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280-Millionen-AusbauEuro-Airport will es sich nochmals überlegen

Der Flughafendirektor rechnet frühestens 2023 mit einer Rückkehr zur Normalität. Lohnt sich da überhaupt noch das Millionen-Erweiterungsprojekt?

Menschenleere Rampe mit Gepäckwagen vor dem Euro-Airport Anfang April.
Menschenleere Rampe mit Gepäckwagen vor dem Euro-Airport Anfang April.
Foto: Keystone/Georgios Kefalas

Die Passagierzahlen gingen am Basler Euro-Airport (EAP) in den letzten 15 Jahren förmlich durch die Decke. Der für jährlich 8 Millionen Fluggäste ausgelegte Flughafen kam 2018 an seine Kapazitätsgrenzen, ein Jahr später wurde die Marke von 9 Millionen Passagieren überschritten. Ein Ausbau schien also überfällig: Für 280 Millionen Franken sollten die Flughafengebäude um bis zu 30 Prozent erweitert werden, so der ursprüngliche Plan. Ab 2026 hätte man 12 bis 15 Millionen Fluggäste jährlich im vergrösserten Terminal abfertigen können.

Durch die Corona-Krise ist der Passagierverkehr am Euro-Airport jedoch wie an vielen anderen Flughäfen eingebrochen, und hinter den Ausbauplänen steht nunmehr ein dickes Fragezeichen. Alle geplanten Investitionen des EAP würden vorerst nicht realisiert, sondern einer Neuprüfung unterzogen, hat Flughafendirektor Matthias Suhr jüngst gegenüber der Zeitung «Dernières Nouvelles d’Alsace» erklärt. Man könne zwar dank des Frachtverkehrs, der zuletzt leicht zugenommen hat, sowie des Booms der letzten Jahre auf ein gewisses Finanzpolster zählen. Doch um die Liquidität bis Ende dieses Jahres sicherzustellen, wolle man mit allen grösseren Investitionen zuwarten.

Flughafendirektor Matthias Suhr.
Flughafendirektor Matthias Suhr.
Foto: Florian Bärtschiger

Wann und in welcher Form die Ausbaupläne wieder in Angriff genommen werden, lässt sich laut dem Flughafendirektor noch nicht sagen. Er macht in dem Zeitungsbericht aber keinen Hehl daraus, dass er mit schwierigen Jahren rechnet: Statt knapp 10 Millionen Passagiere, die man ursprünglich für 2020 am EAP erwartete, rechne man nunmehr mit 1,8 bis 4 Millionen Fluggästen fürs Gesamtjahr. Man gehe heuer von einem Szenario mit 80 Prozent weniger Passagieren am EAP aus. Wie hoch die Zahl tatsächlich ausfällt, hänge von den weiteren Lockerungsschritten der Länder (Grenzöffnungen) sowie von der Reisefreudigkeit der Bevölkerung ab. «Wir rechnen aber nicht mit einer Rückkehr zur Normalität vor dem Jahr 2023», lässt sich der Flughafendirektor in dem Bericht zitieren.

Mehr Flüge für Juni angekündigt

In den letzten Wochen hat lediglich eine Fluggesellschaft, Wizz Air aus Ungarn, einzelne Linienflüge von und nach Basel-Mulhouse angeboten. Aktuell fliegt Wizz Air dreimal wöchentlich nach Budapest. «Wir erwarten, dass Passagierflüge ab Juni schrittweise wieder aufgenommen werden», sagt Flughafensprecher Stefan Wyer auf Anfrage.

Nicht direkt betroffen vom Investitionsstopp des EAP ist der geplante Bahnanschluss zum Euro-Airport, der ab 2028 den Bahnhof Basel SBB mit dem Flughafen auf französischem Territorium verbinden soll. «Der Bahnanschluss an den Flughafen ist Teil eines grenzüberschreitenden S-Bahn-Netzes», betont Stefan Wyer. Der Euro-Airport ist nur eine von vielen Parteien des 250-Millionen-Euro-Projekts. «Aus diesem Grund halten wir auch weiterhin an den entsprechenden Arbeiten zum Bahnanschluss fest.»