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Gastbeitrag zum Vorschlag der JusoEuro-Airport von missionarischem Eifer heimgesucht

Die Jungsozialisten Baselland fordern die Schliessung des Flughafens Basel-Mulhouse, des Euro-Airport.

Aus für den Schweizer Sektor des Euro-Airports? Eine Idee der Juso Baselland.
Aus für den Schweizer Sektor des Euro-Airports? Eine Idee der Juso Baselland.
Foto: Pino Covino

Nun ja, der Ideenwettbewerb um den originellsten Vorschlag zur Rettung der Umwelt scheint in vollem Gange zu sein: Mit der Idee, den Euro-Airport zu schliessen, hatte ich allerdings für früher oder später gerechnet. Fehlende Kenntnisse der Lage können durch missionarischen Eifer allerdings schwerlich kompensiert werden.

Nehmen wir mal an, die Idee griffe durch, es käme zu einer Einigung in den Parlamenten und endete in einer Volksabstimmung im Sinne der Initianten: Könnten die Regierungen der beiden Basel dann den Flughafen schliessen, rückbauen und dort vielleicht Freizeitgärten und Begegnungszonen für die Bevölkerung machen? Könnten sie nicht.

Ein französischer Aéroport

Der Flughafen steht nämlich in Frankreich und ist ein binationales Konstrukt, das heisst, er wird von beiden Ländern gemeinsam betrieben. Das Einzige, was der Bund tun könnte, wäre, den geltenden Staatsvertrag aufzukündigen. Einmal geschehen, würden die gesamten Infrastrukturen, die die Eidgenossenschaft im Rahmen des Vertrags finanziert hat, an Frankreich übergehen ­– der Flughafen Mulhouse wäre dann ein rein französischer Aéroport.

Die Schweizer Firmen und ihre Angestellten müssten ihren (Steuer-)Sitz nach Frankreich verlegen – oder aufgeben. Über die direkten Folgen für die Volkswirtschaft diskutieren die Initianten vermutlich kaum – in ihren hehren Bemühungen haben solche kleinlichen Überlegungen wohl keinen Platz.

Nicht mehr unter Schweizer Einfluss

Wäre unbändiges und rücksichtsloses Wachstum für die Flughafenbefürworter je ein Ziel gewesen, hätten diese dann berechtigte Gründe zum Jubeln: Denn der Einfluss der Schweiz und vor allem der Grenzregion würde dann auf gegen null reduziert. Der Flughafen könnte sich ungehindert nach französischen Vorstellungen entwickeln und sähe sich in einer goldenen Zukunft.

Eine originelle Idee allein tuts noch nicht.

Keine Schweizer Politikerin bekäme auch nur noch den Hauch einer Chance für eine Mitbestimmung. Und die schweizerische Bevölkerung hätte für ihre Mobilität nach wie vor einen funktionierenden Flughafen. Dafür vorgängig die Grenze überschreiten zu müssen, wäre ja kein grosses Hindernis.

Vielleicht gehen die tüchtigen Initianten der Juso doch noch mal über ihre Bücher. Es gäbe nämlich wirksamere Projekte, wie der CO2-Ausstoss – weltweit! – reduziert werden könnte. Und selbst wenn sämtlicher Zivilflugverkehr global eliminiert würde, käme gerade mal eine Reduktion von zwei bis fünf Prozent CO2 zusammen, je nach Berechnungsgrundlage. Eine alleinige Schliessung des Euro-Airports hingegen wäre nicht einmal messbar.

Eine originelle Idee allein tuts noch nicht. Es sollten auch fundierte Überlegungen dahinterstehen.

Robert Appel ist Vorstandsmitglied der IG Euro-Airport.

25 Kommentare
    K.E. Merz

    Man darf sich sehr wohl die Frage stellen, wieviele dieser Juso Initianten in der Vergangenheit gerne und ohne Bedenken auch die Angebote von Billigfluglinien, wie EasyJet &Co, für Nah-und Fernflüge genutzt haben und in Zukunft auch wieder nutzen werden.