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Mord am libanesischen PremierGericht findet keine Beweise gegen die Hizbollah ­

15 Jahre nach dem Attentat auf Premier Rafik Hariri verurteilt ein UN-Tribunal einen Angeklagten – und entlastet die schiitische Miliz.

Seine Ermordung 2005 führte zu einem politischen Beben: Der ehemalige libanesische Premier Rafik Hariri.
Seine Ermordung 2005 führte zu einem politischen Beben: Der ehemalige libanesische Premier Rafik Hariri.
Foto: Mohamed Azakir (Reuters) 

Eine Explosion wie diese hatte Beirut bislang nicht gesehen: Das Äquivalent von 3000 Kilogramm Sprengstoff detonierte nahe des Hafens, zerstörte mehrere Gebäude, kostete 22 Menschen das Leben und verletzte mehr als 220. Unter den Toten war auch der Mann, dem der Anschlag galt: Der libanesische Premierminister Rafik Hariri hatte an jenem 14. Februar 2005 das Parlament und ein Café besucht, nun fuhr sein Konvoi entlang der Küstenstrasse. Als ein Selbstmordattentäter den Zünder aktivierte, hinterliess seine Bombe einen Krater mit elf Metern Durchmesser.

Wie die jüngste Explosion in Beirut, bei der am 4. August 2750 Tonnen unachtsam im Hafen gelagerte Chemikalien detonierten und weite Teile des Zentrums der libanesischen Hauptstadt zerstörten, hatte auch der Mord an Hariri ein heftiges politisches Nachbeben: Hunderttausende Libanesen strömten auf den zentralen Märtyrerplatz und erzwangen den Abzug der seit 1976 im Libanon präsenten syrischen Truppen. Hinter dem Mord an dem selbstbewussten sunnitischen Politiker, so die Überzeugung der Demonstranten, habe nur das syrische Regime stecken können – und seine libanesischen Verbündeten, die schiitsche Miliz und Partei Hizbollah.

Ein Krater von elf Metern Durchmesser: Beim Selbstmordattentat in Beirut kamen 2005 insgesamt 22 Menschen ums Leben.
Ein Krater von elf Metern Durchmesser: Beim Selbstmordattentat in Beirut kamen 2005 insgesamt 22 Menschen ums Leben.
Foto: Keystone 

Fünfzehn Jahre nach Hariris Tod steht der Libanon wieder vor grossen politischen Umwälzungen – und der Anschlag auf den Premier erfährt das Ende seiner juristischen Aufarbeitung. Ein Sondertribunal der Vereinten Nationen hat am Dienstag in Leidschendam, einem Vorort Den Haags, nach sechs Jahren Verhandlung, einen der vier Angeklagten schuldig gesprochen. Der Libanese Salim Dschamil Ajjasch sei an dem Terroranschlag beteiligt gewesen, so das Gericht. Die anderen drei wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen

Die Hizbollah weist alle Schuld von sich

Zwar fanden die Richter keine Beweise, die das syrische Regime oder die Führung der Hizbollah als Auftraggeber des politischen Mordes eindeutig belasten. Doch waren die vier bis heute flüchtigen Angeklagten allesamt Mitglieder der schiitischen Miliz. Dass die Tat ohne Befehl geplant und ausgeführt wurde, halten vor allem die Anhänger von Rafik Hariris Sohn für kaum glaubhaft.

Saad Hariri, der ebenfalls als Premier amtierte, appellierte jedoch an seine Unterstützer, nicht die Konfrontation mit Hizbollah-Mitgliedern zu suchen. Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah weist seit Jahren alle Schuld von sich und seiner Organisation – und wiederholte dies in den vergangenen Tagen.