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Nachruf auf Ezio BossoEr machte Coldplay Konkurrenz

Mit seiner Soft-Klaviermusik stürmte er die Hitparaden. Nun ist Ezio Bosso 48-jährig gestorben.

2016 trat Ezio Bosso am Festival delle Canzoni in Sanremo auf.
2016 trat Ezio Bosso am Festival delle Canzoni in Sanremo auf.
Foto: Keystone

Die einen schmolzen dahin bei seiner Musik, die anderen rümpften die Nase. Der Pianist, Komponist und Dirigent Ezio Bosso polarisierte – und stürmte die Hitparaden: 2015 landete sein Album «The 12th Room» auf Platz drei der iTunes-Charts, zwischen Adele und Coldplay. Eine rare Position für einen, der eigentlich von der klassischen Musik herkommt.

Aber für stilistische Schubladen hat sich Bosso nie interessiert. Der Turiner gehörte – wie Ludovico Einaudi, Giovanni Allevi oder Yann Tiersen – zu jenen Pianisten, die mit einer Art emotional aufgeladener Minimal Music die Massen erreichen. Er spielte beim Festival von Sanremo und in den grossen Konzertsälen, meist eigene Stücke, die Titel tragen wie «Following a Bird» oder «Forgotten Smiles». Schlicht ist Bossos Musik, unüberhörbar inspiriert von Philip Glass, oft sentimental, manchmal hemmungslos kitschig. Aber doch so persönlich, dass sie nie ganz ins Easy Listening abrutscht.

Auch die Inszenierung stimmte: Die Haare, die übers Gesicht fielen, die T-Shirts, die Kappen – sie prägten das Bild des Pianisten. Und dann war da noch seine tragische Geschichte: Seit Jahren litt Bosso an einer neurodegenerativen Krankheit, immer wieder musste er pausieren. In den letzten Monaten musste er das Klavierspiel aufgeben, dirigiert hat er weiterhin: eigene Orchesterwerke, aber auch Beethovens Sinfonie Nr. 7.

Vor kurzem noch hat er im Interview mit dem «Corriere della Sera» gesagt, wie sehr er sich auf das Ende des Lockdown freue: «Als Erstes werde ich mich an die Sonne setzen.» Nun ist er in Bologna gestorben, 48 Jahre alt.

8 Kommentare
    Pierre Rothschild

    Seit 2011 litt Bosso an einer neurodegenerativen Krankheit, die ihn zuletzt am Klavierspielen gehindert hatte. Tapfer hatte er gegen die Krankheit gekämpft. "Ich bin nicht krank, aber ich lebe mit einer Krankheit", sagte er.