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Wie rassistisch ist die Frage nach Namen?

Warum Eingebürgerte sich stark mit ihrem Heimatland identifizieren.

Meh Willi gaht chuum: Weil der Akt der Einbürgerung ein gut überlegter Akt ist, ist er Ausdruck des impliziten Willens.
Meh Willi gaht chuum: Weil der Akt der Einbürgerung ein gut überlegter Akt ist, ist er Ausdruck des impliziten Willens.
Walter Bieri, Keystone

Güzin Kar schrieb in einer Kolumne, dass die Frage nach der Herkunft von Menschen mit ungewöhnlichen Namen immer rassistisch sei. Was meinen Sie? – Und, zweite Frage: Letzthin hat mich jemand als rassistisch bezeichnet, weil ich gesagt habe, dass ich mich als Schweizerin mehr mit der Schweiz identifiziere als jemand, der erst vor kurzem den Schweizer Pass erhalten hat. Ist auch das rassistisch? Muss man sich schämen, wenn man die Heimat liebt? S. F.

Liebe Frau F.

Erstens hat Güzin Kar das niemals geschrieben, zweitens hat sie es nicht so gemeint, und drittens haben Sie das völlig missverstanden. (Hi, Güzin, hab ich den Job als deine Pressesprecherin?) Tatsächlich hat sie vielmehr geschrieben: «Fragen nach der vermeintlichen Herkunft von Menschen mit ungewöhnlichen Namen» seien «übergriffig»: ‹Wo kommst du ursprünglich her?› ist immer rassistisch, egal, wie herum man die Frage dreht.»

Den letzten Satz finde ich, wie Sie, auch arg apodiktisch. Und für «rassistisch» halte ich die inkriminierte Frage ebenfalls nicht. Sie kann in manchen ­Situationen sogar durchaus freundlicher Neugier entspringen. Sie kann aber auch übergriffig und ausgrenzend sein und vor allem dem Gefragten ziemlich auf den Keks gehen.

«Wer von ‹Wurzeln› besessen ist, soll botanisieren gehen, aber nicht seine Mitmenschen damit pestilieren.»

Nicht alles, was man an amerikanischen Universitäten als «Mikroaggression» ächtet, muss deshalb schon ein Fantasieprodukt durchgeknallter Political Correctness sein. Es kann auch schlicht sozialer Kompetenz und allgemeiner Höflichkeit geschuldet sein, wenn man nicht jeden Menschen mit fremdem Namen und Aussehen nach seiner «Heimat» fragt und damit impliziert, der Ort, an dem er sich zurzeit befindet, könne das wohl nicht sein. Diese Herkunftsversessenheit ist zudem ziemlich öde. Es gibt zum Beispiel kaum einen Ort, an dem ich mich fremder fühle als an meinem Geburtsort.

Ich bin kein Heimweh-Nordrhein-Westfale und auch kein intimer Kenner der dort herrschenden Bräuche, Tänze oder Trachten. Wer von «Wurzeln» besessen ist, soll botanisieren gehen, aber nicht seine Mitmenschen damit pestilieren.

Zu Ihrer zweiten Frage: Nichts von dem ist rassistisch. Sie können Ihre Heimat so feste lieben, wie Sie wollen, ohne dass Ihnen das jemand zum Vorwurf ­machen sollte.

Unplausibel hingegen scheint mir Ihre Aussage, dass man sich als gebürtiger Schweizer mehr mit der Schweiz identifiziert denn als eingebürgerter. Wenn man schon den (in diesem Zusammenhang mir auch nicht sehr plausiblen) Begriff der Identifikation für eine gewisse Verbundenheit mit einem Land verwenden will, dann ist es in meinen Augen eher umgekehrt. Weil nämlich der Akt der Einbürgerung ein gut überlegter Akt ist, der Ausdruck des impliziten Willens, ein Vereinsmitglied dieser Willensnation zu sein. So betrachtet: Meh Willi gaht chuum.

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