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Proteste gegen LukaschenkoHacker legen Daten von 1000 Polizisten in Weissrussland offen

Aus Rache am brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte haben Unbekannte persönliche Informationen ins Netz gestellt. Sollten die Verhaftungen weitergehen, werde man weitere sensible Daten veröffentlichen.

Mit Sturmhauben und Uniformen, aber ohne Erkennungszeichen: Polizisten tragen eine verletzte Demonstrantin zu einer Ambulanz.
Mit Sturmhauben und Uniformen, aber ohne Erkennungszeichen: Polizisten tragen eine verletzte Demonstrantin zu einer Ambulanz.
Foto: Keystone

In Weissrussland haben unbekannte Hacker als Vergeltung für das harte Vorgehen gegen Demonstranten die persönlichen Daten von 1000 Polizisten veröffentlicht. «Während die Verhaftungen weitergehen, werden wir weiterhin massenhaft Daten veröffentlichen», hiess es in einer Erklärung auf dem Kurznachrichtendienst Telegram am Samstagabend, die vom Oppositionssender Nexta Live verbreitet wurde. «Auch unter einer Sturmhaube wird niemand anonym bleiben.» Die Regierung kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Für Sonntag sind neue Proteste gegen Präsident Alexander Lukaschenko geplant, der in der früheren Sowjetrepublik seit 26 Jahren autoritär regiert.

Am Samstag waren bei einem Frauen-Protestmarsch in der Hauptstadt Minsk der Regierung zufolge 390 Demonstrantinnen festgenommen worden. Die meisten wurden inzwischen wieder freigelassen. Seit der umstrittenen Wiederwahl von Lukaschenko für eine sechste Amtszeit kommt es immer wieder zu Grossdemonstrationen gegen den Präsidenten. Dabei wurden Tausende Menschen festgenommen. Die Sicherheitskräfte gingen teils brutal gegen die Protestierenden vor, wobei sie ihre Gesichter oft mit Masken, Sturmhauben oder Schutzhelmen verdeckten. Immer wieder versuchten Demonstranten ihnen die Masken zu entreissen. Die Opposition wirft Lukaschenko Wahlbetrug vor. Auch die EU erkennt das Ergebnis nicht an und erwägt Sanktionen.

Weissrussland rüstet sich für grosse Sonntagsdemonstration

Vor der neuen grossen Sonntagsdemonstration haben belarussische Sicherheitskräfte in Minsk derweil damit begonnen, grosse Plätze abzuriegeln. Das Innenministerium von Weissrussland warnt die Menschen in den Städten des Landes, den Aufrufen zu Protesten gegen Staatschef Alexander Lukaschenko zu folgen. Die Behörden drohen mit Gewalt, sollten sich die Menschen an nicht genehmigten Demonstrationen beteiligen. Bei dem traditionellen Frauenprotest am Samstag waren nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 300 Demonstrantinnen festgenommen worden.

Frauen mit alten belarussischen Nationalflaggen gehen bei einer Demonstration gegen die Wahlergebnisse in Belarus über eine Strasse.
Frauen mit alten belarussischen Nationalflaggen gehen bei einer Demonstration gegen die Wahlergebnisse in Belarus über eine Strasse.
Foto: Uncredited/TUT.by/dpa

Bereits am Morgen sperrten Sicherheitskräfte den Unabhängigkeitsplatz in Minsk mit Metallgittern ab, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agenturvor Ort berichtete. Geplant war wie an den vorangegangenen Sonntagen ein Protestmarsch (Start 13.00 Uhr MESZ) durch das Zentrum von Minsk. Am vergangenen Sonntag waren laut Innenministerium 774 Menschen festgenommen worden. Beobachter sprachen von 150’000 Teilnehmern. Auch in anderen Städten waren erneut Demonstrationen geplant.

Reuters/step

20 Kommentare
    St.Athanas

    Kämpfer mit Sturmhauben, aber ohne Erkennungszeichen... das hatten wir doch schon in der Krim und Ukraine...wer häts erfunde?