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Symbiose im TierreichGemeinsam Parasiten knabbern

Partnergarnelen schliessen sich mit anderen Tieren zu Putztrupps zusammen, um Fische zu reinigen.

Immer auf der Suche nach Parasiten: eine Pedersons Partnerganrele (Ancylomenes pedersoni)
Immer auf der Suche nach Parasiten: eine Pedersons Partnerganrele (Ancylomenes pedersoni)
Foto: Getty Images/iStockphoto

Ja, auch eine Garnele ist nicht davor gefeit, sich zu viel vorzunehmen. Zum Beispiel, wenn sie sich eines «Kunden» angenommen hat: eines Fisches, dem sie Parasiten von der Haut knabbern will. Diese Putz-Symbiose bringt beiden Beteiligten Vorteile. Die Garnele bekämpft ihren Hunger durch die Knabberei, den gesäuberten Fisch plagen weniger Parasiten.

Doch handelt es sich um einen besonders grossen Klienten, ist die Aufgabe womöglich zu gross für die Garnele. Jedenfalls hat sie dann nichts dagegen, wenn sich auch Putzertiere einer anderen Art am selben Fisch zu schaffen machen – die Parasiten reichen für beide.

Solche ungewöhnlich wirkenden Putzgemeinschaften stellen zumindest in den Korallenriffen vor Honduras alles andere als eine Seltenheit dar, schreiben Biologen um Amelia Rose von der University of Oxford im Fachmagazin Biology Letters. Bisher sei nichts darüber bekannt gewesen, wie häufig sich verschiedene Spezies zusammentun, um simultan einen Kunden zu bearbeiten. Um hierauf erstmals eine quantitative Antwort liefern zu können, werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler knapp 700 Stunden Videomaterial aus, das 1722 Interaktionen zwischen Putzer und Kunden an 145 verschiedenen «Putzstationen» zeigte.

Garnelen und Grundeln einträchtig nebeneinander

In allen Fällen waren zunächst die Garnelen als Putzer tätig. Ob dann auch Grundeln, also kleine Fische, in den Service am selben Tier einstiegen, richtete sich massgeblich nach der Grösse des Klienten. War dieser länger als 20 Zentimeter, knabberten in 45 Prozent der Fälle sowohl eine Garnele als auch ein Fisch an ihm. Bei kleineren Kunden dagegen geschah dies nur in acht Prozent der Fälle. Das wirft die – noch unbeantwortete Frage auf – wie die Grundeln die Körpergrösse des Kunden beurteilen können.

Garnelen und Grundeln arbeiteten stets einträchtig nebeneinander. Aggressionen zwischen beiden Putzer-Spezies hätten sie keine beobachtet, schreiben die Autoren. Möglicherweise konzentrieren sich die beiden Arten auf verschiedene Parasiten, so dass für beide Putzer genug abfällt. Der Klient wiederum profitiert möglicherweise von der simultanen Aktion, weil er noch gründlicher von Hautparasiten befreit wird. Allerdings muss er dafür auch mehr Zeit mitbringen. Denn waren zwei Putzer zugleich am Werk, dauerte der Vorgang etwa doppelt so lange, als wenn ausschliesslich Garnelen am Kunden knabberten. Warum das Simultan-Putzen länger dauert, ist noch unklar.

Das Zusammenspiel zwischen Putzer und Kunde gilt in der Biologie als Paradebeispiele einer für alle vorteilhaften Symbiose. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass keiner der Beteiligten schummelt oder seinen Part vernachlässigt.

Blaustreifen-Putzerlippfisch (Labroides dimidiatus)
Blaustreifen-Putzerlippfisch (Labroides dimidiatus)
Foto: Wikipedia

Wie die Kunden-Fische möglicherweise erkennen können, ob ein Putzer für seinen Job auch wirklich geeignet ist, hat eine Gruppe um Sandra Trigo von der Universität Porto untersucht. Ihre Studie im Fachblatt «Behavioural Processes» widmete sich dem Blaustreifen-Putzerlippfisch. Dessen normalerweise leuchtend blaue Körperfärbung verblasste, wenn die Forscher die Fische in Experimenten physiologischem Stress aussetzten. Zugleich sank dann auch die Putz-Leistung der Tiere.

Möglicherweise, so spekulieren die Forscher, erkennen Kunden an der Intensität der Blaufärbung eines Putzerlippfisches, ob dieser fit genug ist für die Hautreinigung. Erscheint der Putzer zu blass, sucht sich der Klient vielleicht lieber einen anderen Partner, bei dem sich das Stillhalten eher lohnt.