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Netflix-Serie «Alien Worlds»Fantastisch, aber teils irreführend

Mit krass detailreichen und fantasievollen 3-D-Animationen illustriert die Netflix-Serie, wie Leben auf Exoplaneten aussehen könnte. Wie die Suche nach Lebensspuren auf fernen Welten tatsächlich abläuft, geht praktisch unter.

Ein affenartiges Raubtier bevölkert in «Ausserirdische Welten» den fiktiven Exoplaneten «Eden»
Ein affenartiges Raubtier bevölkert in «Ausserirdische Welten» den fiktiven Exoplaneten «Eden»
Foto: Netflix

In den letzten zwei Jahrzehnten haben Astronomen Tausende Planeten entdeckt, die andere Sterne umkreisen. Gibt es dort Leben? Und wenn ja, wie sieht dieses aus? Darum geht es in der Netflix-Serie «Ausserirdische Welten» («Alien Worlds»). Der Film behandelt das Thema in Form einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion.

Bei den mittels 3-D-Computergrafik illustrierten Filmpassagen begibt sich der Zuschauer in jeder der vier Episoden auf einen anderen Exoplaneten und taucht dort in eine lebensecht wirkende Welt mit exotischen Kreaturen ein. Die fiktiven Ökosysteme der ebenfalls fiktiven Planeten werden in unglaublicher Detailgenauigkeit porträtiert. Auf dem Planeten Atlas zum Beispiel leben sogenannte Himmelsgraser, die sechs Flügel besitzen und ihr ganzes Erwachsenenleben in der dicken Atmosphäre des Planeten verbringen. Die männlichen Himmelsgraser besitzen lange Schwänze – je länger, desto grösser die Chance bei den Weibchen.

Dann schwenkt der Film auf die Erde und berichtet in Form einer Tierdokumentation über den Nashornkäfer. Bei ihm dient die Länge des Horns dem sexuellen Wettbewerb. So schafft der Film Parallelen zwischen irdischer Realität und exoplanetarer Fiktion.

Ein Junger Himmelsgraser kurz vor dem Abheben – er wird den Rest seines Lebens in der dicken Atmosphäre des fiktiven Exoplaneten verbringen.
Ein Junger Himmelsgraser kurz vor dem Abheben – er wird den Rest seines Lebens in der dicken Atmosphäre des fiktiven Exoplaneten verbringen.
Foto: Netflix

Wer gerne in fantastische Welten eintaucht und dabei noch etwas über das Leben auf der Erde lernen möchte, wird «Ausserirdische Welten» lieben. Auf andere wird die fantasievolle Ausgestaltung überkandidelt wirken. Die Aliens werden als Fakten präsentiert, als wäre auch der fiktionale Teil eine Dokumentation. Das ist unnötig und irreführend. Niemals wird eine Raumsonde zu Exoplaneten gelangen, geschweige denn dort landen. Dafür sind sie schlicht zu weit entfernt. Was genau auf diesen fernen Welten kreucht und fleucht, wird uns daher für immer verborgen bleiben – es sei denn, eine dort lebende intelligente Zivilisation offenbart uns ihre Existenz.

Chemischer Fingerabdruck der Atmosphäre

Wie die Suche nach Leben auf Exoplaneten wirklich abläuft, erfährt man in Episode drei für nur wenige Minuten. Dort wird die Astrophysikerin Natalie Batalha von der University of California in Santa Cruz porträtiert. Sie sucht (künftig) im Licht, das die Atmosphäre von Exoplaneten reflektiert, nach einem Fingerabdruck, der auf Lebensspuren hindeuten könnte. Im Film zeigt sie ein buntes Muster mit schwarzen Streifen auf dem Bildschirm ihres Laptops. Ein paar Atome oder Moleküle lassen sich in diesem Spektrum identifizieren. Die grosse Frage wird künftig sein: Deutet ein entsprechendes Spektrum einer Planetenatmosphäre tatsächlich auf Leben hin, oder sind die entdeckten Substanzen nicht biologischen Ursprungs? Das ist weit weniger spektakulär als in 3-D animierte Ökosysteme auf Exoplaneten. Aber es ist die vergleichsweise profan wirkende Realität bei der Suche nach Lebensspuren auf anderen Welten.

12 Kommentare
    Gabriel Müller

    und morgen: neue «Räuber Hotzenplotz und die Pfefferpistole» Folge zeigt eindrücklich, mit was für unerschrockene Ganoven sich Kasperli rumschlagen muss. Wie es aber den wirklichen Räubern da draussen geht, geht praktisch unter.