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Der Fall WilkomirskiEr erfand sich eine Holocaust-Biografie – weil er sich als Opfer sah

Binjamin Wilkomirski schrieb über seine Kindheit im KZ, dabei wuchs er in der Schweiz auf. Der Dokumentarfilm «W. – Was von der Lüge bleibt» porträtiert einen faszinierenden Betrüger.

Bruno Grosjean alias Binjamin Wilkomirski, Autor der gefeierten KZ-Kindheitsmemoiren «Bruchstücke».
Bruno Grosjean alias Binjamin Wilkomirski, Autor der gefeierten KZ-Kindheitsmemoiren «Bruchstücke».
Foto: PD

Es heisst ja, im Nachhinein sei man immer schlauer. Aber was nützt einem das, wenn die Vorfälle kaum zu glauben sind? Der Fall Binjamin Wilkomirski ist so eine Geschichte. Jede Erkenntnis scheint das Rätsel um den Autor noch zu vergrössern, der 1995 beim Jüdischen Verlag von Suhrkamp seine «Bruchstücke» herausgab, Kindheitserinnerungen ans Vernichtungslager Majdanek, gefeiert von der Kritik als «Vision eines Dichters» («New York Times»), in der das «Gewicht eines ganzen Jahrhunderts» stecke (NZZ).

«Bruchstücke» wurde in viele Sprachen übersetzt, Wilkomirski erhielt Preise und hielt Vorträge als KZ-Überlebender. 1996 schickte ihn der «Tages-Anzeiger» in ein israelisches Shoah-Stück am Theater Spektakel. «Unerträglich, wie Holocaust konsumiert wird», lautete die Headline, der Gastautor war angewidert. Die Schauspieler würden verzweifelt versuchen, durch «Überhöhung etwas Unfassbares in den Griff zu bekommen».

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