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Trotz Pornos erhält ein Lehrer sein Diplom zurück

Weil er riesige Mengen von Pornos in der Schule gespeichert und dort auch Sex hatte, wurde einem Mann das Lehrdiplom entzogen. Diese Strafe war unverhältnismässig.

Der fehlbare Lehrer konnte Berufliches und Privates nicht trennen (Themenbild).
Der fehlbare Lehrer konnte Berufliches und Privates nicht trennen (Themenbild).
Keystone

Als der Computeradministrator für Wartungsarbeiten das Speicherkonto von Lehrer Armin Korber (Name geändert) überprüfte, staunte er nicht schlecht: Gegen 90 Gigabytes – fast die Hälfte des Speicherplatzes – hatte Korber mit pornografischen Bildern belegt. Darunter waren auch verbotene Darstellungen von sexuellen Handlungen mit Gewalt und menschlichen Ausscheidungen, aber keine Kinderpornografie.

Der Administrator meldete seine Entdeckung der Schulpräsidentin. Diese informierte das Volksschulamt und übergab das Material der Kantonspolizei. Für Korber bedeutete dies nach fast 30 Jahren Lehrertätigkeit das Ende seiner Karriere. Das Volksschulamt stellte ihn frei und eröffnete eine Administrativuntersuchung. Ein halbes Jahr später wurde Korber wegen mehrfacher Pornografie zu einer bedingten Geldstrafe von 14 Tagessätzen und einer Busse von 1200 Franken verurteilt. Seine Stelle hatte er zu diesem Zeitpunkt schon verloren, weil ihm die Schule gekündigt hatte.

Sex im Schulhaus

Ein weiteres Jahr später schloss die Bildungsdirektion die Untersuchung ab. Es war herausgekommen, dass Korber die Bilder jeweils zu Hause heruntergeladen, auf Datenträger übertragen, in der Schule wieder hochgeladen und gespeichert hatte. Darüber hinaus hat Korber auch Bilder hergestellt. Auf einigen Bildern war er nämlich selber zu sehen – und zwar in der Schule beim Sex mit einer gut 20-jährigen Austauschstudentin.

Auch am früheren Arbeitsort machte die Bildungsdirektion Abklärungen. Wie sich herausstellte, hatte Korber auch dort grosse Mengen von pornografischem Material gespeichert. Laut Bildungsdirektion waren Bilder von nackten Frauen in aufreizenden Posen darunter gewesen, die Korber in Schulzimmern abgelichtet hat. Für die kantonalen Behörden war das Grund genug, Korber das Lehrdiplom und das Wählbarkeitszeugnis auf unbefristete Zeit zu entziehen. Das Gesetz erlaubt dies, wenn ein Lehrer seine Berufspflichten wiederholt und schwer verletzt hat oder wenn seine Vertrauenswürdigkeit in anderer Weise schwer beeinträchtigt ist.

Privates und Berufliches nicht getrennt

Korber hielt sich nach seiner Entlassung mit Hilfsarbeiten über Wasser und ist heute in einem anderen Beruf tätig. Nun – sieben Jahre nachdem die Bilder auf seinem Schulcomputer gefunden wurden – hat das Verwaltungsgericht Korber recht gegeben. Der Entzug des Lehrdiploms sei unverhältnismässig gewesen, schreibt das Gericht in seiner Urteilsbegründung und weist die Bildungsdirektion an, Korber das Diplom zurückzugeben. Es empfiehlt aber, dem Lehrer Auflagen zu machen, etwa eine Supervision oder ein Coaching mit der Androhung eines Diplomentzuges.

Für das Gericht hat Korber sein Privat- und Berufsleben nicht gebührend getrennt, den Ruf der Schule geschädigt und deren Infrastruktur missbraucht. Es sei aber nicht anzunehmen, dass er gezielt harte Pornografie konsumierte. Der grösste Teil der gespeicherten Bilder sei Pornografie gewesen, deren Besitz nicht strafbar sei. Zudem ist Korber geständig: «Ich habe Mist gebaut.» Das Gericht gewichtet deshalb das Interesse Korbers an der Ausübung seines Berufes höher ein als das kleine Risiko einer Rufschädigung eines künftigen Arbeitgebers. Es weist darauf hin, dass es in der langen Karriere von Korber nie Beanstandungen an seiner Arbeit gegeben habe.

Berufsverbot nicht angezeigt

Auch in der Pädophileninitiative, die am 18. Mai 2014 vom Volk angenommen wurde, sieht das Gericht keinen Grund für einen Entzug des Lehrdiploms. Korber habe weder Kinderpornografie gespeichert noch habe er die Bilder den Schülern gezeigt. Für das Gericht hat er keine pädosexuellen Neigungen.

Die Bildungsdirektion will das Urteil nicht ans Bundesgericht weiterziehen, wie Urs Meier, stellvertretender Chef des Volksschulamtes, gestern sagte. Man prüfe nun, welche Auflagen man Korber machen werde.

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