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Grossbrand in LaufenErste «Gwärbler» sind schon wieder zurück

Auf dem Brandareal in Laufen wurde eine Notversorgung mit Wasser und Strom eingerichtet. Wo das Feuer nicht alles zerstört hat, kehrt der Alltag langsam zurück.

Wie ein Wunder: Sechs von zehn Gewerbebetrieben  an der Wahlenstrasse in Laufen wurden durch das Feuer nicht zerstört.
Wie ein Wunder: Sechs von zehn Gewerbebetrieben an der Wahlenstrasse in Laufen wurden durch das Feuer nicht zerstört.
Foto: Lucia Hunziker

Das Industrieareal an der Laufner Wahlenstrasse soll möglichst rasch wiederaufgebaut werden. Die Basler Stiftung Abendrot als Arealbesitzerin zeigt sich optimistisch, dass in anderthalb bis zwei Jahren die abgebrannte Grosshalle durch einen Neubau ersetzt sein wird. «Es gibt dort nichts mehr, das gereinigt, geflickt oder gerettet werden könnte», sagt Stefan Wolf, Geschäftsführer der Abendrot Immobilien AG. Sie ist die Bewirtschaftungsgesellschaft der Stiftung Abendrot.

«Der Schaden dürfte gedeckt sein.»

Stefan Wolf, Geschäftsführer der Abendrot Immobilien AG

Nun heisse es: Bauschutt abführen. Die Stiftung Abendrot hat rund 30 Prozent ihres verwalteten Vermögens von 2,2 Milliarden Franken in Immobilien angelegt. Insgesamt sind der Sammelstiftung 12'000 Erwerbstätige aus 1200 verschiedenen Betrieben angeschlossen.

Wolf geht nicht davon aus, dass die Brandkatastrophe Folgen für Abendrot haben wird. «Wir sind gut versichert, der Schaden dürfte gedeckt sein», sagt er. Die Stiftung wurde am Dienstag von der Polizei über den Stand der Ermittlungen informiert. Für nächste Woche erwartet sie einen detaillierten Bericht. Spekulationen zur Brandursache will Wolf nicht machen. Das Areal, das aus fünf verschiedenen Gebäudeteilen bestehe, habe sich auf dem aktuellen technischen Stand befunden. Erst 2019 sei für den Einbau einer neuen Brandmeldeanlage ein sechsstelliger Betrag ausgegeben worden. Zu berücksichtigen sei aber, dass die Gebäude der Bauzeit von früher entsprächen. Deshalb fehlten zum Beispiel Brandabschnitte, die ein Übergreifen auf andere Gebäude verhindern sollen. Sämtliche Installationen, so Wolf, hätten sich jedoch auf dem Stand von heute befunden.

Eine Welle der Solidarität

Insgesamt sind auf dem 50'000 Quadratmeter grossen Industrieareal an der Laufner Wahlenstrasse 100 Mieter untergebracht. «Darunter befinden sich aber auch viele, die nur eine einzelne Garage, also sehr wenig Fläche nutzen», sagt Wolf. Von der Brandkatastrophe betroffen sind 40, die in der völlig zerstörten grossen Halle untergebracht waren. Mit dem Feuer ist ihr Mietverhältnis erloschen. Sie stehen sprichwörtlich auf der Strasse.

Allerdings erhalten sie vom regionalen Gewerbe grosse Unterstützung. Der Aufruf des regionalen Gewerbevereins, Ersatzräumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, hat eine grosse Solidaritätswelle ausgelöst. «Es haben uns weit über 50 Personen und Institutionen kontaktiert und Angebote unterbreitet», schreibt Gewerbevereinspräsident Marc Scherrer in einer Mitteilung. Besonders erfreulich sei, dass ein Grossteil von ihnen speziell geschaffen worden sei. Dies zeige das grosse Gwärbler-Härz, das im Laufental und dem angrenzenden Schwarzbubenland für die Brandopfer schlage. Es gäbe viele Gratisangebote oder solche mit sehr tiefen Ansätzen.

Ricola und BLKB helfen mit

Trutmann Informatik aus Aesch etwa bietet ein Büro für zwei oder drei Arbeitsplätze an. In Bättwil steht eine 130 Quadratmeter grosse Werkstatthalle zur Verfügung, in Büsserach sind es sogar 690 Quadratmeter Gewerbefläche. Selbst die römisch-katholische Kirche in Laufen macht bei der Aktion mit und bietet im Pfarreiheim ein bis zwei Kellerräume an. Bauunternehmer Niklas Schäublin will sofort eine leer stehende grosse Wohnung im Laufner Stedtli mit einfachsten Mitteln zu vier Büros umbauen. In Kleinlützel werden Gewerbeflächen für 12.50 Franken pro Quadratmeter angeboten. Laut Scherrer haben auch der Bonbonhersteller Ricola und die Basellandschaftliche Kantonalbank ihre Hilfe angemeldet.

Bemerkenswerterweise bleibt ein Teil der Mieter von der Katastrophe verschont. Wenige Tage nach dem Unglück haben einige Mieter ihre Arbeit wieder aufgenommen. Sie werden notfallmässig mit Strom und Wasser versorgt, wie Wolf bestätigt. Insgesamt wurden 80 Prozent der 20'000 Quadratmeter der grossen Halle vom Feuer zerstört. Die übrigen Gebäudeteile konnten durch die Feuerwehr gerettet worden.

Auch in Zukunft will die Stiftung Abendrot Gewerberaum zu vernünftigen Konditionen anbieten, sagt Wolf. Am bestehenden Konzept werde auch nach dem Neubau festgehalten.