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So viele Jobs kostet die Corona-Krise+++ Die SRG baut 250 Stellen ab +++ Insgesamt über 7000 Stellen gestrichen

Seit Beginn der Corona-Krise fallen in der Schweiz Tausende Jobs weg. Fast täglich kündigen Firmen derzeit Entlassungen an. Die Übersicht.

Das Wichtigste in Kürze – Stand: 16. September:

  • Besonders hart trifft es die Reisebranche (–2000 Stellen) und die Industrie (–1000).
  • Den grössten Einschnitt meldete bislang die Credit Suisse, wo 500 Arbeitsplätze wegfallen.
  • Gewerkschafter erwarten im Herbst eine Entlassungswelle.
  • Laut Experten könnte der Anteil der Langzeitarbeitslosen bis im Sommer 2021 auf 40 Prozent steigen.

Wie setzt sich die Summe der abgebauten Stellen zusammen?

Die Zahl basiert auf öffentlichen Meldungen und Ankündigungen von Unternehmen. Offen ist, ob es tatsächlich zu einem Stellenabbau kommt und in welchem Umfang dieser vollzogen wird. Die Zahl der bei den Unternehmen tatsächlich abgebauten Stellen unterscheidet sich oftmals deutlich von der ursprünglichen Ankündigung.

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Bei der SRG fallen 250 Stellen weg

Die Auswirkungen der Coronakrise erhöhen den Spardruck bei der Schweizerischen Radio und Fernsehgesellschaft SRG. Das Unternehmen hat deshalb einen Sparplan in Höhe von 50 Millionen Franken angekündigt. Vorgesehen ist ein Abbau von 250 Vollzeitstellen bis 2024. Der Grossteil des Abbaus soll über die natürliche Fluktuationen erfolgen, Entlassungen seien aber nicht zu vermeiden, heisst es bei der SRG. (SDA)

SRF Radiostudio in Zürich (Samuel Schalch)
Beim Hotel Swissôtel in Oerlikon sind 270 Stellen bedroht

Das Hotel Swissôtel ist das eigentliche Wahrzeichen von Oerlikon. Doch nun drohen die 347 Zimmer leer zu bleiben, denn das Hotel wird gemäss «Blick» seine Türen schliessen. Corona habe dem Hotel zugesetzt, der Messestandort Zürich sei klinisch tot, am Flughafen laufe gar nichts. 270 Angestellte sollen betroffen sein.

Abbau beim Flughafen Genf

In einem Communiqué teilt der Flughafen Genf mit, dass 56 Stellen wegfallen. Dafür werden einzelne befristete Verträge nicht verlängert, die natürliche Fluktuation genutzt und es kommt zu Frühpensionierungen. «Es wurde eine Reihe weiterer Sparmassnahmen ergriffen, wie die Reduzierung von Zeitarbeitskräften und Ausbildungskosten, die Kürzung oder Abschaffung von Prämien und das Einfrieren von Rentenzahlungen», heisst es in der Mitteilung. Die Sparmassnahmen sollen bis 2021 zu einer 10 Prozent tieferen Lohnsumme führen.

Die Zahl der Stellensuchenden steigt

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich meldet einen starken Anstieg der Stellensuchenden. Die Zahl kletterte von rund 155 000 anfangs Jahr auf aktuell rund 188 000.

Bank BNP Paribas streicht in Genf 120 Stellen

Die Genfer Bank BNP Paribas steigt aus der Transaktionsfinanzierung im Rohstoffsektor aus, dies geht aus einer Medienmitteilung hervor. Das Institut prüft nun Massnahmen, welche den Abbau von bis zu 120 Stellen in Genf bedeuten könnten.

Weniger Mitarbeiter bei Swissport

Beim Flughafendienstleister Swissport sind in der Schweiz seit Jahresbeginn 368 Stellen weggefallen. Laut der Pressestelle fand kein regulärer Stellenabbau statt. Der Rückgang bei der Mitarbeiterzahl von 4621 auf aktuell 4253 erkläre sich durch den im Februar verhängten Einstellungsstopp sowie die normale Fluktuation, Pensionierungen, die Nicht-Verlängerung von befristeten Verträgen und Kündigungen während der Probezeit.

Zürichsee-Gastro baut zwölf Stellen ab

Zürichsee-Gastro muss aufgrund der Corona-Pandemie den Gürtel enger schnallen. «Da die Passagierzahlen und damit auch der Gastro-Konsum stark eingebrochen sind, haben wir uns schweren Herzens dazu entschieden, auf den umsatzschwachen Rundfahrten keine Bewirtung mehr anzubieten», sagt Roland Thalmann, Geschäftsführer der R.T. Gastro AG und Pächter der Zürichsee-Gastro. Betroffen sind zwei Linien ab Zürich. Dies hat auch für die Angestellten Konsequenzen: Zürichsee-Gastro baut zwölf Stellen ab.

Migros-Tochter Saviva entlässt 25 Angestellte

Migros-Tochter Saviva bekommt als Gastrolieferant die Coronakrise zu spüren. Wegen des starken Geschäftsrückgangs kommt es beim Gastroliefrerant zu einem Stellenabbau. Ende August wurde 25 Mitarbeitenden gekündigt, bestätigte die Migros gegenüber AWP einen Artikel des «Blick» (Link zum «Blick»-Artikel).

Die Coronakrise habe der Gastronomie-Branche in der ganzen Schweiz schwer zugesetzt, heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Aufträge seien stark zurückgegangen und eine Erholung sei nicht in Sicht.

Der Flughafen Zürich baut Personal ab

Am Flughafen Zürich werden 120 Stellen abgebaut. Zudem wurden diese Woche 26 Kündigungen ausgesprochen, wie Flughafen-Sprecherin Raffaela Stelzer eine entsprechende Information des «Tages-Anzeigers» bestätigt: Sie hätten seit Beginn der Krise diverse Massnahmen ergriffen, wie etwa Einführung von Kurzarbeit und ein Einstellungsstopp. Vergeblich: «Aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Ausblicks müssen wir jedoch Stellen reduzieren.»

GE baut in der Schweiz Stellen ab

Der US-Industriekonzern General Electric (GE) setzt zu weiteren Einschnitten in der Schweiz an. Die Stromnetzsparte GE Grid Solutions will die Produktion in Oberentfelden AG einstellen. Davon wären 436 Angestellte betroffen, teilte GE am Freitag mit.

Allenfalls könnten 57 Stellen erhalten bleiben, heisst es weiter. Diese Stellen stammten hauptsächlich aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, Logistik, Verkauf sowie Dienstleistungen zur Betreuung der installierten Basis in der Schweiz.

Grund für den Abbau seien die schwierigen Aussichten für den globalen Markt für gasisolierte Schaltanlagen (GIS) und die Notwendigkeit von der Sparte Grid, ihre Produktionsstandorte zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu konsolidieren. (SDA)

Hier geht es zur ausführlichen Meldung.

Positive Signale vom Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt erholt sich und die Zahl der offenen Stellen steigt wieder. Von Juni bis August ist die Anzahl der ausgeschriebenen Jobs von 26'490 auf 39'915 um über 50 Prozent angestiegen. Nur 7 Prozent der Firmen wollen Stellen abbauen – das sind weniger als in der Finanzkrise.

Lesen Sie mehr zum Thema: Arbeitsmarkt erholt sich

Gefragt: Pflegepersonal und Ärzte, hier im Unispital Lausanne.
Die Zahl der offenen Stellen steigt wieder
Gefragt: Pflegepersonal und Ärzte, hier im Unispital Lausanne.
Foto: Keystone

Wo durch Corona am meisten Jobs verloren gingen

Daten des Bundesamtes für Statistik geben Einblick darüber, in welchen Branchen am meisten Leute wegen der Pandemie ihren Job verloren haben. Sie beruhen auf saisonbereinigten Werten für das zweite Quartal für ausgewählte Branchen. Insgesamt sind 55’000 Stellen weggefallen.

Zu den grössten Verlierern gehören Temporärbeschäftigte. Allein im zweiten Quartal gingen 24’500 Stellen verloren. Die Betroffenen sind bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt, die sie dann weitervermitteln – etwa in die Gastronomie, an den Bau, in die Industrie oder für Grossveranstaltungen.

500 Stellen bei der Credit Suisse gefährdet

Laut CS-Schweiz-Chef André Helfenstein könnten bis zu 500 Stellen wegfallen. Die Jobs werden vor allem in den unterstützenden Bereichen abgebaut. Bis Oktober hätten betroffene Mitarbeiter Klarheit, wie es mit ihnen weitergeht.

Die Bank werde versuchen, möglichst viele Angestellte intern umzuplatzieren. Darüber hinaus bestehe ein Sozialplan. Der Bankenpersonalverband kritisiert den geplanten Abbau und fordert einen Kündigungsstopp bis Ende Jahr: «Die Entscheidung der CS, trotz ansprechender Halbjahreszahlen eine Restrukturierung mit Stellenabbau durchzuführen, lässt an der Solidarität gegenüber den Arbeitnehmenden zweifeln.»

Die Credit Suisse schliesst Filialen. Bild: Reuters
Die Credit Suisse schliesst Filialen. Bild: Reuters
200 Jobs bei Philip Morris weg

Der Tabakkonzern Philip Morris leitet die im vergangenen Januar angekündigte zweite Phase der Restrukturierung ein. Mit dieser sollen voraussichtlich weitere 200 Stellen abgebaut werden.

Die endgültige Zahl werde vom Ergebnis der Mitarbeiterkonsultation abhängen, teilte der Tabakmulti am Freitag mit. Ungefähr 35 Prozent der in dieser Phase betroffenen Stellen sollen an andere Standorte verlegt und den Mitarbeitern die Möglichkeit einer Versetzung angeboten werden.

Manor streicht 480 Jobs

Manor unterzieht sich einer Restrukturierung und streicht 476 Stellen. Angesichts schrumpfender Einnahmen und veränderter Kaufgewohnheiten baut die Warenhauskette ihr Online-Angebot aus.

Bis Ende 2024 solle der aktuelle Online-Anteil verfünffacht werden, teilte Manor am Montag in einem Communiqué mit. Der Einkauf im Internet solle für die Kunden einfacher werden. Überdies werde das Produkt-, Beratungs- und Dienstleistungsangebot ausgeweitet.

Bucherer will in der Schweiz bis zu 220 Stellen abbauen

Der Uhren- und Schmuckverkäufer Bucherer spürt die Folgen der Coronakrise und baut Stellen ab. Insgesamt sollen 370 der weltweit 2'400 Arbeitsplätze der Gruppe verloren gehen, rund 220 davon in der Schweiz.

Bucherer sei stark von der Krise im Tourismus betroffen, begründete die Gruppe den Stellenabbau in einer Mitteilung vom Mittwoch. Das Ausbleiben asiatischer Touristen seit Januar belaste vor allem das Geschäft in der Schweiz, die Umsätze seien entsprechend eingebrochen.

Schindler baut 2000 Stellen ab

Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler leidet unter der von der Covid-19-Pandemie ausgelösten Rezession und hat im Halbjahr einen tieferen Umsatz und einen Gewinneinbruch verbucht. Der Konzern will mit einer Restrukturierung und Kostenmassnahmen auf die tiefere Nachfrage reagieren. In den nächsten zwei Jahren sollen dabei auch rund 2'000 Stellen gestrichen werden, was rund 3 Prozent der derzeitigen Mitarbeiterzahl entspricht. Rund 200 Jobs sollen in der Schweiz wegfallen.

Massenentlassung im Hotel Ambassador

Kürzlich hat die Meili-Hotelgruppe das Hotel Ambassador im Zürcher Seefeld gekauft, nun muss ein Grossteil der 75 Mitarbeitenden mit einer Entlassung rechnen. Der Stellenabbau hat nur indirekt mit der Corona-Pandemie zu tun. Die neuen Besitzer ziehen den Umbau des 4-Sterne-Hauses gleich hinter dem Opernhaus wegen der Pandemie um ein bis zwei Jahre vor, sagt Geschäftsführer Michael Böhler auf Anfrage. Die Mitarbeitenden seien informiert über den geplanten Stellenabbau, momentan laufe die Konsultationsphase.

Gate Gourmet streicht hunderte Jobs

Der Flug-Verpflegers Gate Gourmet spart. Gategroup-Sprecherin Nancy Jewell bestätigt: «Gate Gourmet Zürich und Genf haben heute, den 22. Juli 2020, den Konsultationsprozess für eine mögliche Massenentlassung begonnen.» Die maximale Anzahl Angestellter, die ihren Job verlieren könnte, beziffert sie auf 350. Die meisten davon dürften am Standort Zürich anfallen. Total beschäftigt Gategroup in der Schweiz rund 2000 Personen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Noch ein Schlag für den Flughafen-Standort

Harte Einschnitte: Gate Gourmet muss sparen und baut Hunderte Stellen ab.
Gate Gourmet streicht hunderte Jobs
Harte Einschnitte: Gate Gourmet muss sparen und baut Hunderte Stellen ab.
Foto: Thomas Egli

SR Technics streicht über 400 Jobs – trotz 120 Millionen Staatshilfe

SR Technics plant im Rahmen der Restrukturierung rund 500 Stellen zu streichen. Mit einem Minus von deutlich über 400 Jobs sei der Standort am Flughafen Zürich am stärksten betroffen. Dort beschäftigt SR Technics aktuell 1400 Mitarbeiter. Auch einen substanziellen Teil der 300 Angestellten am Flughafen Genf und der knapp 100 in Basel dürfte es treffen.

Der Flugzeugtechnikdienstleister SR Technics hat 120 Millionen Franken Staatshilfe erhalten – der Bundesrat hält ihn für systemrelevant.