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Basels Gegner im EuropacupFamagusta hat andere Sorgen als den FC Basel

Am Donnerstag trifft der FC Basel in der Qualifikation zur Europa League auf Anorthosis Famagusta. Doch beim Club aus Zypern ist in diesen Tagen ein möglicher Wettskandal das Thema.

Der grösste Erfolg von Anorthosis Famagusta liegt zwölf Jahre zurück. Damals gelang dem Club der Einzug in die Champions League – inklusive einem 2:2 gegen Werder Bremen.
Der grösste Erfolg von Anorthosis Famagusta liegt zwölf Jahre zurück. Damals gelang dem Club der Einzug in die Champions League – inklusive einem 2:2 gegen Werder Bremen.
Foto: Christian Charisius (Reuters)

Das Endergebnis zwischen Anorthosis Famagusta und Apollon Limassol, ein 1:3, interessierte schon ein paar Stunden nach dem Abpfiff keinen mehr. Die Art und Weise, wie dieses Resultat zustande gekommen war, dafür umso mehr.

Am Montag teilte die Ethikkommission, die sich dem Schutz des zypriotischen Sports verschrieben hat, nämlich mit, dass man das Spiel ganze genau beobachtet habe: Verdacht auf Wettbetrug. Man habe Unregelmässigkeiten auf dem internationalen Wettmarkt registriert und die Partie darum intensiv begutachtet.

Hatte nicht Famagustas Torhüter Giorgi Loria dem Torschützen des Gegners vor einem Penalty mit einer dezenten Kopfbewegung angezeigt, in welche Ecke er nun bitte schiessen möge? Und wieso wollte sich Famagustas Trainer nach dem Spiel nicht äussern? War das nicht alles irgendwie verdächtig?

Auf seiner Website veröffentlichte Famagusta eine Mitteilung und drückte sein Erstaunen darüber aus, wie das Ethikkomitee auf der Basis von Gerüchten so eine Meldung veröffentlichen könne. Man distanzierte sich von den Vorwürfen und zweifelte mit mehreren Fragen das Vorgehen der Kommission an. Eine der Fragen lautete: «Wieso geschieht das alles ein paar Stunden vor einem entscheidenden Spiel in Europa?»

Es klang ganz so, als vermute der Club ein politisches Manöver, um Famagusta zu schwächen.

Qualifikation für die Champions League

Man hat in den letzten Jahren ja viele solcher oder ähnlicher Geschichten über den Fussball auf Zypern lesen müssen. Es ging um Wettbetrug, Geldwäsche oder um Knallpetarden, die Spieler verletzten. Im Januar, kurz vor dem Spiel des FCB bei Apoel Nikosia, wurde das Auto eines Schiedsrichters von einer Bombe zerstört.

Die sportlichen Erfolge der Zyprioten sind hingegen selten ein Thema. Dabei war es Anorthosis Famagusta, das im Jahr 2008 erstmals grosse Schlagzeilen schrieb: Die Mannschaft qualifizierte sich als erster Verein aus Zypern für die Gruppenphase der Champions League. Man gewann gegen Panathinaikos Athen und holte gegen Werder Bremen ein Remis.

Doch noch während dieses sportlichen Höhepunktes begann der Niedergang des Clubs.

Zwei Tage nach dem 2:2 gegen Bremen wurde Famagustas Präsident festgenommen, weil er sich an den Finanzen des Clubs bereichert haben soll. Aus Kreisen des eigenen Vorstandes wurde ihm vorgeworfen, Vereinsgelder in Höhe von fast einer halben Million Euro unter falschen Angaben erhalten zu haben. Es wurde wegen Diebstahls, Urkundenfälschung, Erteilung gefälschter Dokumente und Verschleierung ermittelt.

Famagusta hat seitdem nie mehr einen Pokal gewonnen oder sich für den Europacup qualifizieren können. Und ohne den damaligen Präsidenten wurde zwischenzeitlich auch das Geld knapp. Kein Wunder also, dass der Club es jetzt, bei seinem siebten Anlauf seit 2008, wieder in eine europäische Gruppenphase schaffen will.

Ein Club im Exil

Der Trainer heisst – wie 2008 – Temur Ketsbaia. Ein Georgier, der nach seiner Entlassung im Jahr 2009 seit 2019 wieder an der Linie steht. Er beendete die Vorsaison, die Corona-bedingt vorzeitig abgebrochen wurde, punktgleich mit Omonio Nikosia auf dem zweiten Platz. Und diese Erfolgsgeschichte soll jetzt fortgeführt werden.

Es wäre ein grosser Erfolg für den Club, der seinen Sitz nach der Spaltung des Landes in den 70er-Jahren von Famagusta, das im türkischen Teil der Insel liegt, nach Larnaca verschieben musste. Seitdem spielt Anorthosis im Exil, hat aber überall auf der Insel seine Fans. Und die hoffen darauf, dass ihr Team nun in Basel gewinnt.

Der 13-fache Meister aus Zypern ist Aussenseiter, das ist unbestritten. Für das Team wird gerade mal ein Viertel des Basler Kaderwertes angegeben, auch wenn das nichts heissen muss. Bekannte Namen sucht man vergebens. Und jetzt ist da auch noch diese Diskussion über einen möglichen Wettbetrug.

Famagusta will sich davon aber nicht entmutigen lassen. Fast schon trotzig teilt der Club auf seiner Website mit: «Wir alle – Management, Spieler und der technische Staff – fokussieren uns jetzt auf unser Europacup-Spiel.» Aber ob das wirklich so einfach ist?