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Seilbahn Reigoldswil–WasserfallenGondeln bleiben zu – im Baselbiet wird das akzeptiert

Obwohl die Luftseilbahnen als Verkehrsmittel gelten, dürfen sie erst Anfang Juni wieder öffnen. National stösst dieser Entscheid auf Empörung – regional auf Zustimmung.

Die Luftseilbahn Reigoldswil–Wasserfallen wird voraussichtlich Anfang Juni wieder öffnen dürfen.
Die Luftseilbahn Reigoldswil–Wasserfallen wird voraussichtlich Anfang Juni wieder öffnen dürfen.
Foto: Dominik Plüss

Seit einer Woche sind die meisten Bergbeizen in der Region Wasserfallen wieder geöffnet. Wer die Lokale jedoch mit der Luftseilbahn besuchen will, muss sich gedulden. Die Seilbahn Reigoldswil–Wasserfallen steht immer noch still. Mitte März musste sie aufgrund der durch den Bund verordneten Massnahmen den Betrieb – obschon als Verkehrsmittel geltend – vollends einstellen.

Voraussichtlich dürfen die Gondelbahnen landesweit am 8. Juni wieder öffnen. Beim nationalen Verband für Seilbahnen führt dies zu Kopfschütteln. Warum ist der öffentliche Verkehr wie zu Normalzeiten zugänglich, während die Gondelbahnen mindestens bis Anfang Juni geschlossen bleiben müssen? Für Seilbahnen Schweiz ist das «absolut unverständlich». Die Meinungen über einen passenden Termin für die Wiederaufnahme des Betriebs gehen jedoch auseinander: Im Baselbiet stellt man sich auf einen anderen Standpunkt.

«Bitte kein Maskentheater»

Die Luftseilbahn Reigoldswil–Wasserfallen kann noch warten: «Natürlich hätten wir gerne im Mai geöffnet, aber wir haben Verständnis für den Entscheid des Bundes», sagt Johannes Sutter, Delegierter des Stiftungsrats und Vizepräsident der Baselbieter SVP. Die Monate März und April wären für den regionalen Seilbahnbetrieb sowieso wenig erfolgreich, weil man dann normalerweise selten grosse Gewinne erziele. «Im Mai, wenn das schöne Wetter kommt, beginnt es bei uns zu florieren.» Insofern sei das längere Warten verkraftbar.

Für den 8. Juni ist man gewappnet. «Unser Schutzkonzept ist speziell, hat aber Hand und Fuss», kündigt Sutter an. Pro Gondel sollen nur Menschen einsteigen, die im selben Haushalt leben. Ob das drei oder sechs Personen sind, spielt Corona-bedingt keine Rolle. «Man steigt also haushaltsweise in die Seilbahn.» Für Sutter schlägt man so zwei Fliegen auf einen Streich: Zum einen können die Abstandsregeln problemlos eingehalten werden, und zum anderen erübrigt sich das ganze «Maskentheater». Die Familien müssen untereinander keine Gesichtsmasken tragen.

Dieses Konzept unterscheidet die Wasserfallen-Seilbahn von anderen Betrieben in der Schweiz. «National wurde dieser Plan besprochen», sagt Sutter. Er sei jedoch nicht flächendeckend umsetzbar gewesen. Denn Pendelbahnen – wie sie beispielsweise beim Titlis anzutreffen sind – könnten das «Baselbieter Konzept» nicht umsetzen. Sie sind auf mehr Passagiere angewiesen. Nur einzelne Familien zu transportieren, würde sich für sie – im Gegensatz zur kleineren Wasserfallen-Seilbahn – nicht rentieren.

«In der Titlis-Seilbahn würde es keinen Sinn machen, die Menschen haushaltsweise in die Gondel zu lassen,» sagt Johannes Sutter.
«In der Titlis-Seilbahn würde es keinen Sinn machen, die Menschen haushaltsweise in die Gondel zu lassen,» sagt Johannes Sutter.
Foto: Keystone

Keine Kritik

Aufgrund dieser Ungleichheit übt Sutter auch keine Kritik am Entscheid der Bundesregierung. «Aus unserer Sicht wäre die Kritik, wie sie der nationale Seilbahnverband geäussert hat, missverständlich», erklärt er, «wir, mit unserem Schutzkonzept, können uns nicht mit dem öffentlichen Verkehr vergleichen – die Pendelbahnen schon eher.» Als öffentlicher Tourismusbetrieb habe man den Beschluss aber zu akzeptieren.

Dieser Unterschied – wie auch die Tatsache, dass man im Baselbiet nicht so sehr von den Wintermonaten abhängig ist – hebt die Luftseilbahn Reigoldswil–Wasserfallen von anderen Schweizer Bergbahnen ab. «Im Kanton Baselland schneit es bereits seit mehreren Jahren nicht mehr regelmässig. Daher ist unsere Hauptsaison sowieso von Juni bis Oktober.» Sutter ist guten Mutes, dass die Seilbahn noch «tolle Monate» vor sich hat.