Zum Hauptinhalt springen

Lewis Hamilton vor RekordErst Titel Nummer 7 und dann 145 Millionen Franken?

Beim Grand Prix der Türkei kann der Brite mit Michael Schumacher gleichziehen. Und dann? Hört er auf? Die Gerüchte über seine Zukunft in der Formel 1 brodeln.

Nach dem Champagner- bald auch der gewaltig Geldregen? Lewis Hamilton, wieder einmal am Feiern, hier beim GP der USA 2019.
Nach dem Champagner- bald auch der gewaltig Geldregen? Lewis Hamilton, wieder einmal am Feiern, hier beim GP der USA 2019.
Keystone

Es naht der Sonntag, der nie hätte kommen sollen. Lewis Hamilton kann beim Grand Prix der Türkei zum siebten Mal Weltmeister werden und drei Rennen vor Schluss den Fabelrekord von Michael Schumacher egalisieren – eigentlich war dieser für die Ewigkeit gedacht. Es reicht schon, wenn Hamilton vor Teamkollege Valtteri Bottas ins Ziel kommt. Und das hat er bei bislang 75 gemeinsamen Rennen 52-mal getan.

Auch der Finne ist bei Mercedes nicht viel mehr als Beifahrer des Mannes, der mit Instinkt, Gespür und verblüffender Coolness die Formel 1 seit Jahren in Grund und Boden fährt. Dabei ist Bottas nicht irgendein Fahrer, sonst hätte ihn Mercedes gar nicht erst verpflichtet. Der 31-Jährige, der bereits seine achte Saison fährt, seine vierte bei Mercedes, ist ein ruhiger, überlegter Lenker, der kaum Fehler macht, der mit Akribie, Detailversessenheit und körperlicher Schwerstarbeit versucht, an den Mann aus dem Londoner Vorort Stevenage heranzukommen. Und es doch nicht schafft.

Dass Bottas so ausgeglichen ist, hilft ihm dabei, das zu akzeptieren – anders als Nico Rosberg, der sich am teaminternen Duell mit Hamilton aufgerieben hatte und nach seinem Coup, dem WM-Titel 2016, erschöpft zurücktrat. Auch Hamilton und den ganzen Rennstall hatte der Zweikampf viel Energie und Nerven gekostet, nicht selten waren die zwei in ihren vier Mercedes-Jahren aneinandergeraten auf der Strecke. Und verbal auch daneben.

Hamilton: Zu wenig Anerkennung für Bottas

Mit Bottas an der Seite fährt es sich ruhiger, der Finne riskiert nicht unnötig viel im Rencontre auf der Piste. Deshalb, fand Hamilton vorige Woche, sei es an der Zeit für ein Lob. So sagte der 35-Jährige nach dem Rennen in Imola: «Ich finde, dass Valtteri zu wenig Anerkennung erhält für seine Leistungen. Er macht einen fabelhaften Job. Er ist wahnsinnig schnell und besser als ein grosser Teil des Startfeldsnicht nur, was seinen Speed angeht.» Auch Bottas’ Einstellung und Arbeitsweise beeindruckten ihn, sagte Hamilton. «Es geht bei einem Piloten nicht nur ums pure Fahren, sondern auch darum, wie er mit den Menschen umgeht und sie zu besseren Leistungen inspiriert. Und da ist Valtteri ein Vorbild.»

Was Hamilton mit seinen Worten auch sagt: Macht Bottas einen «fabelhaften Job», dann erledigt er ihn noch etwas fabelhafter. 85 Punkte Vorsprung hat der Brite auf seinen freundlichen Teamkollegen herausgefahren und dabei so manchen Rekord geschlagen. Der wichtigste: Anzahl Rennsiege. Bei sagenhaften 93 steht Hamilton nun, Schumacher, Dominator Anfang der 2000er-Jahre mit Ferrari, hat er um 2 Triumphe distanziert. Allein in dieser Saison hat er 9 von 13 Grands Prix gewonnen.

Und: Gut möglich, dass es 2021 im gleichen Stil weitergeht. Dann wird mit praktisch identischen Autos gefahren. Es ist schwer vorstellbar, dass die Konkurrenz dann endlich das Mittel findet, wie Mercedes zu bändigen ist. Zumal 2022 die grosse Regelrevolution kommt mit komplett neuen Wagen und darauf nächste Saison der Hauptfokus liegen dürfte.

«Ich weiss noch nicht einmal, ob ich nächstes Jahr noch hier sein werde.»

Lewis Hamilton

Doch die wichtigste Frage, was Hamilton angeht, ist noch gar nicht geklärt: Fährt er überhaupt weiter? Jedenfalls hat er auch jetzt, Mitte November, noch immer keinen Vertrag unterschrieben mit Mercedes. Nach dem Rennen in Imola heizte er die Spekulationen gleich selber an. «Ich weiss noch nicht einmal, ob ich nächstes Jahr noch hier sein werde», sagte er da. Es ist wohl Koketterie.

Er dürfte sich kaum die Chance entgehen lassen, mit einem achten WM-Titel alleiniger Rekordhalter der Formel 1 zu werden. Eher ist es so, dass noch einige Dinge zu klären sind im Vertrag zwischen übermächtigem Fahrer und übermächtigem Team. Die englische «Daily Mail» will erfahren haben, dass es um einen dreijährigen Kontrakt geht, der Hamilton umgerechnet rund 145 Millionen Franken einbringen könnte. Ein weiteres gewichtiges Argument zu bleiben.

Doch erst einmal geht es um Titel Nummer 7, um den Grand Prix in Istanbul, wo die Formel 1 letztmals vor neun Jahren fuhr. Im einen Mercedes sass damals Nico Rosberg. Im anderen: Michael Schumacher.

7 Kommentare
    Jürgen Baumann

    Immer nur lärmend im Kreis fahren - wen bringt das weiter?