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Glosse über Bryan CristanteEr verschuldet ein Eigentor, begeht Blasphemie – und wird gesperrt

Bryan Cristante vom AS Rom unterläuft nach einem Eigentor ein unseliger Fluch. Ein Sportrichter sieht sich wegen Blasphemie zum Handeln gezwungen.

Der Moment, der ihm später zum Verhängnis wird: Bryan Cristante nach seinem Eigentor.
Der Moment, der ihm später zum Verhängnis wird: Bryan Cristante nach seinem Eigentor.
Foto: Giorgio Benvenuti (Keystone)

Bryan Cristante von der AS Roma ist ein höflicher, eher schüchterner junger Mann, 25 Jahre alt, Internationaler. Seine Mutter ist Norditalienerin, sein Vater Kanadier, er besitzt beide Staatsbürgerschaften. Der Vorname ist eine Verneigung des Vaters vor dem kanadischen Musiker Bryan Adams.

Das alles tut aber wenig zur Sache. Bei seinem jüngsten Auftritt im Auswärtsspiel der Roma in Bologna am Sonntag unterlief dem Mittelfeldspieler, der mal wieder als Innenverteidiger herhalten musste, weil einige Kameraden in der Abwehr unpässlich waren, beim Stand von 0:3 in der 24. Minute ein sehr ungeschicktes, irgendwie ungewohnt tapsiges Eigentor. Gefolgt von einer deftigen Selbstvermaledeiung über das Missgeschick, wie sie einem wohl mal herausrutschen kann, wenn man am Liebsten im Erdboden verschwinden würde.

Nun, Cristante kombinierte dabei die Wörter Gott und Schwein, und das hört man im katholischen Italien doch eher selten, selbst im ungehobelte Kontext. Es gibt dafür Varianten, die den Sinn übertragen, die aber Gott aus dem Spiel lassen, wenigstens wörtlich: Statt mit «Dio» lässt sich das Tier zum Beispiel mit «due» koppeln, zwei – lautmalerisch nahe, aber eben doch etwas ganz anderes. Oder mit «zio», Onkel. Oder auch mit «Giuda», Judas, dem Verräter, was schon fast eine Umkehrung ist. Cristante variierte aber nicht. Die Kameras zoomten sein Gesicht gerade ganz nahe heran, als er im Tor stand, sich am Netz festhielt und sich unsittlich über sich selbst ärgerte. Das Stadion war leer, doch für das Verständnis bedurfte es keines Tons: «Schwein» und «Gott», man konnte die Worte von den Lippen ablesen. Und das so kurz vor Weihnachten!

Ein sicht- und hörbarer Ausdruck

Sportrichter Gerardo Mastandrea fand, Cristante habe sich da einer blanken Gotteslästerung schuldig gemacht und verhängte eine Spielsperre – streng nach Artikel 37, 1. Komma, im massgeblichen Kodex. In seinem Urteil schrieb der Richter, er habe von den Verbandsoffiziellen die Nachricht erhalten, dass der Spieler Bryan Cristante sich blasphemisch geäussert habe. Daraufhin habe er die Fernsehaufnahmen studiert, und ja, tatsächlich: «Es gibt keine Zweifel, der gotteslästernde Ausdruck ist deutlich sicht- und hörbar», schrieb er.

Natürlich liesse es sich nun genüsslich darüber diskutieren, ob das Urteil nicht auch eine böse Frucht der Bigotterie sein könnte. Ein «Porco due» oder ein «Porco Giuda» wäre nicht sanktioniert worden, obwohl dasselbe gemeint ist. Gianluigi Buffon, der allenthalben gerne als Halbheiliger des Calcio gilt, ist bekannt dafür, dass er während der Spiele viel Unheiliges sagt, wenn ihm etwas nicht passt. Auch könnte man darüber streiten, ob Blasphemie ähnlich schwer wiegt, wenn der Lästerer mit der Verwünschung eigentlich an sich selbst wendet – so grobschlächtig wie nur immer möglich. Aber vielleicht ist das philosophisch zu kurz gegriffen, theologisch sowieso.

Die Roma gewann das Spiel übrigens 5:1, das Eigentor war nur ein flüchtiges Intermezzo, ohne Einfluss, es brach den Fluss der Dinge nicht. Der Verein verzichtet darauf, in Berufung zu gehen gegen das Urteil des Herrn Sportrichters, was sonst nie vorkommt. Alles wird immer angefochten, prinzipiell. In diesem Fall dachte man wohl, es würde die unselige Geschichte nur noch etwas unseliger machen.

2 Kommentare
    David DelMaestro

    Imaginäre Figuren muss man Respekt zollen. Sonst kommen unimaginäre Menschen und hängen Dich auf...