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FCB vor Liga-WiederbeginnDer entspannte Basler ist Zürcher

Während rund um den FC Basel und seinen Präsidenten grosse Unruhe herrscht, hat Trainer Marcel Koller seinen Zweimonatsvertrag unterschrieben. Kurz vor Wiederaufnahme des Meisterschaftskampfs wirkt er gelöst.

«Für die Medien sind das super Geschichten.» Marcel Koller, Cheftrainer des FC Basel.
«Für die Medien sind das super Geschichten.» Marcel Koller, Cheftrainer des FC Basel.
Foto: Ennio Leanza (Keystone).

Marcel Koller ist kein Showman. Weder Spassmacher noch Choleriker. Also ist er auch kein Mann der grossen Gefühle. Keiner wie Klopp oder Mourinho. Sondern einfach Marcel Koller. Und wenn es etwas gibt, das man diesem Marcel Koller immer wieder nachgesagt hat, seit er zum FC Basel gekommen ist, dann ist es vor allem dies: Er ist irgendwie immer gleich. Gleich ruhig. Gleich überlegt. Ab und an das gleiche Lächeln einstreuend.

Marcel Koller ist auch an diesem Freitagnachmittag Marcel Koller. Und doch erkennt man Nuancen, die ihn von jenem Marcel Koller unterscheiden, der bis zur Corona-Pause dagesessen ist und den Medien Auskunft gegeben hat. Denn es umweht ihn ein Hauch von Lockerheit. Zwei Tage vor Wiederbeginn der Super League, in der seine Mannschaft um den Meistertitel kämpft – und zwei Tage nachdem die Muttenzerkurve mit der Aufforderung zum Rücktritt des Präsidenten Bernhard Burgener und praktisch aller FCB-Verwaltungsräte für ein weiteres, mittleres Erdbeben in der Brüglinger Ebene gesorgt hat.

Damit man das nicht falsch versteht: Egal ist Marcel Koller nicht, was rund um den FC Basel geschieht. «Ich habe das Schreiben der Muttenzerkurve gelesen», sagt er und äussert dabei zurückhaltend seine Meinung als einer, der «nicht zu solchen Dingen Auskunft geben muss». Der Trainer des FC Basel findet, dass der Dialog zwischen den Parteien gesucht und geführt werden müsse – schliesslich sei dieser ja sowohl im Forderungspapier als auch in der Rückweisung durch den Club als erstrebenswert festgehalten worden.

Doch auch wenn es nicht unbedingt an ihm oder dem Team liegt: Erstmals seit eineinhalb Jahren ist es ruhig um Koller. Denn der Fokus hat sich in den vergangenen Wochen klar weg vom Trainer und voll auf die oberste Führungsebene verschoben. Umso mehr, als dass ein anderes Dokument nun endlich unterschrieben ist. Kollers Anstellung wird bis Ende August ausgedehnt. Und die Klausel bleibt bestehen, wonach sich sein Vertrag beim Gewinn der Meisterschaft um ein Jahr verlängert (die BaZ berichtete).

Marcel Koller weiss also, woran er ist. Er weiss , dass nun jeder weiss, dass die Würfel in seiner Causa gefallen sind und die lästigen Fragen aufhören. Die Zahlen, die auf diesen Würfeln stehen werden, kennt zwar keiner. Doch in Anbetracht der rotblauen Grosswetterlage befindet sich Koller in einer Situation, in der er nichts zu verlieren, aber mehr als jeder andere zu gewinnen hat.

Es gibt Ruhm, Titel und Prämien in Liga, Cup und Europacup zu holen. Wenn er Meister wird, verlängert sich seine Anstellung zu besten Bezügen. Und wenn das nicht geschieht, wenn er mit seiner Mannschaft nicht mehr reüssieren sollte, dann gibt es rund um die wirtschaftliche und atmosphärische Krise des Clubs genügend gute Gründe des Scheiterns, die nicht dem Trainer anzulasten sind.

Natürlich sagt Marcel Koller nichts von dem. Sondern er sagt nur, dass er alles dafür tue, damit seinen Spielern diese Unruhe nichts anhabe. «Für die Medien sind das super Geschichten, zumal sie sich gar nichts mehr suchen müssen.» Für ihn und seine Spieler gehe es jedoch darum, die Geschlossenheit zu wahren. Wissend, dass im Fussball nichts so viel Einfluss auf Stimmung und Prosperität eines Clubs hat wie die Resultate, die man sich ab Sonntag in hoher Kadenz herausspielt.

«Es wollen alle gewinnen», nennt Koller den Hauptgrund, der ihn für die anstehenden Aufgaben in einem schwierigen Binnenklima zuversichtlich stimmt. Und er verneint nicht, dass es auch noch andere Argumente gibt, die – im Gegensatz zu den fünf Punkten Rückstand auf St. Gallen und YB – zumindest im Kampf um die Meisterschaft für den FC Basel sprechen.

Zum Beispiel an diesem Wochenende, wenn Rotblau dank dem (gewonnenen) Cupspiel in Lausanne als einziger Club bereits mit einem Ernstkampf auf dem Tacho in die Super-League-Fortsetzung geht. Noch mehr aber danach, wenn eine englische Woche auf die nächste folgt: Vor Corona wäre es bis auf weiteres so gewesen, dass sich alle jeweiligen Gegner eine Woche lang auf das Messen mit Rotblau hätten vorbereiten können, während die Basler dazwischen Europa League gespielt hätten. Nun ist das in einem kompakten Liga-Restprogramm für alle gleich. Und profitiert der FCB wohl auch davon, dass sich viele Mannschaften englische Wochen gar nicht gewöhnt sind. Koller schöpft aus seiner Erfahrung, wenn er sagt: «Normalerweise braucht das eine gewisse Adaptionszeit.» Zeit, die der FC Basel nicht benötigt.

Was der FC Basel hingegen benötigt, ist ein Kader, das den Zielen gerecht wird. Ob er dieses ab Juli noch hat, weiss Marcel Koller nicht. Er weiss nur, dass Zdravko Kuzmanovic nicht mehr dabei sein wird. Was mit den anderen sechs Spielern, deren Angestellten- (Bua, Van Wolfswinkel) oder Leihverträgen (Cabral, Zhegrova, Bergström, Ramires) ist, kann er nicht beantworten. «Behalten will ich jeden», sagt der Trainer. Aber er ergänzt auch, dass dies von den Entscheidungen mehrerer Parteien und den finanziellen Bedingungen abhängt.

Auch in diesem Punkt könnten dem FCB im Meisterrennen Nachteile erwachsen, die mit der wirtschaftlichen und atmosphärischen Krise des Clubs zusammenhängen. Nachteile, die nicht dem Trainer angelastet werden.

Marcel Koller wirkt ziemlich gelöst an diesem Freitag. Auch wenn man das nur in Nuancen erkennt.