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AmateurfussballFeuer von der Tribüne

Der FC Bubendorf muss während fünf Spielen auf den gesperrten Trainer Matthias Maeder verzichten. In Abwesenheit des Übungsleiters unterliegen die Baselbieter den Old Boys in einem torreichen Derby mit 3:6.

Bubendorf mit Fabian Böni (sitzend) und Domenic Denicola ist in der 2. Halbzeit oft einen Schritt zu spät.
Bubendorf mit Fabian Böni (sitzend) und Domenic Denicola ist in der 2. Halbzeit oft einen Schritt zu spät.
Foto: Nicole Pont

Es ist eine unschöne Situation für einen Trainer. Auf der Tribüne sitzend der Mannschaft zusehen, wohlwissend, dass man seinen Schützlingen nicht die gewohnten Anweisungen geben kann. Für einen Trainer, der von den Emotionen lebt, die er seinen Spielern mitgeben kann, ist Zuschauen aus der Ferne noch schlimmer. Ein solcher Übungsleiter mit Feuer ist Matthias Maeder. Aber weil der Schiedsrichter ihm einen tätlichen Angriff nach dem Spiel gegen den SC Binningen vor neun Tagen unterstellt, muss der 31-Jährige fünfmal diesen unbeliebten Gang auf die Tribüne antreten. Maeder sagt nach dem Derby gegen die Old Boys – dem ersten Spiel abseits der Bank – etwas zynisch: «Um das Spiel zu analysieren, sind die Zuschauerränge toll. Aber Einfluss kann ich von da oben kaum nehmen.»

Doch Maeder lässt sich von der Sperre nicht unterkriegen. Mehrmals hallt seine laute Stimme von der Tribüne gut hörbar durch die Schützenmatte. Er versucht sein Feuer auch von den Zuschauerrängen auf seine Mannschaft zu übertragen und doch wenigstens etwas Einfluss auf das Spielgeschehen zu nehmen. Auf der Bank lässt sich Maeder von Roland Sorg vertreten. Dieser betreut das Team allerdings nur während der 90 Minuten Ernstkampf. Denn die Trainings, die Matchvorbereitung und auch die Planung von potenziellen Wechseln bleiben in Maeders Händen.

Aus Sicht der Baselbieter besteht die Hoffnung, dass diese unangenehme Situation nicht so lange anhält wie zunächst befürchtet. Denn der Club hat gegen die Sperre Rekurs eingelegt. Und Maeder zeigt sich optimistisch: «Die Sperre ist aus meiner Sicht ungerechtfertigt. Deshalb denke ich nicht, dass ich alle fünf Spiele auf der Tribüne verbringen muss.»

Spektakel in der 2. Halbzeit

Vorerst bleibt die Sperre aber bestehen. Vom Fehlen des Übungsleiters lassen sich Maeders Mannen zu Beginn im Derby gegen Old Boys allerdings nicht beeindrucken. Die Baselbieter zeigen einen soliden ersten Durchgang, gestehen den Gastgebern kaum eine Torchance zu und gehen ihrerseits durch einen Elfmetertreffer von Fabian Böni (24.) in Führung.

Der zweite Durchgang kommt dann einem Spektakel gleich. Gleich acht Tore fallen in den zweiten 45 Minuten. Den ersten Treffer erzielen die Gastgeber. Marius Blatter markiert mit einem Schlenzer ins lange Eck den Ausgleich. Dieses Tor verschiebt das Kräftegleichgewicht zugunsten von Old Boys. Bubendorf wirkt in dieser Phase ausgepumpt. Trainer Maeder analysiert treffend: «Wir haben in der zweiten Halbzeit physisch abgebaut und dadurch ihre zentralen Positionen nicht mehr im Griff gehabt.»

Sinnbildlich für das Nachlassen der Bubendörfer steht der Führungstreffer der Schwarz-Gelben. Nach einem Freistoss reagieren die Gäste zu langsam. Rafael Fonseca profitiert und erzielt aus spitzem Winkel das 2:1. Und es kommt noch schlimmer: Direkt nach dem Wiederanpfiff verliert Bubendorf den Ball. Das Spielgerät kommt erneut zu Fonseca, der mit einem strammen Schuss trifft. Keine zwei Minuten sind seit seinem ersten Treffer vergangen. Der Doppeltorschütze sagt nach dem Spiel lachend: «Zwei Tore in so kurzer Zeit sind mir bis jetzt höchstens im Training gelungen.»

In der 79. Minute gelingt Old Boys durch Ugur Findik gar der vierte Treffer. Das Spiel scheint entschieden. Die Gäste werden nun aber wieder aktiver und profitieren davon, dass ihnen der Schiedsrichter zwei weitere Strafstösse zuspricht. Weil Böni sich diese Gelegenheiten nicht nehmen lässt, kommt Bubendorf noch einmal auf 4:3 heran. Mitten in der anschliessenden Druckphase der Baselbieter gelingt Sidy Dieng aber das 5:3. Und als Dieng kurz darauf seinen zweiten Treffer markiert, ist das Spiel endgültig entschieden. «Die zwei Doppelschläge haben uns das Genick gebrochen», sagt Maeder nach dem Abpfiff.

Die Baselbieter sind nun auf dem Boden der Realität angelangt. Nur einen Punkt aus drei Spielen haben die Bubendörfer geholt. Dazu kommt, dass die Mannschaft wohl weiterhin ohne das Feuer ihres Trainers von der Seitenlinie auskommen muss.

Telegramm: Old Boys - Bubendorf 6:3 (0:1)
Schützenmatte. – 280 Zuschauer. – Tore: 25. Böni (Foulpenalty) 0:1. 53. Blatter 1:1. 70. Fonseca 2:1. 72. Fonseca 3:1. 79. Findik 4:1. 82. Böni (Foulpenalty) 4:2. 85. Böni 4:3 (Foulpenalty) 90. Dieng 5:3. 91. Dieng 6:3.
Old Boys: Fidan; Kohler (46. Winisdörfer), Leuthard, Costa, Bottacin (46. Sevinc); Farenga (58. Dieng), Akbulut, Findik (80. Simonetta), Blatter, Fonseca (92. Schmutziger); Rietmann.
Bubendorf: Hohl; Ari, Kaderli, Duttweiler, Mundschin; Tschopp (57. Frischknecht), T. Hersperger (74. Wahl), Denicola, Ademi; Böni, Anceschi (80. Sollberger).
Bemerkungen: Old Boys ohne Niederberger (abwesend). Bubendorf ohne Teixeira, Bianco (beide verletzt), P. Hersperger (gesperrt), Jancic (rekonvaleszent), Schneider (Aufgebot anderes Team) sowie Trainer Maeder (gesperrt). – Verwarnungen: 24. Bottacin (Foul). 41. Akbulut (Foul). 47. Findik (Foul). 75. Sevinc (Foul). 81. Leuthard (Reklamieren). 82. Denicola (Foul). 84. Fidan (Foul). 89. Frischknecht (Foul). – 58. Farenga scheidet verletzt aus.