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Superspreader-Fall in ZürichClubbesucher steckt Gäste an – Leute stehen Schlange

In Zürich ist es zu einem «Superspreader-Event» gekommen. Ein Mann steckte in einem Nachtclub mehrere Personen mit dem Coronavirus an. 300 Besucher wurden unter Quarantäne gestellt.

Ein Mann steckte bei einem Besuch im Zürcher Club Flamingo andere Gäste an. Am Samstag darauf stehen bereits wieder Leute Schlange. (27. Juni 2020)
Ein Mann steckte bei einem Besuch im Zürcher Club Flamingo andere Gäste an. Am Samstag darauf stehen bereits wieder Leute Schlange. (27. Juni 2020)
Foto: Tamedia

Im Kanton Zürich ist es zum ersten «Superspreader-Event» gekommen. Ein Mann, der in einem Club in Zürich zu Gast war, wurde positiv auf Covid-19 getestet. Fünf weitere Personen, die mit ihm im Club waren, entwickelten daraufhin Symptome.

Auch diese Personen wurden positiv auf das Coronavirus getestet, wie die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich am Samstagabend mitteilte.

«Die haben sicher gut gereinigt»

Daraufhin ist bereits die nächste Party angesagt. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Die Leute stehen trotz des Vorfalls Schlange. Um 22.30 Uhr waren etwa 70 bis 80 Personen vor dem Flamingo zu sehen, eine Maske trägt niemand. Angesprochen auf die Frage, ob sie keine Angst hätten, zeigen sich die Clubbesucher wenig bekümmert. «Wenn ich Angst hätte, könnte ich ja gleich zuhause bleiben», sagt einer. «Das ist schon eine Woche her, die haben inzwischen sicher gut gereinigt», sagt ein anderer.

Auf das Maskentragen angesprochen verweist ein Besucher darauf, dass es ja schliesslich keine Maskenpflicht gebe. Eine Frau will sich zur Frage, warum sie hier sei, nicht äussern. Ein weiterer Besucher sagt: «Corona ist eh Fake.»

Auf der Webseite des Clubs heisst es, die Anzahl der Gäste sei auf 300 beschränkt. Ob aufgrund des Vorfalls zusätzliche Sicherheitsmassnahmen getroffen wurden, ist nicht bekannt. Der Inhaber des Clubs wollte auf eine Anfrage vor Ort keine Stellung nehmen.

300 Gäste müssen in Quarantäne

Der Fall ist dem Kantonsärztlichen Dienst am Abend des 26. Juni gemeldet worden, wie es in der Meldung der Gesundheitsdirektion weiter heisst. Dieser habe daraufhin so rasch wie möglich mit dem Betreiber des Flamingo-Clubs Kontakt aufgenommen.

Der Clubbetreiber konnte den Contact-Tracern des Kantons Zürich eine Liste mit den Kontaktdaten der Besucher des Clubs vom Abend des 21. Juni überreichen. Dank der Kontaktliste konnte das Contact-Tracing-Team die Gäste des Clubs am Samstag über die notwendige Quarantäne informieren.

Um die Infektionskette zu unterbrechen, ordnete der Kantonsärztliche Dienst für die knapp 300 Gäste und Angestellten des Clubs, die am besagten Abend anwesend waren, eine zehntägige Quarantäne an. Dieser Vorfall zeige, wie wichtig es sei, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten und die Eigenverantwortung wahrzunehmen, heisst es weiter. Auch bei leichten Symptomen gelte es, konsequent Zuhause zu bleiben. Lesen Sie auch: Wo die Gefahr hoch ist, sich mit dem Coronavirus anzustecken

Man appelliere in dieser anspruchsvollen Situation nun an die Eigenverantwortung der Menschen, sagte ein Sprecher der Gesundheitsdirektion Zürich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Man hoffe, dass alle Betroffenen kooperieren und sich solidarisch zeigen.

Clubschliessungen nicht ausgeschlossen

Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich bittet Menschen, die sich dieses Wochenende an Events aufhalten, vorsichtig zu sein und Personenansammlungen zu meiden. Sollte der Abstand nicht eingehalten werden können, wird empfohlen, eine Maske zu tragen.

Im Falle weiterer Superspreader-Events müssen Clubschliessungen in Betracht gezogen werden, wie es weiter heisst.

Superspreader sind sogenannte Superverbreiter des Virus. Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind dies erkrankte Personen, die aus unbekannten Gründen sehr ansteckend sind.

Lesen Sie auch: Verbreiten vor allem Superspreader das Virus?

SDA/thas/oli

287 Kommentare
    Alex Vorburger

    Da offensichtlich sowohl politisch, wirtschaftlich und auch gesellschsftlich der Konsens herrscht, a) ein Sozialleben ohne Clubbing ist jungen Menschen nicht zumutbar, b) der Gierwirtschaft ist eine für alle faire Finanzrisikoverteilung nicht zumutbar und c) den Politikern ist der zur Änderung dieser durch Corona nun unübersehbar gewordenen Missstände nötige Anstand ebenfalls nicht zumutbar, sollte man sich nicht wundern, wenn bald nicht Coronaleugner das Problem sind, sondern die bisher aus Rücksichtsgefühl geduldig Maske tragenden Mitmenschen, welche diese einseitige Solidarität schlicht und einfach leid sind und Solidarität ihrerseits aufkündigen.