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Inhuman und unangemessenGleich zwei «Unwörter des Jahres» gekürt

Bei den Vorschlägen zum «Unwort des Jahres» dominierte das Thema Covid-Pandemie. Deshalb hat die Jury ein Paar auserwählt: «Corona-Diktatur» und «Rückführungspatenschaften».

Trägt eines der «Unwörter» auf dem Rücken: Ein Teilnehmer trägt auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart bei einer Kundgebung der Initiative «Querdenken 711» eine Warnweste mit der Aufschrift «Corona Diktatur stoppen».
Trägt eines der «Unwörter» auf dem Rücken: Ein Teilnehmer trägt auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart bei einer Kundgebung der Initiative «Querdenken 711» eine Warnweste mit der Aufschrift «Corona Diktatur stoppen».
Foto: Christoph Schmidt (DPA)

In Deutschland sind für das Jahr 2020 gleich zwei «Unwörter des Jahres» gekürt worden. Es handelt sich um «Corona-Diktatur» und «Rückführungspatenschaften», wie die Jury der sprachkritischen Aktion am Dienstag in Darmstadt mitteilte.

Das vergangene Jahr sei in bisher kaum gekannter Weise von einem einzigen Thema geprägt worden, sagte die Jury zur Begründung. Mit der Wahl eines Unwort-Paares nehme man Rücksicht darauf, dass die Pandemie in der Öffentlichkeit, wie auch in den Vorschlägen dominiert habe. Sie mache aber zugleich darauf aufmerksam, dass auch in anderen Themenbereichen inhumane und unangemessene Wörter geprägt und verwendet wurden.

«Rückführungspatenschaften» sei ein Begriff der EU-Kommission, mit dem neue Mechanismen der Migrationspolitik bezeichnet wurden. Das Wort sei zynisch und beschönigend. Mit Rückführung sei nichts anderes gemeint als Abschiebung, und die Patenschaft sei ein eigentlich positiv besetzter Begriff. Der Begriff der «Corona-Diktatur» sei seit Beginn des öffentlichen Diskurses in Pandemie von selbst ernannten «Querdenkern» und rechten Propagandisten gebraucht worden, um regierungspolitische Massnahmen zur Eindämmung zu diskreditieren.

Gegen unangemessenen Sprachgebrauch

Das Unwort wird in Deutschland seit 1991 gekürt. 2019 war es «Klimahysterie». Die Entscheidung trifft eine unabhängige und ehrenamtlich arbeitende Jury auf Grundlage von aus der Bevölkerung eingesandten Vorschlägen. Die Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort spielt dabei aber keine Rolle.

Die sprachkritische Aktion möchte mit ihrer alljährlichen Aktion nach eigenen Angaben auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Dabei würden Wörter gerügt, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstiessen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminierten oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind.

Kritiker haben der Aktion vorgeworfen, als eine Art «Sprachpolizei» zu agieren oder politische Positionen in der öffentlichen Debatte moralisch zu diskreditieren. Auch der Vorwurf politischer Einseitigkeit wurde in Medienkommentaren der vergangenen Jahre laut.

SDA

10 Kommentare
    Jonas Runser

    "Die Entscheidung trifft eine unabhängige und ehrenamtlich arbeitende Jury"

    Ehrenamtlich mag ja sein, aber unabhängig bestimmt nicht. Allein die Tatsache, dass ausnahmslos Unwörter aus der rechten Politszene gekürt werden, zeigt doch sehr deutlich, wo die ehrenwerte Jury politisch sitzt. Es wäre mal an der Zeit, einige Unwörter aus dem linken Milieu ans Licht zu bringen. Die Auswahl ist gross.