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Schulzahnklinik wird 100Gegen verfaulte Zähne und Zahnruinen

Die Basler Schulzahnklinik feiert fast unbemerkt ihren hundertsten Geburtstag. Ihren unaufhörlichen Kampf für gesunde Kinderzähne führt sie heute als Teil des neuen Universitären Zentrums für Zahnmedizin.

Der erste Standort der Schulzahnklinik befand sich an der Ecke St.-Alban-Graben/St.-Alban-Vorstadt. Wegen der Verbreiterung der Wettsteinbrücke wurde das Haus Ende der 1930er-Jahre abgerissen.
Der erste Standort der Schulzahnklinik befand sich an der Ecke St.-Alban-Graben/St.-Alban-Vorstadt. Wegen der Verbreiterung der Wettsteinbrücke wurde das Haus Ende der 1930er-Jahre abgerissen.
Foto: PD

Die Spanische Grippe von 1918/19 lag noch nicht lange zurück, als in Basel 1921 eine der ersten Schulzahnkliniken der Schweiz gegründet wurde. Der schlimmsten Pandemie seit Jahrhunderten waren in der Schweiz rund 24500 Menschen zum Opfer gefallen. Allein im Kanton Basel-Stadt wurden 760 Grippetote verzeichnet, in Baselland waren es 470.

Im Gefolge der Seuche nahmen Bemühungen zu, Krankheiten präventiv zu bekämpfen und die «Volksgesundheit», wie man damals sagte, zu fördern. Die Präventivmedizin wurde ausgebaut. Dabei richtete sich das Augenmerk vor allem auch auf die Kinder, deren Gesundheit gestärkt werden sollte, etwa durch die Verteilung von Milch und der berühmten Pausenäpfel an Basler Schulen.

Staatlich subventioniert

Im Fokus stand vor allem aber auch die Zahnhygiene. «Die damalige Situation der Kinder war hinsichtlich Mundhygiene und Karies derart erschreckend, dass die politischen Behörden beschlossen, eine Zahnklinik zu eröffnen, welche für alle Kinder zugänglich sein sollte, wobei die Zahnbehandlungen staatlich subventioniert wurden», fasst Gerlinde Spitzl, seit Anfang Januar CEO des Universitären Zentrums für Zahnmedizin Basel (UZB), die Situation vor rund einem Jahrhundert zusammen.

Die Idee einer Basler Schulzahnklinik war schon um 1910 aufgekommen. Mitten im Ersten Weltkrieg bewilligte die Regierung dann 1916 einen entsprechenden Kredit. 1919 noch während der Pandemie beschloss der Regierungsrat offiziell die Errichtung einer staatlichen Schulzahnklinik. Der entsprechende Ratschlag wurde vom Grossen Rat am 12. Februar 1920 genehmigt.

Die Notwendigkeit der Klinik wurde dabei von einem anonymen Ratsmitglied folgendermassen begründet: «Wie viele Kinder tragen Zahnruinen mit sich herum, Fünfjährige schonund kein Mensch, der sich um den Schaden kümmerte, der dem Kind zeitlebens erwächst. Wie viele Eltern sehen den Schaden nicht, erkennen ihn nicht, weil sie selber nichts anderes im Munde haben als Zahnruinen.»

Erfolgreicher Kampf gegen Karies

Vor fast genau hundert Jahren konnte die Schulzahnklinik dann am 15. Januar 1921 am St.-Alban-Graben gleich neben der Wettsteinbrücke beim damaligen Standort des Erziehungsdepartements eröffnet werden. Die Schulzahnklinik war schnell erfolgreich. Schon 1926 verzeichnete sie knapp 22’000 Konsultationen.

Der Erfolgskurs setzte sich in den kommenden Jahrzehnten an diversen Standorten fort, auch mittels der legendären fahrbaren Schulzahnklinik, die unvermittelt vor den Basler Schulen aufzutauchen pflegte. «Die Schulzahnklinik ist eine Erfolgsgeschichte, hat sich doch die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen hundert Jahren stark verbessert», betont Spitzl. «Heute sind die zahnmedizinischen Behandlungen für Kinder und Jugendliche aus dem Basler Schulalltag nicht mehr wegzudenken.»

1924 wurde die Volkszahnklinik für Erwachsene gegründet, die ab 1957 unter einem Dach mit der Schulzahnklinik agierte. Nach einer Volksabstimmung 2014 wurden dann die Volkszahnklinik, die Schulzahnklinik und die Universitätskliniken für Zahnmedizin 2016 zusammengelegt zum UZB. 2019 erfolgte auch die räumliche Zusammenlegung im neuen hochmodernen Gebäude an der Mattenstrasse.

Seit 2019 ist die ehemalige Schulzahnklinik als Teil des Universitären Zentrums für Zahnmedizin Basel in einem Neubau an der Mattenstrasse beheimatet.
Seit 2019 ist die ehemalige Schulzahnklinik als Teil des Universitären Zentrums für Zahnmedizin Basel in einem Neubau an der Mattenstrasse beheimatet.
Foto: PD

Als Kinderzahnklinik ist die ehemalige Schulzahnklinik heute integraler Bestandteil des UZB und für die Umsetzung der Zahnpflegeverordnung des Kantons Basel-Stadt zuständig. Diese beinhaltet jährliche Gratisuntersuchungen und Prophylaxeschulungen für alle schulpflichtigen Kinder in Basel und Behandlungen zu reduzierten Tarifen.

«Dank der Anbindung an die Universität Basel sind unsere Mitarbeitenden und die zahnmedizinischen Behandlungen stets auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft», erklärt Spitzl. «Die Behandlungsbereiche umfassen Kariesprophylaxe, Zahnfüllungen, Zahnspangen, Zahnchirurgie, Zahnunfälle und jährliche kostenlose Schuluntersuchungen.»

Andreas Stutz präsentiert Gerlinde Spitzl, seine Nachfolgerin als CEO des Universitären Zentrums für Zahnmedizin  Basel (UZB).
Andreas Stutz präsentiert Gerlinde Spitzl, seine Nachfolgerin als CEO des Universitären Zentrums für Zahnmedizin Basel (UZB).
Foto: Kostas Maros 

Das Hundert-Jahr-Jubiläum wird dieser Tage nicht begangen. «Die derzeitige Situation erlaubt leider keine Feiern – auch nicht im Kreis der Mitarbeitenden», so Gerlinde Spitzl. «Die aktuelle Pandemie fordert uns im UZB sehr stark. Der Schutz und das Wohl der Patientinnen und Patienten wie auch der Mitarbeitenden stehen dabei für uns an erster Stelle.»

Kinder gesucht für Nuggi-Studie

Zurzeit geht es für die neue Geschäftsführerin des UZB darum, die einzelnen Kliniken und die Mitarbeitenden wie auch die Abläufe und Prozesse kennen zu lernen und zu verstehen. Natürlich steht dabei auch die Kinderzahnklinik im Fokus. Hier soll eine Kleinkindersprechstunde eingerichtet werden. Denn viele Kinder würden auch heute noch keine optimale zahnmedizinische Betreuung erfahren.

Im Fokus sind gegenwärtig auch Zahnfehlstellungen bei Kindern. So sucht die Kinderzahnklinik für eine Studie 200 Kinder zwischen zwei und fünf Jahren mit Zahnfehlstellungen, die durch einen Nuggi und/oder eine Schoppenflasche verursacht wurden. Die Dauer der Studie am UZB beträgt ein Jahr und umfasst fünf Visiten am UZB.