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Riskante BahntransporteGefahrgüter rollen mitten durch Basel

Jahr für Jahr rollen 700’000 Tonnen zum Teil hochgefährlicher Güter durch den Bahnhof SBB. Nun erhöht die Verschiebung zweier Gleise das Risiko.

 Unter der geplanten Postüberbauung mit Hochhäusern hindurch und  vorbei an den Wohn-und Geschäftshäusern des Gundeli : In Basel  sind die Gleise mit Gefahrengütern nahe an der Bevölkerung.
Unter der geplanten Postüberbauung mit Hochhäusern hindurch und vorbei an den Wohn-und Geschäftshäusern des Gundeli : In Basel sind die Gleise mit Gefahrengütern nahe an der Bevölkerung.
 

Sie verlief glimpflich, die Havarie am Rangierbahnhof Muttenz. Wegen eines Loches in einem Tankwagen liefen am Montagabend einige Hundert Liter Salzsäure aus. Die aufgebotenen rund 50 Feuerwehrleute wurden schnell Herr der Lage. Sie dichteten das Loch im Tankwagen ab und rangierten ihn auf ein Havariebecken, wo die auslaufende Substanz aufgefangen wurde. Weitere Salzsäure aus dem Tank wurde in andere Wagons umgepumpt. Die Salzsäure-Dämpfe vor Ort wurden mit Wasser neutralisiert. Eine Person musste ins Spital eingeliefert werden.

Dass es schlimmer hätte werden können, wurde einem an einem Anlass der «Neuen Gruppe Bahnhof» am darauffolgenden Abend in Basel klar. Die überparteiliche Vereinigung unter dem Präsidium von CVP-Grossrat Oswald Inglin engagiert sich bei der Entwicklung des Bahnhofs SBB und des umliegenden Areals und lanciert immer wieder Themen und Debatten. Pro Jahr rollen 700’000 Tonnen zum Teil hochgefährlicher Güter durch den Bahnhof und die angrenzenden Quartiere. Beim Badischen Bahnhof sind es acht Millionen Tonnen.

Risiko überschaubar

Am Dienstagabend stand unter dem Titel «GefahrenguttransporteHotspot Bahnhof SBB» die Frage im Zentrum, wie gefährlich eigentlich der Basler Bahnhof sei. An der von Inglin moderierten Informationsveranstaltung mit anschliessender Podiumsdiskussion sprachen der Gefahrengutexperte Pascal Gerster, der Basler Kantonschemiker Philipp Hübner, Regierungsrat Lukas Engelberger, der Sicherheitschef von SBB Infrastruktur, Paul Kuhn, und Andreas Kaufmann vom Bundesamt für Verkehr.

Sie alle waren sich einig: Das Risiko ist überschaubar und kalkulierbar. Ein Podiumsteilnehmer nach dem anderen wies auf die zahlreichen Sicherheitsmassnahmen hin, die Gefahrengütertransporte zu einem überschaubaren Risiko machten. Nur in 7 von 87 Bahnunfällen in der Schweiz in den letzten 50 Jahren seien Gefahrenstoffe involviert gewesen. Transporte auf der Strasse seien viel gefährlicher.

Und sowieso: Ohne diese Gefahrengüter gehe es gar nicht, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. In jedem Haarlack und in jedem Shampoo habe es Stoffe, die als Gefahrengüter gelten. Gerade in der Chemie- und Pharmastadt Basel seien Gefahrenguttransporte eine zwingende Notwendigkeit, so die Podiumsteilnehmer.

Gefährliches Chlor

Und so rollen Gefahrengüter durch die Stadt, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Dafür gibt es zwei eigens reservierte Gleise, die auf der Gundeli-Seite des Bahnhofs verlaufen, nur wenige Meter von Häuserzeilen mit Wohnungen, Büros, Läden und einem Altersheim. Den grössten Anteil an den Gefahrengütern hätten Mineralölprodukte. Chemische Grundstoffe umfassten 25 Prozent der Güter. Farben, Gase und Düngemittel umfassten je zwischen 3 und 4 Prozent. Düngemittel können dabei hochgefährlich sein, wie die kürzliche Explosion im Hafen von Beirut zeigte. Bei uns gehe aber die grösste Gefahr von Chlor aus; dieses sei hochgiftig und gefährde bei einem Austreten Leben und Gesundheit im Umkreis von rund 2,5 Kilometer. Es gebe daher Bemühungen, Chlortransporte zu minimieren. Diese hätten auch schon abgenommen.

Mitten durch den Bahnhof

Trotzdem: Befriedigend sei die Situation in Basel nicht. Der Bahnhof sei ein Nadelöhr. Und nun werde die Situation noch gefährlicher. Wie Andreas Kaufmann von Bundesamt für Verkehr ausführte, sollen die Gleise auf der Gundeli-Seite neu für den Personenverkehr freigegeben werden. Neu sollen Gefahrengüter über die Gleise 12 und 14 verschoben werden, mitten im Bahnhof. Diese Gleise werden so künftig gemischt genutzt, für Güter- und Personenverkehr. Dies sei immer gefährlich, so die Podiumsteilnehmer.

Die Basler Regierung hat beim Bund mehr Kapazitäten für den Personenverkehr bestellt. «Wenn Sie am morgen durch die Passerelle kommen, können Sie nachvollziehen, warum», so Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. Ein wachsender Kanton brauche mehr ÖV. Dieses Wachstum mit der Sicherheit der Bevölkerung zu vereinbaren, sei jetzt eine planerische Herausforderung.

8 Kommentare
    Peter Sch.

    Es wäre noch gut gewesen, wenn im Artikel der Anteil von Benzin, Diesel, Heizöl und ähnliches genannt worden wäre. Diese machen den Grossteil der Transporte aus und lassen sich durch Energiesparmassnahmen relativ einfach reduzieren. Wir können also alle etwas dazu beitragen, das Risiko weiter zu verringern.