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FCB-Sportchef Ruedi Zbinden«Ganz klar: Wir wollen weiterspielen»

Sportchef Ruedi Zbinden wünscht sich, dass der Spielbetrieb im Juni wieder aufgenommen wird und bestätigt, dass der FCB an der GV der Liga auch so abstimmen wird. Vorher kann – oder will? – er zwar nichts zur Zukunft von Marcel Koller sagen. Es deutet aber vieles darauf hin, dass sich die Wege im Sommer trennen werden.

Sportchef Ruedi Zbinden im Corona-gerechten Interview am Mittwoch im St.-Jakob-Park.
Sportchef Ruedi Zbinden im Corona-gerechten Interview am Mittwoch im St.-Jakob-Park.
Foto: Urs Lindt  (Freshfocus)

Normalerweise würde das Telefon von Ruedi Zbinden zu dieser Zeit des Jahres kaum eine Minute still stehen. Jetzt wäre die Phase, in der sich die Agenten beim Sportchef melden, ihm Spieler anbieten oder sich angesichts des nahenden Saisonendes nach den Profis des FCB erkundigen. Aber jetzt? Nichts.

«Hier und da kommt mal eine SMS oder eine Mail rein», sagt Zbinden, «ansonsten ist es aber sehr ruhig auf dem Transfermarkt.» Die letzten Wochen hat der 61-Jährige dazu genutzt, um Videos zu sichten und Scouting-Berichte zu studieren. Und sicher auch dazu, um sich seine Gedanken zu machen, wie der FC Basel der Zukunft aussehen wird.

Im Sommer laufen mehrere Verträge aus. Unter anderem der von Marcel Koller. Einen neuen Stand gibt es weiterhin nicht, ob Koller auch nächste Saison noch Trainer des FCB sein wird. Es deutet allerdings vieles darauf hin, dass die Wege von Trainer und Verein sich in wenigen Wochen trennen.

Zbinden sagt nämlich, dass sich inzwischen wohl alle im Verein eine eigene Meinung gebildet hätten. Sagen könne er in der aktuellen Situation nichts. Und selbst auf die Frage, ob Koller bei einem möglichen Titelgewinn Trainer des FCB bleibe, antwortete er: «Das werden wir sehen. Das hängt von den Entscheiden des Bundes und der Liga am 27. und am 29. Mai ab.»

Ansonsten sprach der Sportdirektor des FCB am Mittwoch über…

… den Trainingsbeginn und die mögliche Wiederaufnahme der Liga

Die Basler trainieren seit dieser Woche täglich im St.-Jakob-Park.
Die Basler trainieren seit dieser Woche täglich im St.-Jakob-Park.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

«Nach etwas mehr als zwei Monaten war es natürlich schön, als wir uns am Montag alle wieder im Stadion gesehen haben. Neun Wochen, das ist wohl die längste Phase in meiner gesamten Karriere ohne ein Fussballspiel. Und ich freue mich natürlich auch, wenn am 27. und 29. Mai vom Bund und der Liga das Signal kommt, dass wir im Juni die Meisterschaft wieder aufnehmen können.

Wir werden als FC Basel abstimmen, dass wir weiterspielen wollen. Wir haben noch sportliche Ziele in dieser Saison. In der Liga sind es noch 13 Spiele und da wollen wir etwas gut machen. Im Schweizer Cup können wir gegen Lausanne weiterkommen. Und in der Europa League gegen Frankfurt können wir die Viertelfinals erreichen. Das ist nicht alltäglich für einen Schweizer Verein.»

… die wirtschaftlichen Folgen der Pause

Viele Mikrofone waren am Mittwoch auf Sportchef Ruedi Zbinden gerichtet.
Viele Mikrofone waren am Mittwoch auf Sportchef Ruedi Zbinden gerichtet.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

«Wie genau der Transfermarkt nach der Pause aussieht und wie sich die Preise entwickeln, das kann man aktuell noch nicht abschätzen. Aber es ist nicht so, dass unsere Spieler jetzt Schnäppchen für andere Vereine werden oder wir sie verschenken müssen. Für gute Spieler wird es immer einen entsprechenden Markt gehen.

Für uns wäre es aber sicher ein Vorteil, wenn das Team sich auf einer Bühne wie der Europa League zeigen kann, damit wir den einen oder anderen Spieler verkaufen könnten.»

… die Vertragssituation von Marcel Koller

In wenigen Wochen läuft der Vertrag von Marcel Koller aus. Trotzdem gibt es immer noch keinen neuen Stand über seine Zukunft beim FCB.
In wenigen Wochen läuft der Vertrag von Marcel Koller aus. Trotzdem gibt es immer noch keinen neuen Stand über seine Zukunft beim FCB.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

«Der Stand ist immer noch der gleiche wie vor der Corona-Unterbrechung. Wir müssen auch in dieser Situation erst den 27. und den 29. Mai abwarten, ehe wir weiterschauen. Ich glaube, alle bei uns haben sich in diesem Fall eine eigene Meinung gebildet. Aber wir müssen abwarten, wie es weitergeht. Dann werden wir die Öffentlichkeit informieren, sobald etwas passiert.»

… die auslaufenden Spielerverträge

Bei Edon Zhegrova hat der FCB die Kaufoption nicht gezogen. Bei Arthur Cabral (Mitte) sagt Zbinden: «Wir versuchen alles, um ihn zu halten.»
Bei Edon Zhegrova hat der FCB die Kaufoption nicht gezogen. Bei Arthur Cabral (Mitte) sagt Zbinden: «Wir versuchen alles, um ihn zu halten.»
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

«Sobald wir wissen, ob es weitergeht, werden wir Kontakt zu den entsprechenden Spielern aufnehmen, deren Verträge Ende Juni auslaufen. Dann geht es ja darum, eine Lösung bis zum Ende der Saison zu finden. Wir werden das mit jedem einzelnen anschauen. Bei Arthur Cabral ist es so, dass wir alles versuchen, um ihn zu halten.

Es gibt auch den Fall, dass unsere Leihspieler im Sommer zurückkehren. Zum Beispiel Dimitri Oberlin oder Aldo Kalulu. In Belgien ist es so, dass die Liga abgebrochen wurde. Dimitri trainiert jetzt noch eine Woche und müsste am 1. Juli eigentlich wieder bei uns sein. Was bis dahin geschieht, werden wir mit seinem Club besprechen. Bei Aldo ist es so, dass Swansea noch Chancen auf die Playoffs hat. Ich gehe davon aus, dass er bis zum Ende der Saison dort bleibt.

Für aktuelle Spieler in unserem Kader habe ich derzeit keine Angebote auf dem Tisch.»

… die öffentliche ausgetragene Diskussion um den Lohnverzicht

Auch der Sportchef hat auf Teile seines Lohnes verzichtet.
Auch der Sportchef hat auf Teile seines Lohnes verzichtet.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

«In diesem Fall sind sicher auf beiden Seiten Fehler gemacht worden, das wissen alle. Aber wir haben das Thema vor einigen Wochen besprochen und aus der Welt geschafft. Der Präsident, Roland Heri, drei Spieler und ich haben es geklärt und abgehakt.

Ich persönlich habe auch auf Lohn verzichtet. Ich bin in einer speziellen Situation: Ich habe dem Verein sehr viel zu verdanken. Ich habe dem Präsidenten darum bereits im März eine Mail geschrieben und in den nächsten zwei drei, Monaten auf einen grossen Teil meines Lohnes verzichtet. Das ist für mich selbstverständlich.»