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In der Hammergruppe B geht die Angst um

Die Gesichter der Verantwortlichen wurden bei der Auslosung bleich und bleicher. Mit Deutschland, Holland, Portugal und Dänemark treffen drei Titelanwärter und ein heisser Aussenseiter bereits in der Gruppenphase aufeinander.

Schon in der Vorrunde wird es hart: Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw sinniert.
Schon in der Vorrunde wird es hart: Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw sinniert.
Keystone

Die letzte Ausscheidungsphase dokumentierte die Leistungsstärke des illustren Quartetts auf eindrückliche Art: Deutschland, Holland und Dänemark qualifizierten sich in ihren Gruppen souverän direkt für die Endrunde. Einzig die Portugiesen mussten in die Barrage – weil sie sich in der Gruppe von Dänemark befunden hatten. Besonders eindrucksvoll war die Qualifikation der Deutschen, die sich mit zehn Siegen so erfolgreich wie nie zuvor für eine EM-Endrunde qualifizierten. Die Holländer standen dem aber kaum nach: Erst im letzten Gruppenspiel, als ihre EM-Teilnahme bereits gesichert war, kassierten sie die erste Niederlage gegen Schweden, das sich dadurch noch die Barrage-Teilnahme sicherte. Auch die Dänen mussten lediglich einmal klein beigeben: gegen Mitfavorit Portugal.

Deutschlands Angriffspotenzial

Favorit auf den Gruppensieg ist ganz eindeutig Deutschland, das zwar nach der souveränen Qualifikation in eine Baisse rutschte und dieses Jahr beide Testspiele gegen Frankreich (1:2) und die Schweiz (3:5) verlor. Coach Jogi Löw kann jedoch auf eine eingespielte Truppe zählen, die mit ihrer offensiven Spielweise bereits an der WM 2010 in Südafrika für Furore gesorgt hat. Im Achtelfinal war damals England 4:1 und in der nächsten Runde auch Titelanwärter Argentinien (4:0) niedergewalzt worden. Gleich elf Spieler des WM-Kaders, das sich im Halbfinal dem späteren Weltmeister Spanien beugen musste, nahmen danach unter Löw auch die neue Ausscheidungsphase in Angriff.

In den letzten zwei Jahren perfektionierte Löw seinen überfallartigen Angriffsfussball. Und er erweiterte sein Kader auf die für eine Endrunde nötige Breite. Nur drei Spieler (Philipp Lahm, Thomas Müller und Goalie Manuel Neuer) bestritten alle zehn Ausscheidungsspiele. Besonders beeindruckend ist die Offensiv-Power des deutschen Teams. Mit Lukas Podolski, Mario Gomez, Mesut Özil, Miroslav Klose und Müller verfügt Löw über ein unglaubliches Angriffs-Potenzial. Sorgenfalten bereiten kann ihm nur die Abwehr, wie es durch die Schweiz schonungslos aufgedeckt worden ist. Der lange verletzt gewesene Per Mertesacker ist ein zu grosser Risikofaktor. Auch die Position von Captain Lahm links oder rechts in der Abwehr hätte längstens klar definiert sein müssen.

Hollands Abwehrschwächen

Ähnliche Probleme wie die Deutschen hat auch Erzrivale Holland: im Angriff top, in der Abwehr ein Flop. Sind die Namen der Stürmer jedem Fussballfan bekannt, so kennt kaum einer die holländischen Verteidiger. In der Elftal kam es in der Vergangenheit öfters zum Streit. In Erinnerung bleibt die Fehde zwischen den hellhäutigen und den dunkelhäutigen Spielern vor 14 Jahren. Probleme bereiten Erfolgscoach Bert van Marwijk auch lange oder immer wieder verletzte Schlüsselspieler wie Wesley Sneijder oder Arjen Robben. Deren Fitnessstand ist ebenso ungewiss wie die Psyche. Kann Robben seinen verschossenen Penalty im Champions-League-Final rechtzeitig verarbeiten? Harmonieren die beiden Topskorer Klaas Jan Huntelaar und Robin van Persie? Auch die Holländer haben keine besonders gute Vorbereitung hinter sich. Im November unterlagen sie Deutschland 0:3, danach gelang auch gegen die Schweiz (0:0) kein Sieg und Ende Mai verloren sie zu Hause gegen Bulgarien 1:2.

Portugals Hoffnung auf Ronaldo

Einmal mehr greift Portugal an dieser EM nach den Sternen. Die Zuversicht dürfte nach der knapp geschafften Qualifikation eigentlich nicht allzu stark sein, doch dank Superstar Cristiano Ronaldo ist die Euphorie gross. Seine Ballbehandlung, seine Tempodribblings, seine Schusstechnik und die Antrittsgeschwindigkeit sind herausragend. Er alleine kann ein Spiel entscheiden. Doch so viele Tore wie er für die Königlichen erzielt hat, so viele fehlten im Nationalteam. Die Effizienz ist die grosse Schwäche des portugiesischen Teams. In dieser Todesgruppe wird das ausschlaggebend sein.

Dänemarks Lockerheit

In der Aussenseiterrolle fühlt sich Dänemark am wohlsten und in der Gruppe B fällt ihm diese Position automatisch zu. Trainer Morten Olsen hat die Dänen in seiner bereits zwölfjährigen Amtszeit an vier von sechs möglichen Endrunden geführt. Nie waren sie ein echter Titelanwärter, aber stets ein Geheimtipp. Das Team glänzt im Kollektiv und betreibt ein sehenswertes Pressing. Wichtigste Akteure sind Abwehrchef Daniel Agger, Offensivspieler Christian Eriksen sowie die beiden Angreifer Nicklas Bendtner und Dennis Rommedahl. Schwachpunkte sind die Torhüterposition und die linke Abwehrseite. Schaffen es die Dänen, so locker aufzuspielen wie beim Titelgewinn 1992, dann ist ihnen der Vorstoss in die Viertelfinals zuzutrauen.

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