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Geldblog: AnlagestrategienGibts ohne Risiko eine Rendite?

Ob Aktien oder Anleihen: Wer sich auf seinem Kapital einen Ertrag wünscht, muss stärkere Kursschwankungen ertragen können.

Sicherheit versus Profit: Im aktuellen Börsenumfeld lässt sich ohne Risikobereitschaft kaum Rendite erzielen.
Sicherheit versus Profit: Im aktuellen Börsenumfeld lässt sich ohne Risikobereitschaft kaum Rendite erzielen.
Illustration: Christina Baeriswyl

Aus lauter Ängstlichkeit habe ich mein Geld bei verschiedenen Banken auf einem Sparkonto deponiert. Ich habe mich nicht getraut, in Aktien anzulegen. Ich möchte mein Geld sicher anlegen. Mein Wunsch wäre aber schon, dass ich mir so etwas wie eine monatliche Rente leisten könnte. Es könnte auch nur eine Dividende sein. Was raten Sie mir? Leserfrage von P.V.

Ihren Detailangaben entnehme ich, dass Sie rund 900’000 Franken auf Sparkonten von verschiedenen Banken parkiert haben. Es ist zwar positiv, dass Sie bei den Bankbeziehungen diversifiziert haben, da liquide Mittel im Konkursfall einer Bank im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung lediglich bis maximal 100’000 Franken je Kunde und Bank geschützt sind. Bei der UBS und Postfinance haben Sie auf den Konten aber je über 200’000 Franken, womit Sie riskieren, dass man Ihnen Negativzinsen belastet, falls Sie bei den Instituten nicht noch andere Geschäfte tätigen.

Problematisch für Sie ist aber vor allem die Tatsache, dass Sie auf den rund 900’000 Franken keine Rendite erwirtschaften. Bei positiver Teuerung würden Sie damit sogar Geld verlieren. Ich verstehe sehr wohl, dass Sie mit Ihrem Ersparten vorsichtig sind. Immerhin haben Sie noch Immobilien, die Rendite abwerfen, was die fehlende Rendite auf den Cash-Positionen relativiert. Dennoch ist es richtig, dass Sie sich von Ihrem Kapital einen Gegenwert in Form einer Rendite wünschen – eben eine monatliche Zusatzrente.

Wenn Sie Ihr Geld investieren, wäre dies durchaus möglich. Sie könnten zum Beispiel einen Teil Ihres Geldes in sogenannte Dividendenperlen investieren. Das sind Aktien mit einer hohen Dividendenrendite. Typische Dividendenperlen sind etwa Nestlé, Swisscom, Zurich Insurance, Swiss Life, Novartis, Roche, Swiss Re, Lafarge Holcim, UBS oder Adecco. Je nach Titel liegen bei solchen Werten Dividendenrendite von zwei bis zu fünf oder sogar sechs Prozent drin – zumindest, solange die Unternehmen Gewinne erwirtschaften.

Je mehr Rendite Sie wünschen, desto mehr Risiko müssen Sie in Kauf nehmen.

Denn Dividenden sind nie garantiert und können gerade in Krisenzeiten wie wir sie derzeit wegen der Corona-Pandemie erleben, auch gekürzt oder im schlimmsten Fall sogar gestrichen werden. Der Nachteil einer solchen Strategie liegt allerdings im erhöhten Anlagerisiko, das Sie tragen müssten und das Ihrem Wunsch nach Sicherheit widerspricht. Sie müssten damit rechnen, dass es auch bei Dividendenperlen immer wieder zu starken Kursschwankungen kommt. Man muss in der Lage sein, solche Schwankungen auszuhalten und sonst sollte man die Finger von Aktien lassen. Wenn Sie die Dividendenperlen allerdings bewusst mit einem langen Anlagehorizont von zehn und mehr Jahren kaufen, spielen die Kursschwankungen eine geringere Rolle, da Sie ja primär an den Dividenden interessiert sind.

Rendite erwirtschaften können Sie auch mit anderen Anlageklassen wie Obligationen. Weil die Zinsen aber extrem tief sind und wohl auch noch länger sehr tief bleiben, bringen sichere Franken-Anleihen keine oder nur mickrige Rendite. Mehr Rendite erzielen Sie mit Anleihen von weniger guten Schuldnern oder mit Fremdwährungsanleihen. Beides bedeutet aber, dass Sie deutlich höhere Anlagerisiken wie bei den Aktien trägen müssten. In Ihrem Fall würde ich wohl einen Teil des Geldes auf den verschiedenen Konten parkiert lassen und wenigstens einen Teil des vielen Geldes breit diversifiziert in verschiedenen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen anlegen, damit Sie eine anständige Rendite erreichen.

Natürlich könnten Sie das Geld auch von einer Bank professionell verwalten lassen. Doch auch bei dieser Variante haben Sie keine Garantie, dass Sie eine positive Rendite erzielen und tragen immer auch ein mehr oder weniger hohes Anlagerisiko. Das Fazit lautet: Ohne Risikobereitschaft können Sie keine Rendite erwirtschaften. Je mehr Rendite Sie wünschen, desto mehr Risiko müssen Sie in Kauf nehmen.

5 Kommentare
    Thomas Biasio

    Ein erster Schritt zur Bewältigung der Investitionsangst ist, sich mit dem Thema zu befassen und sich ein gewisses Know-how anzulesen. Gut geeignet sind hierfür die Bücher von Martin Weber, Albert Warnecke oder Gerd Kommer, da sie nicht auf Einzelaktien setzen, sondern auf die ganze Welt.

    In einem zweiten Schritt beginnt man dann, sich langsam ein Portfolio aufzubauen. Dieser Aufbau kann mehrere Jahre dauern (muss aber nicht). Das Ziel ist immer: Kaufen-und-Halten und breite Diversifikation (weltweit, verschiedene Anlagekategorien).

    Wer sich trotz Know-how noch immer nicht traut, sollte sich einen Vermögensverwalter seines Vertrauens nehmen. Gerd Kommer und Albert Warnecke bieten einen solchen Service an, das Vermögenszentrum auch, jede Bank sowieso.