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Public Viewing vor jeder Bar

Die Langstrasse litt und jubelte – so schweizerisch wie beim Schweizer WM-Spiel war sie noch nie.

Gute Stimmung: Die grosse WM-Lounge an der Ecke Lang-/Lagerstrasse in Zürich war schon bei Spielbeginn voll besetzt. (15. Juni 2014)
Gute Stimmung: Die grosse WM-Lounge an der Ecke Lang-/Lagerstrasse in Zürich war schon bei Spielbeginn voll besetzt. (15. Juni 2014)
Doris Fanconi
Viel Platz: In der Europaallee schauten sich Hunderte Fans das Spiel Schweiz-Ecuador an...
Viel Platz: In der Europaallee schauten sich Hunderte Fans das Spiel Schweiz-Ecuador an...
Walter Bieri, Keystone
...fiebern die anderen lautstark mit: Fans im Public Viewing in Bellinzona. (15. Juni 2014)
...fiebern die anderen lautstark mit: Fans im Public Viewing in Bellinzona. (15. Juni 2014)
Carlo Reguzzi, Keystone
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«Penalty, huere siech!» Das Publikum vor der Elite-Bar fackelte nicht lang. Wenn ein Schweizer Spieler fiel, wars Foul, kam ein Ecuadorianer zu Fall, wars sauber gestoppt. Wer ein Spiel so glasklar analysieren kann, leidet natürlich doppelt an jedem Fehlpass der eigenen Leute, und so war am Sonntag zwischen 18 und 19 Uhr ein grosses Leiden an der Langstrasse.

Auch lag grosse Gefahr über der Strasse, denn vor jeder Bar stand ein Bildschirm, und vor jedem Bildschirm bildeten sich birnenförmige Ansammlungen, die übers Trottoir schwappten und die Strasse versperrten. Die VBZ setzten ihre Kundenberater ein, um die Zuschauer aufs Trottoir zurückzuschicken und zu drücken, wenn sich wieder ein Trolleybus näherte.

Fussballzentrum Piranha-Bar

Dazwischen galt es auch, nicht vor einen Heckspoiler zu geraten, denn es gab sogar am gestrigen Spieltag junge Männer, denen eine Quartierrundfahrt mehr am Herzen lag als das kapitale Fussballspiel. Sonst aber schauten sie alle zu: Die Frauen in Leggins auf hohen Absätzen und die hohlwangigen bleichen Männer. «Isch zwei null für Tschwiiz?», fragte eine Fixerin und war richtig enttäuscht, dass es 1 zu 0 dagegen stand. Das war vor der Lacucina-Bar an der Ecke Lang-/Militärstrasse, wo es noch kurz eine Keilerei gab, bevor man sich wieder dem Spiel widmen konnte.

Die Langstrasse ist das Quartier mit dem höchsten Ausländeranteil in Zürich, aber gestern war sie das schweizerischste aller Quartiere. Überall rot, alle standen hinter den Schweizern. Alle? Aus der Memphis-Bar drang einmal Jubel bei einem Angriff der Südamerikaner. Doch jubelte es kurz darauf auch bei einem Schweizer Vorstoss – offenbar wurde dort das Spiel als solches gefeiert. Am lautesten wurde die Schweizer Mannschaft auf dem Plätzchen vor der Piranha-Bar unterstützt, wo man ihr mit Trommeln und Tröten Beine machte. Wer nicht trommelte oder in die Trillerpfeife blies, quetschte die Bierdose, wenn Ecuador wieder im Angriff war. Es wurde viel gestöhnt an der Langstrasse, am schrecklichsten nach dem aberkannten Tor. Alle wussten Hände verwerfend: Kein Abseits, niemals! Umso lauter war der Jubel, als dann das ersehnte Goal kurz vor Schluss doch noch fiel – die kollektive Erlösung eines ganzen Stadtquartiers.

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