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«Frau Merkel wird nie vor den Traualtar treten»

«Die EU ist eine segensreiche Einrichtung»: Hans-Werner Sinn sieht sich selbst als überzeugten Europäer.

BaZ: Herr Sinn, vor wenigen Tagen haben sich in Deutschland Union und SPD auf einen neuen Koalitionsvertrag geeinigt. Sie dürften mit dem Ergebnis kaum zufrieden sein…

Haben wir es mit einem Primat der Politik über die Wirtschaft zu tun?

Der französische Präsident Emmanuel Macron will ja einen eigenen Haushalt, ein eigenes Parlament sowie einen Finanzminister für die Eurozone. Gibt Merkel ihm jetzt im Wesentlichen nach?

Also ist Deutschland durch Merkels Flüchtlingspolitik erpressbar geworden?

Im März könnte auch Italien eine neue Regierung erhalten. Anfang 2017 sagten Sie, die Wahrscheinlichkeit, dass Italien dauerhaft im Euro bleibe, sinke von Jahr zu Jahr. Ist sie seither weiter gesunken?

«Die neue Koalition verwechselt Politik mit dem Schreiben eines Wunschzettels.»

Und wozu würde das führen?

Und irgendwann folgt zwangsläufig der grosse Kater?

Wie muss man sich diesen Schuldenkreislauf vorstellen?

Was in der Eurozone passiert, beschrei­ben Sie als Vergemeinschaftung der Schulden. Macrons Vorschläge wären also nur noch die Institutionalisierung eines ohnehin laufenden Prozesses.

Damit die Währungsunion funktionieren könne, brauche es eine politische Union, wird gern argumentiert. Heisst das, ­entweder werden Macrons Ideen umge­setzt oder der Euro ist nicht zu retten?

Er will jedenfalls eine sehr viel weitergehende Integration.

Die Frage dürfte eher sein, ob Sie es autorisieren werden.

Eine klassische Konstellation…

Um aber auf meine ursprüngliche Frage zurückzukommen: Ist die institutionelle Vertiefung der Eurozone nicht zwingend notwendig, wenn man den Euro be­wahren will?

Macrons Pläne, so warnen Sie, würden zu einem Europa der zwei Geschwindigkeiten führen: da die Eurozone, dort der Rest. Aber könnte nicht gerade eine EU mit unterschiedlichen Integra­tions­graden für Länder wie Polen oder Grossbritannien, die auf ihrer Unabhängigkeit beharren, eine Lösung sein?

Als junger Mann, so haben Sie einmal gesagt, seien Sie ein Dummkopf gewesen, denn Sie hätten den Euro vehement befürwortet. Anders als Helmut Kohl werden Sie auch damals kaum rein politisch argumentiert haben. Was sprach aus Sicht eines Ökonomen für den Euro?

Sie sehen sich selbst als überzeugten Europäer, sind aber auch EU-Kritiker…

Aber Sie wollen doch ein anderes Europa. Wenn Sie entscheiden könnten, wie sähe Ihr grosser Reformplan aus?

Sie sind hier in London, um vor dem Brexit zu warnen. Wie würde die EU ohne Grossbritannien aussehen?

«Angela Merkel ist in Herrn Macron verliebt. Er liebt aber nicht sie, sondern nur ihr Geld.»

Entscheidend für das Ja der Briten zum Brexit war nicht zuletzt die Personenfreizügigkeit. Hätte die EU an dieser Stelle nachgeben sollen?

Freier Handel und freier Personenverkehr seien aneinandergebunden, wird in Brüssel gern gesagt.

Nur wenige Ökonomen äussern sich derart pointiert wie Sie. Haben Sie jemals erwogen, in die Politik zu gehen?

Und warum nicht?

In Rankings werden Sie immer wieder als einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen genannt, aber wenn ich mir die deutsche Politik anschaue, läuft das meiste so, wie Sie es nicht wollen. Machen Sie trotzdem oder gerade deswegen weiter?