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NFL-Rückkehr nach fünf JahrenEr war alkoholabhängig und schlief unter dem Auto

Aldon Smith spielte wegen zahlreicher Eskapaden fünf Jahre kein Football. Nun ist er wieder zurück und zeigt seine Stärke eindrucksvoll.

Stellt die Gegner wieder vor grosse Probleme: Aldon Smith ist nach langer Absenz zurück in der NFL.
Stellt die Gegner wieder vor grosse Probleme: Aldon Smith ist nach langer Absenz zurück in der NFL.
Foto: Stephen Brashear (Keystone)

Das Spiel hat eben erst begonnen, als Aldon Smith zum ersten Mal den gegnerischen Quarterback zu Boden ringt. Diesen sogenannten Sack nimmt der Footballer der Dallas Cowboys emotionslos zur Kenntnis, jubelt nicht. Zwei weitere sollten an diesem Abend noch dazukommen. Es ist eine sehr gute Leistung von Smith. Vor allem, weil es sein drittes Spiel nach einer fünfjährigen Zwangspause vom Football ist. Wegen Drogen, Alkohol und Konflikten mit dem Gesetz.

Seine Karriere begann sehr vielversprechend: In den ersten beiden Spielzeiten brach er mehrere Rekorde und erreichte mit den San Francisco 49ers die Superbowl. Eine Bilderbuchkarriere schien vorgeplant zu sein. Kein Gegner zu stark, kein Quarterback zu flink. Sein Aufstieg zu einem der besten Spieler nur eine Frage der Zeit.

Fehltritte und Comebacks …

Doch er stand sich selbst im Weg. In der dritten Saison geriet die Karriere ins Stocken. Ein bisschen zumindest. Nach einem Autounfall wurde er wegen Verdachts auf Fahren unter Alkohol- und Marihuana-Einfluss verhaftet. Freiwillig ging Smith in eine Suchtklinik und verpasste deshalb mehrere Spiele. Als er zurückkehrte, knüpfte er an seine Leistungen an. Die Quarterbacks mussten sich wieder vor ihm fürchten.

Doch ein weiterer Rückschlage folgte: Die NFL sperrte ihn für mehr als die Hälfte der nächsten Saison. Wegen Alkoholmissbrauchs und eines Vorfalls am Flughafen in Los Angeles. Bei der Sicherheitskontrolle machte er Bemerkungen, dass er eine Bombe besässe. Als Folge davon wurde er ein weiteres Mal festgenommen. Nach der Sperre kehrte er aufs Feld zurück und war ein wichtiger Teil des Teams.

Vor dem Start der Saison 2015 hatte man in San Francisco dann aber die Nase voll von den Fehltritten des Spielers. Fahrerflucht unter Alkoholeinfluss und Vandalismus führten diesmal zur Verhaftung von Smith und zu seiner Entlassung. Die Oakland Raiders boten ihm sogleich wieder eine Chance. Bald aber wurde er von den jüngsten Vorfällen eingeholt. Nach neun Spielen sperrte ihn die NFL.

… bis zur mehrjährigen Sperre

Und diese Sperre schien das Ende seiner Karriere zu sein. Den Rest der Saison sowie die beiden folgenden Spielzeiten verpasste er, bevor er nach einem Vorfall von häuslicher Gewalt wieder entlassen wurde und komplett aus dem Fokus verschwand.

Zumindest aus demjenigen der Fans, nicht aber aus jenem der Polizei. 2018 musste er wegen häuslicher Gewalt für 90 Tage ins Gefängnis. Dieses sei ein heftiges Jahr gewesen, sagte Smith kürzlich gegenüber Fox Sports. Er hatte psychische Probleme und «schlief einige Nächte unter einem Auto», obwohl er ein Zuhause gehabt hätte. «Ich hatte das Gefühl, ich würde nichts anderes verdienen», sagte er. Dies sei der Tiefpunkt gewesen.

Neue Chance bei den Dallas Cowboys

Nach der vierten Verhaftung wegen alkoholisierten Fahrens kam die Wende im Spätsommer 2019. Smith engagierte sich in der Wohltätigkeitsorganisation «Merging Veterans and Players». Dort konnte er sich mit ehemaligen Spielern und Soldaten austauschen und mit ihnen trainieren.

Anfang April dieses Jahres kam dann die Nachricht, mit der niemand gerechnet hatte: Smith kehrte zurück. Die Dallas Cowboys gaben ihm einen sogenannten «prove-it-deal»: einen Einjahresvertrag, der ihm nur dann Geld einbringt, wenn er spielt. Einen Unterschriftsbonus, den er auch im Falle einer Entlassung erhält, gibt es nicht. Das Risiko für den Verein ist gering, der mögliche Profit gross.

Und so sieht es im Moment auch aus: In den ersten drei Spielen sammelte Smith am meisten Sacks. Kein anderer Spieler brachte den gegnerischen Quarterback häufiger zu Boden. Von den Fans wird ihm wieder Beachtung geschenkt, mit der Polizei hatte er seit seiner Vertragsunterzeichnung nichts mehr zu tun.

3 Kommentare
    Thomas D.

    Respekt BZ! Die einzige Zeitung, die es schafft, der NFL auch ausserhalb der Superbowl-Zeit Beachtung zu schenken! Davor ziehe ich den Hut!