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Entscheidendes Spiel der SchweizErst das EM-Ticket holen, dann den Gegner bemitleiden

Finalissima um die EM-Qualifikation: Das Schweizer Frauen-Nationalteam braucht gegen Belgien einen Punkt für England 2022.

Die Abwehrchefin ist zurück: Viola Calligaris (links) und Torjägerin Ramona Bachmann wollen das EM-Ticket lösen.
Die Abwehrchefin ist zurück: Viola Calligaris (links) und Torjägerin Ramona Bachmann wollen das EM-Ticket lösen.
Bild: Walter Bieri (Keystone)

Ein bisschen scheint es Nils Nielsen fast leid zu tun. Einen Punkt braucht sein Team noch, um die Qualifikation für die EM 2022 in England zu schaffen – auf Kosten des Gegners vom Dienstag. Und genau das würde der Schweizer Nationaltrainer schade finden, weshalb er sagt: «Ich hoffe, dass wir als Gruppenerste weiterkommen und Belgien als einer von drei besten Zweiten.»

Denn Belgien leiste grosse Arbeit für die Entwicklung des Frauenfussballs, versuche, den Spielerinnen ähnliche Rahmenbedingungen wie den Männern zu schaffen. «Bei den Männern sind sie die Nummer 1 der Weltrangliste. Ich glaube, das wollen sie auch bei den Frauen werden», so Nielsen. Und eine Endrundenteilnahme ist in der Entwicklung natürlich ein wichtiger Treiber.

Das gilt auch für die Schweiz. Das Verpassen der WM 2019 tat weh, war eine vergebene Grosschance. Auch damals war die Ausgangslage vorzüglich, das Team verspielte sie aber auf der Zielgeraden. Nielsen findet: «Das kann zusätzliche Motivation geben.»

Coronabedingter Ausfall

Apropos Motivation: Ein Schub gibt dem Team die Rückkehr von Viola Calligaris. Beim 1:1 in Kroatien Mitte September brach ihr linkes Handgelenk, Nielsen vermisste sie schmerzlich. Rechtzeitig zur Finalissima ist sie aber wieder zurück, und zwar, wie der Nationaltrainer sagt, «mit unglaublich viel Energie. Ihr Lachen ist durch das ganze Hotel zu hören». Und das sei ziemlich ansteckend: «Ich habe mir eine Aufnahme auf dem Handy gemacht. Immer wenn ich etwas traurig bin, spiele ich sie ab.»

Viola Calligaris kehrt ins Nationalteam zurück.
Viola Calligaris kehrt ins Nationalteam zurück.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Die Stimmung im Team, sie stimmt also. Das ändert auch der positive Corona-Test von Stammgoalie Gaëlle Thalmann nicht. Weil die Servette-Torhüterin keinen Kontakt zu ihren Mitspielerinnen hatte, war eine Quarantäne für alle nie eine ernsthafte Option. «Der Staff hat sehr gut gehandelt, wir waren jederzeit gut informiert», sagt Innenverteidigerin Luana Bühler. Sie findet einzig: «Für Gaga ist es natürlich sehr, sehr schade.»

Wer die 34-Jährige ersetzen soll, wollte Nielsen am Tag vor dem Spiel nicht verraten. Die wahrscheinlichste Option ist Seraina Friedli, die nach überstandener Ellbogenverletzung seit Anfang November bei Florentina San Gimignano in der italienischen Serie A regelmässig zum Einsatz kommt. Im Gegensatz zu Elvira Herzog, die beim deutschen Bundesligisten SC Freiburg meist auf der Ersatzbank sitzt. Als dritte Torhüterin wurde Livia Peng vom FCZ nachnominiert.

Hinspielsieg gibt Selbstvertrauen

Klarer als bei der Goalie-Frage äussert sich Nielsen zur Favoritenrolle: «Für den neutralen Beobachter ist es Belgien.» Das sagt er, obwohl sein Team im Hinspiel verdient 2:1 gewinnen konnte, dabei kaum Torchancen zuliess. «Wenn wir nochmals so spielen, dann bin ich überzeugt, dass wir auch jetzt ein gutes Resultat hinkriegen werden», sagt der Däne. Und auch Malin Gut, Torschützin im Hinspiel, erinnert sich gerne an die Partie in Thun zurück: «Der Sieg hat uns viel Selbstvertrauen gegeben.»

So viel Selbstvertrauen, dass Nielsen trotz aller Sympathie für den Gegner sagt: «Es wäre schön, wenn Belgien dabei wäre – aber sie werden über den zweiten Platz gehen müssen.» So leid ihm das auch tue.