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Massiver Einbruch des GeschäftsHäfen unter Druck

Die Corona-Pandemie hat den Schweizerischen Rheinhäfen einen Dämpfer versetzt. Trotzdem wird an den Ausbauplänen festgehalten.

Ein Geschäftsmodell, das mit der Energiewende ins Wanken gerät: Der Muttenzer Auhafen ist bekannt für seine Tanklager, die in Zukunft aber weniger genutzt werden dürften.
Ein Geschäftsmodell, das mit der Energiewende ins Wanken gerät: Der Muttenzer Auhafen ist bekannt für seine Tanklager, die in Zukunft aber weniger genutzt werden dürften.
Foto: ISDN Bilderdienst  © Comet Photoshopping GmbH

Von den letzten drei Jahren waren zwei für die Schweizerischen Rheinhäfen schlecht. 2018 beeinträchtigte Niedrigwasser den Verkehr. 2020 drückte Covid-19 auf das Betriebsergebnis. Im Jahr der Pandemie wurden eine Million Tonnen Güter weniger umgeschlagen als im Vorjahr. Unter dem Strich waren es noch 5,1 Millionen Tonnen.

Besonders unter die Räder kam 2020 der Auhafen in Muttenz. Hier brach der Umschlag um gut ein Viertel (minus 27 Prozent) ein. Damit haben sich die Probleme des Auhafens noch verschärft. Dieser verfügt angesichts der Klimadebatte und der Energiewende über ein ernst zu nehmendes Klumpenrisiko. Neben Chemie- und Agrargütern wird hier ein Grossteil des Geschäfts mit Mineralölerzeugnissen gemacht.

Fossile Energieträger sind aber zunehmend out, erneuerbare in. Der Verbrauch von Auto-Benzinen in der Schweiz hat sich seit der Jahrtausendwende beinahe halbiert. Der Anteil von Ölheizungen in der Schweiz ist zwischen 1990 und 2017 von 60,9 Prozent auf 39,4 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil von Wärmepumpen von zwei auf 17,9 Prozent.

Tanklager mit Problemen

Covid-19 hat diesen Negativtrend noch verstärkt, der Auhafen wurde zu einem Opfer des Shutdowns. «Im Bereich ‹Motorbenzin und ähnliche Leichtöle› schlugen die Effekte der ausserordentlichen Lage durch die Pandemie voll durch», heisst es in der Jahresbilanz der Rheinhäfen. Wegen Homeoffice wurde viel weniger Benzin benötigt. Da half es kaum, dass die amtliche Empfehlung, im ersten Quartal auf den öffentlichen Verkehr zu verzichten, den Privatverkehr für kurze Zeit ankurbelte. Stark rückläufig war nach dem nahezu vollständigen Grounding der weltweiten Luftfahrt auch die Nachfrage nach Jet-Fuel. Insgesamt wurden 2020 noch 2,25 Millionen Tonnen flüssige Treib- und Brennstoffe über die Schweizerischen Rheinhäfen importiert. Dies entspricht einem Rückgang von 18,3 Prozent.

Am zweitmeisten litt im Corona-Jahr der zweite Baselbieter Rheinhafen: In Birsfelden reduzierte sich der Umschlag um 16,3 Prozent. Auch hier hatte der Lockdown einen grossen Einfluss. Die Industrie benötigte weniger Stahl und andere Metalle. Mit einem blauen Auge davon kam dagegen der Hafen in Kleinhüningen mit einem Minus von 7,1 Prozent. Dort werden primär Container umgeschlagen. Die Abwicklung über die Rheinhäfen ging um sechs Prozent zurück. Berücksichtigt man jedoch den Umschlag in der Kesslergrube, der 2020 weggefallen ist, reduziert sich das Minus auf 2,3 Prozent. Trotzdem war auch hier der Lockdown zu spüren. Der Verkehr mit Fernost nahm zwar im Frühjahr wieder Fahrt auf. Allerdings gab es Verzögerungen beim Weitertransport in den Häfen Rotterdam und Antwerpen. Knapp jeder dritte Container wurde leer befördert. Der Grund dafür liegt im Lagerausgleich zwischen den Binnen- und Seehäfen.

Der Rhein habe sich jedoch auch in der Pandemie als verlässlicher Verkehrsträger erwiesen, sagte Hafen-Sprecherin Jelena Dobric. Auch wenn die Rheinhäfen schon bessere Zeiten mit mehr Umschlag erlebt haben, halten sie daher an ihren Expansionsplänen fest. Nach dem Ja der Basler Stimmberechtigten zum Bau des Hafenbeckens 3 läuft aktuell die Erstellung der Genehmigungsunterlagen weiter. In diesem Zusammenhang werden die Planungen für die Massnahmen des ökologischen Konzeptes finalisiert, die durch den Eingriff in das Naturobjekt auf dem ehemaligen Badischen Rangierbahnhof notwendig werden.