Fotograf Robert Frank ist tot

Der Zürcher Fotograf und Filmemacher wurde in den USA ein grosser Künstler. Er starb im Alter von 94 Jahren.

12. Mai 1995 im Kunsthaus Zürich: Robert Frank diskutiert anlässlich der Ausstellung seiner Bilder mit Medienleuten.

12. Mai 1995 im Kunsthaus Zürich: Robert Frank diskutiert anlässlich der Ausstellung seiner Bilder mit Medienleuten.

(Bild: Keystone Walter Bieri)

Der schweizerisch-amerikanische Fotograf Robert Frank ist tot. Frank sei am Montag im Alter von 94 Jahren in der kanadischen Stadt Inverness gestorben, berichtete die «New York Times» am Dienstag unter Berufung auf seine Galerie in New York.

Der 1924 als Sohn eines Deutschen und einer Baslerin in Zürich geborene Frank galt als einer der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Als junger Mann kam er in die USA, arbeitete kurz für das Modemagazin «Harper's Bazaar», wandte sich dann aber der Reportagefotografie zu. Seine Bilder erschienen in internationalen Magazinen wie «DU», «Life» oder «Stern».

1955 erhielt Robert Frank ein Guggenheim-Stipendium, das ihm einen zweijährigen Aufenthalt in den USA ermöglichte. Auf seinen Reisen durch die Vereinigten Staaten fotografierte Frank die Menschen auf völlig neue Art und Weise: spontan, unverstellt, schwarz-weiss, dokumentarisch. So entstanden um die 28'000 Fotos, wovon eine Auswahl im Fotobuch-Klassiker «The Americans» veröffentlicht wurde.

Stones verbieten Veröffentlichung von Doku

In den 1960er Jahren wandte sich Robert Frank dem Filmemachen zu. Sein erstes Werk «Pull My Daisy» basiert auf einer Szene aus dem nie vollendeten Theaterstück «The Beat Generation» von Schriftsteller Jack Kerouac. Über 30 weitere Filme folgten, darunter ein Dokumentarfilm («Cocksucker Blues») über eine Tournee der Rolling Stones.

Gitarrist Keith Richards sei im Film besser weggekommen als er, habe sich Sänger Mick Jagger bei ihm nach den Dreharbeiten beschwert. Da der Film ein Auftragswerk gewesen sei – und der Inhalt «peinlich und potenziell belastend» war, gehöre «Cocksucker Blues» von 1972 der Band; drum sei er auch unter Verschluss.

Dennoch wurde der Film im November 2012 im Rahmen des zweiwöchigen Festivals «The Rolling Stones: 50 Years on Film» im Museum of Modern Art in New York gezeigt. Unterdessen sind auch im Internet Szenen des Dokumentarfilmes auffindbar.

In den 1980er Jahren kehrte Robert Frank zur Fotografie zurück. 2009 und 2010 zeigten die National Gallery of Art in Washington und die Galerie nationale du Jeu de Paume in Paris eine grosse Retrospektive.

Der vielfach ausgezeichnete Künstler lebte abwechselnd in Kanada und New York, war zweimal verheiratet und hatte zwei Kinder.

nag/sda

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