Zum Hauptinhalt springen

SenfkornEnglische Kreation für Frankreich

Seit 1899 geniessen die Franzosen den süsslichen, leicht orientalisch angehauchten Savora-Senf, den die Engländer für sie erfunden und produziert haben.

Vom englischen Senffabrikanten Colman für den französischen Markt erfunden: Savora.
Vom englischen Senffabrikanten Colman für den französischen Markt erfunden: Savora.

«Klar, denn wer Savora kennt, will diesen feinen englischen Spezialsenf nicht mehr missen. Mit Savora zubereitet, mit Savora genossen, gewinnt so manche Speise an Wohlgeschmack und Rasse.» Mit diesen Sätzen wurde 1949 in der NZZ fast täglich in kleinen Annoncen für den Savora-Senf geworben. Savora?

Ja, Savora. Den speziellen Senf kreierte der weltberühmte englische Senffabrikant Colman 1899 speziell für den französischen Markt. Mit Erfolg: Savora gehört seither zu den grossen französischen Gewürzen, gilt unter den klassischen Aromen als eine der Ikonen und wird heute vom französischen Senfproduzenten Amora hergestellt. Das Besondere am Savora-Senf ist die Mischung aus elf verschiedenen Gewürzen und Aromen, die seinen Charakter bestimmen: Zimt, Piment, Kurkuma, Cayennepfeffer, Muskat, Nelke, Sellerie, Knoblauch, Estragon, Malzessig und Honig. Diese Mischung macht ihn würzig und trotzdem mild, leicht süsslich und unverwechselbar.

Da Savora nicht mehr in allen französischen Supermärkten erhältlich ist, dürfte er in vielen Haushalten durch die vielen modernen Saucen abgelöst worden sein. Entdeckt haben ihn jedoch wieder verschiedene Spitzenköche, darunter auch die Dreisternköchin Anne-Sophie Pic, die neben ihrem Restaurant in Frankreich auch noch für das Restaurant im Beau-Rivage Palace in Lausanne verantwortlich ist. Sie verwendet Savora als Bereicherung für ihre Quiche Lorraine und hebt damit den französischen Klassiker gleich auf eine andere Stufe. Das ist ihre Füllung: 150 g gekochter Schinken in Scheiben, 50 g Comté gerieben, 125 ml Milch, 125 ml Rahm, 1 EL Savora, 2 Eier, 1 Eigelb, Salz. Sie belegt den mit der Gabel eingestochenen Mürbeteigboden mit Schinkenstreifen, streut den geriebenen Käse und giesst dann den Guss darüber. Dass sie Schinken statt Speck benutzt, hat ihr den Vorwurf eingetragen, dass ihr Gericht zwar eine wunderbare Quiche, aber keine Lorraine mehr sei. Wen kümmert das. Ihre Kreation schmeckt hervorragend, auch mit gekauftem Mürbeteig. Savora findet man bei Match in Hüningen oder im Internet.