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Sportevents im Free-TVGehört Fussball zum Auftrag der SRG?

CH Media hat die SRG bei den Fernsehrechten für die Champions League ausgestochen. Jetzt streiten sich Politiker über die Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen Sender.

Spiele der Champions League laufen ab der Saison 2021/22 auf den frei zugänglichen Sendern 3+ und TV24 statt auf SRF.
Spiele der Champions League laufen ab der Saison 2021/22 auf den frei zugänglichen Sendern 3+ und TV24 statt auf SRF.
Foto: Martin Meissner (Keystone)

Die gute Nachricht für Fussballfans zuerst: Eine begrenzte Anzahl Spiele der Champions League sind hierzulande weiterhin im frei zugänglichen Fernsehen zu sehen. Allerdings müssen die Zuschauer ab dem kommenden Jahr neue Sender einschalten. Nicht mehr SRF überträgt die Partien, sondern 3+ und TV24.

Diese Stationen gehören zum privaten Medienhaus CH Media mit Sitz in Aarau. Das Unternehmen hat als Unterlizenznehmerin den Zuschlag der Swisscom-Tochter Teleclub erhalten, welche als Bezahlsender die Übertragungsrechte besitzt.

Es gibt aber auch eine schlechte Nachricht: 3+ und TV24 übertragen weniger Spiele als zuvor die SRG. In der Champions League sind es sechs Gruppenspiele sowie der Final. In der Europa League und der neu auf die Saison 2021/22 beginnenden Europa Conference League sind es zusammen 16 ausgewählte Spiele.

Derweil konnte SRF diese Saison pro Spieltag stets eine Champions- und eine Europa-League-Partie live zeigen – auch noch in der K.-o.-Phase. Vor der Saison 2018/19 waren es gar noch jeweils zwei Champions-League-Duelle gewesen.

Politik schaut hin

Die neue Ausgangslage ruft die Politik auf den Plan. Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran wundert sich auf Twitter, dass die «halbstaatliche» Swisscom die Sublizenzen nicht an die öffentlich finanzierte SRF-Muttergesellschaft SRG vergibt. «Macht alles teurer und komplizierter für die Zuschauer. Kooperation geht anders.» Es bestehe Handlungsbedarf.

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen kontert: Die SRG habe richtig entschieden, nicht höher zu bieten. Es sei gut, dass private Medienhäuser mit Fussball ein spannendes und publikumfreundliches Produkt im Free-TV anbieten könnten.

«Wenn ich die Konzession der SRG ansehe, ist es ohnehin fraglich, ob die Übertragung von Champions-League-Spielen zum Auftrag der nicht gewinnorientierten SRG gehört», sagt Wasserfallen.

Sinkende Werbeumsätze und die Ablehnung der No-Billag-Initiative zwingen die SRG seit 2018, Kosten zu sparen. Anfang Jahr gab das Unternehmen bereits das zweite Sparprogramm bekannt. Mindestens 200 Stellen sollen bis Ende 2022 abgebaut werden.

Branchenkreise schätzen, dass CH Media für das Rechtepaket einen Betrag zwischen 4 bis 5 Millionen Franken pro Jahr an Teleclub für die Sublizenz zahlt. Die Swisscom-Tochter Teleclub wiederum dürfte für die Übertragungsrechte zwischen 25 und 30 Millionen Franken pro Jahr an den europäischen Fussballverband Uefa zahlen, heisst es.

Preis «im vernünftigen Rahmen»

Roger Elsener, Chef der TV-Sparte von CH Media, will auf Nachfrage nichts zum Preis sagen, ausser dass dieser «im vernünftigen Rahmen» liege.

Die Sender der Gruppe wie 3+ oder TV24 sind bisher primär für US-Filme und Serien und Formate wie «Der Bachelor» oder «Bauer sucht Frau» bekannt. Und gerade im kleinen deutschschweizerischen Markt ist es schwer, teuer eingekaufte Premium-Inhalte wie Sportrechte zu refinanzieren.

Elsener ist zuversichtlich, dass ihm das gelingt. Zum einen sollen um die Fussballspiele Sponsoring- und Werbeblöcke vermarktet werden. Doch das reicht in der Regel nie aus, das Geld wieder einzuspielen. «Wir erreichen zudem durch das erwartete Marktanteilswachstum eine generell höhere Kapitalisierung unserer Sender», erklärt Elsener.

«Wir haben gute Chancen, auch Spiele von Schweizer Teams zu zeigen, sollte sich ein Schweizer Team qualifizieren.»

Roger Elsener, Chef der TV-Sparte von CH Media

Das heisst: Die Werbeplätze der Sender von CH Media sollen dank der Fussball-Live-Übertragungen bei den Werbekunden insgesamt höherwertig und damit teurer vermarktet werden. «Wir haben gute Chancen, auch Spiele von Schweizer Teams zu zeigen, sollte sich ein Schweizer Team qualifizieren», sagt Elsener mit Blick auf die Champions League.

«Die Vermarktungsstrategie kann funktionieren», sagt Kay Dammholz, Chef des TV-Rechtevermarkters Sass Media. In Deutschland versuche der Sender Pro7 gerade Ähnliches, denn Pro7 hat sich die Rechte gekauft, 9 Bundesliga-Spiele live pro Saison zeigen zu dürfen.

Im Kampf gegen Streamingplattformen wie Netflix sind Live-Sportevents der einzig verbliebene Inhalt, bei dem der Zuschauer zwingend zur vorgegebenen Uhrzeit vor dem Schirm sitzen muss. Daher haben die Preise für die Rechte immer höhere Ausmasse angenommen. Doch der Höhepunkt scheint überschritten. So hat die Deutsche Fussball-Liga für die Rechte an den Spielzeiten 2021/2022 bis 2025/26 rund 300 Millionen Euro weniger erlöst.