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Sport in der guten StubeGeorge Foreman:
Ein Mann, ein Grill –
und zwei Fäuste

Der Dokumentarfilm „Big George“ durchleuchtet eine Box-Karriere, die so wechselhaft wie beeindruckend ist: Als junger Bösewicht erklimmt George Foreman den Thron, um tief zu fallen. Er wird Priester, verkauft Grills – und kehrt – von allen belächelt – zurück.

Ein wahres Schwergewicht: George Foreman.
Ein wahres Schwergewicht: George Foreman.
KEYSTONE

George Foreman trägt eine Wollmütze. Sein Gesicht ist leicht aufgedunsen. Seine Hände halten ein grosses Beil. Tschack… tschack… tschack… Der gealterte Mann ist an der Arbeit, auf seinem eigenen Landgut hackt er Holz. Tschack… tschack… Konzentriert. Unermüdlich. Als er mit 45 noch einmal Weltmeister im Schwergewicht wird, gibt es Menschen, die behaupten, aufgrund dieser Übung sei er auch noch als übergewichtiger Box-Opa in der Lage gewesen, die besten Faustkämpfer des Planeten mit einem Schlag in den Schlaf zu befördern.

20 Jahre zuvor liegt George Foreman 1974 in Kinshasa selbst auf dem Boden. Zum ersten Mal. Sensationell. Er, das grosse, junge, starke, furchteinflössende Ungetüm. Überlistet und zu Fall gebracht von einem Muhammad Ali, der nicht mehr schwebt wie ein Schmetterling, sondern sich in die Seile gelehnt hat. Rundenlang, damit Foreman sich müde schlägt.

Es ist der frühe Tiefpunkt. Aber nicht das Ende. Sondern erst der Anfang einer unvergleichlichen Karriere. Foreman wird Priester. Verkauft Grills. Isst Hamburger. Zehn Jahre lang ballt er nicht einmal mehr seine Faust. Und kehrt 1987 als Geläuterter in den Ring zurück, weil er Geld braucht. Er wird belächelt. Dann als Aussenseiter geliebt. Und schliesslich gefeiert.

Der Dokumentarfilm „Big George“ aus dem Jahr 2017, den es nur in englischer Originalfassung zu sehen gibt, zeichnet diesen faszinierenden Weg in 82 Minuten nach. Vollgepackt mit altem und älterem Film-Material, angereichert mit aktuellen Interviews. Ein Genuss – nicht nur für Box-Fans. Jederzeit gratis auf Youtube abrufbar. (olg)

Die BaZ-Serie „Sport in der guten Stube“ gibt täglich Tipps für zuhause, die dabei helfen sollen, die Corona-Zeit halbwegs sportlich zu überbrücken.