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Nach dem Grossbrand auf dem BässlergutFasnachtsclique startet Spendenaktion

Auf einen Schlag verlor die Güete-Bonjour-Clique im Mai ihr gesamtes Material. Nach dem Desaster wagt sie nun den Neuanfang.

Vor knapp sieben Monaten brannte das Sommerquartier der Güete-Bonjour-Clique auf dem Bässlergut vollständig nieder.
Vor knapp sieben Monaten brannte das Sommerquartier der Güete-Bonjour-Clique auf dem Bässlergut vollständig nieder.
Foto: zVg

Der 16. Mai 2020 war ein Samstag. Cyril Schwarz fuhr mit seiner Familie in die wohlverdienten Ferien. Eine Rundreise durch die Schweiz war geplant. Doch schon am ersten Ferienabend erreichte ihn im Hotel eine schockierende Nachricht: «Ist das unser Bässlergut, das da brennt?», fragte jemand im Gruppenchat der Güete-Bonjour-Clique, die dort ihr Sommerquartier, ihre Wagenburg, hatte.

Aufgrund der Bilder aus den Medien bestand schnell Gewissheit: Der Bauernhof ausserhalb von Basel bei Weil am Rhein war bis auf die Grundmauern abgebrannt. Und es war auch klar, dass nichts, was sich dort befunden hatte, noch zu retten war.

«Die Polizei geht nach wie vor von Brandstiftung aus», sagt Schwarz, seit 2019 Obmann der Clique. Die Polizei habe des Öfteren illegale Hausbesetzer vertreiben müssen, auch kurze Zeit vor dem Brand. Man vermutet deshalb einen Racheakt.

«Kopf nicht hängen lassen»

So verlor die seit 1939 bestehende Wagenclique an diesem Tag ihr gesamtes Hab und Gut: ihren Wagen, Werkzeuge, Maschinen, Bau- und Sicherungsmaterial, Festbankgarnituren, Gemüsekisten, ja sogar die wegen der abgesagten Fasnacht 2020 ungebrauchten Räppli. Die Rede ist von 30’000 Franken Schadensumme. Versichert war nichts, und eine Haftung für den Inhalt des abgebrannten Gebäudes werde von der Besitzerin Immobilien Basel-Stadt abgelehnt, sagt Schwarz.

So oder so: Der Anhänger, der als Basis für die Wagenaufbauten diente, war bereits über 30 Jahre alt. Sein Verlust hätte somit ohnehin zu keinem grossen Schadenersatz geführt. Immerhin befand sich das Cliquenarchiv mit alten Bildern, Zetteln oder Plaketten nicht am selben Ort.

Abgesehen vom materiellen Schaden wird für die Güete-Bonjour-Clique die Fasnacht also ein zweites Mal ausfallen. «Es brauchte ein paar Wochen, um diese Erkenntnis zu verarbeiten», sagt Schwarz. Man habe dann aber entschieden, den Kopf nicht hängen zu lassen und das Ereignis zu nutzen, etwas Neues aufzubauen.

Doch dazu braucht die Clique Geld – genauer gesagt: 30’000 Franken. Ein Betrag, den die kleine Gruppierung nicht ohne weiteres aufbringen kann. Darum hat sie am Montag eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Ziel des Spendenaufrufs sind die Finanzierung eines neuen Anhängerchassis inklusive der sicherheitsrelevanten Arbeiten, die die Clique nicht selber durchführen darf, sowie der Ersatz des verlorenen Materials. Der Aufruf richtet sich nicht nur an solidarische Fasnächtler und Freunde der Clique, sondern auch an «Menschen, Organisationen und Unternehmen, die Freude an der Fasnacht haben, sich mit der Basler Fasnacht im Speziellen identifizieren und/oder ein Flair für Traditionen haben». Dies schreibt die Clique in einer Medienmitteilung.

Laut Cyril Schwarz sind nicht mal einen Tag nach der Aktion bereits Spendenzusagen in Höhe von 7500 Franken eingetroffen. Mit einem solchen Start, sagt er sichtlich gut gelaunt, habe er nicht gerechnet.

Traditionen

Die Güete-Bonjour-Clique – mit dem Ruf «Güete Bonjour!» wurden die Cliquengründer einst im Café Sattler begrüsst ist eine der ältesten Basler Wagencliquen. Ihre Sujets haben immer einen Bezug zur Beziehung der Basler und Schweizer zum Elsass und zu Frankreich. Seit den 1980er-Jahren gibt sie das beliebte «Vocubâlaire carnavalistique» heraus, eine knapp 20-seitige humoristische Übersetzung des Elsässischen ins Deutsche, die man auch jetzt im Rahmen der Spendenaktion kaufen kann.

Einer weiteren Tradition folgend, verteilt die Clique keinen Alkohol vom Wagen, sondern neben Mimosen auch rund eine Tonne Früchte und Gemüse pro Fasnacht. Bleibt zu hoffen, dass Cyril Schwarz 2022 nach drei Jahren seine erste Fasnacht als Obmann erleben wird.

11 Kommentare
    ralfkannenberg

    Und wenn die Clique nächstes Jahr - falls es wegen Corona möglich sein wird - einfach einmal ohne Wagen gässele geht ? Das sollte doch möglich sein.