mit diesen Leistungen entpuppt sich Spende immer mehr als jene Verstärkung, als die er bei seiner Ankunft im Januar dieses Jahres vorgestellt wurde. Er meint zu seiner Performance: «Als ich nach Basel kam, war ich nach einer schwierigen Zeit in Zagreb im Kopf etwas blockiert. Daher bin ich froh, dass ich nun so in die Saison gestartet bin und zeigen konnte, was ich kann.» Allerdings hatte der 27-Jährige ursprünglich geplant, nur sechs Monate in Basel zu verweilen, dem RTV beim Klassenerhalt zu helfen und dann wieder ins Ausland zu wechseln. Doch das Coronavirus machte diese Pläne zunichte. «Auch im Handball sind die Clubs beim Rekrutieren von neuen Spielern momentan vorsichtiger. Und ich hatte ein gutes Gefühl hier in Basel. Daher habe ich beschlossen, weiter beim RTV zu spielen», sagt Spende.

So also spielt der Rückraumspieler noch immer bei den Baslern und hat massgeblichen Anteil daran, dass der RTV, der momentan auf Rang 8 steht, ganz passabel in die neue Spielzeit gestartet ist. Vizepräsident Tom Ryhiner sagt: «Wir sind mit der Zielsetzung Ligaerhalt in die Saison gestartet. Daher sind wir grundsätzlich zufrieden mit dem Start, auch wenn in einigen Spielen noch mehr drin gelegen wäre.» Ryhiner meint damit unter anderem das Spiel gegen den BSV Bern, das die Basler denkbar knapp mit 28:29 verloren. Dabei war es ausgerechnet Spende, der kurz vor Schluss noch einen Freiwurf knapp über das Tor schoss.

Eine Handballerfamilie

Trotzdem. Der Slowene scheint in Basel angekommen zu sein. Ein Grund dafür ist, dass der Profi sich langsam besser mit seinen Mittspielern verständigen kann. Als Spende in die Schweiz wechselte, verstand er zwar praktisch alles, hatte aber mit dem Sprechen Mühe. Durch stetiges Üben ist diese Sprachbarriere nun aber beinahe ganz abgebaut. Auf die Frage, wieso ein Slowene bereits bei seiner Ankunft Deutsch verstehe, antwortet Spende: «Ich stamme aus einer Handballerfamilie, schon mein Vater und mein Grossvater waren Profihandballer. Und als ich ein kleines Kind war, spielte mein Vater unter meinem Grossvater als Trainer in Österreich. Ich war oft in den Trainings dabei und habe die Sprache viel gehört.»

Nach der Zeit in Österreich zog Spendes Familie nach Slowenien in die Stadt Litjia. Dort begann der mittlerweile 27-Jährige im Alter von 12 Jahren Handball zu spielen. Schnell zeigte sich, dass Spende das Talent seines Vaters und des Grossvaters geerbt hatte. Die Familie zog nach Velenje, damit er in besseren Nachwuchsmannschaften spielen konnte. Kurz darauf wechselte Spende nach Maribor, wo er bereits mit 18 Jahren im Fanionteam in der höchsten slowenischen Liga debütierte. Nach einem Abstecher nach Novo Mesto kehrte Spende nach Maribor zurück. Dort riss er sich allerdings das Kreuzband. Rückblickend bezeichnet er diese Zeit als eine der schwierigsten seiner Karriere.

Dann folgte der Wechsel zu Porto. In Portugal wurde Spende allerdings nicht glücklich. «In der portugiesischen Liga wird anders Handball gedacht als in Slowenien. Man spielt oft Manndeckung und hat daher viel mehr Duelle. Das kam meiner Spielweise nicht entgegen, ich habe lieber mehr Platz, um besser abschliessen zu können», sagt der linke Rückraumspieler.

Glaube an das Projekt

Eine Spielweise, die besser auf ihn zugeschnitten war, fand er beim nordmazedonischen Club Metalurg Skopje vor. Dort blühte Spende richtig auf, spielte in der Champions League und gewann gegen den Champions-League-Sieger Vardar sogar den Liga-Cup. Durch seine Leistungen wurde auch RK Zagreb auf Spende aufmerksam und holte ihn nach Kroatien. Für Spende ein Fehler. «Ich hatte grosse Konkurrenz auf meiner Position und habe mich nie wirklich wohlgefühlt.» Nur ein gutes Spiel habe er gemacht, in der Champions League gegen Barcelona.

Das Angebot aus Basel, beim RTV als Profihandballer zu spielen, war für Spende daher so etwas wie eine Erlösung. In der Schweiz fand er eine Liga vor, die von der Qualität ungefähr mit jener in Slowenien vergleichbar ist. Ideal, um die Freude am Sport wiederzufinden. «Die Schweizer Liga hat ein gutes Niveau, allerdings auch das gleiche Problem wie Slowenien. Nur wenige Mannschaften haben Geld und machen entsprechend die Champions-League-Plätze unter sich aus», erzählt Spende.

Zu diesen Clubs gehört der RTV nicht. Doch die Realturner wollen ein solcher bis 2029 werden. Auch deswegen kann sich Spende durchaus vorstellen, auch weiterhin für den RTV zu spielen. Er sagt: «Klar, ich würde gern noch einmal Champions League spielen. Aber ich bin auch gern ein Teil dieses Projektes beim RTV. Die neue Führung hat einen klaren Plan, und ich glaube, dass er umsetzbar ist.»

Für diese Spielzeit lautet das Ziel aber erstmals Klassenerhalt. Spende ist aber der Überzeugung, dass für dieses Team mehr drin liegt. Wenn der Verstärkungsspieler so weiter skort, scheint dies im Bereich des Möglichen zu sein.