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Gelockerter Kultur-LockdownEndlich wieder ins Kino!

Nach dem Notstand ist vor den Ferien: Das Stadtkino Basel nutzt den engen Slot im Juni für einen cineastischen «Tanz in den Sommer». Die Reihe ist bestückt mit legendären Qualitätsfilmen – von Hitchcock bis zu den Coen Brothers.

 Meryl Streep (Mitte) mit Julie Walters (links) und Christine Baranski in «Mamma Mia!».
Meryl Streep (Mitte) mit Julie Walters (links) und Christine Baranski in «Mamma Mia!».

Auf Dauer war es ja kein Vergnügen, von den Lockdown-Regeln auf Heimkinoformat zurechtgestutzt zu werden. Mit dem 6. Juni atmen Filmfreunde auf – am liebsten in einem verdunkelten Raum und vor grosser Leinwand. In bequemen Sesseln. Dort, wo einen rein gar nichts aus dem Sog der Bilder reisst. Gute alte Kinowelt!

Das Stadtkino Basel legt in den beiden Wochen vor der Sommerpause einen cineastischen «Tanz in den Sommer» hin. Eine Reihe, bestückt mit Klassikern aus der eigenen Kinemathek. Ein ziemlich dichtes Programm, durchaus bunt gemixt, keinesfalls seicht, aber doch ein Stimmungsaufheller nach dem Trübsinn der Corona-Isolation.

Zur Wiederöffnung am Samstagabend klirren die Ketten. Drei Gestalten in Sträflingsstreifen hasten über ein Tabakfeld in den Südstaaten, stehlen ein Huhn, nehmen vor Hundehatz, vor Sheriff-Willkür, vor Sumpfsirenen Reissaus, und landen nebenbei einen Riesenradiohit. Das herrlich verquasselte Trio besteht aus George Clooney, John Turturro und Tim Blake Nelson. Vor 20 Jahren brachen die drei zur Odyssee durch Mississippi-Country auf und errangen dank schräger Story, hypnotischem Bluegrass-Soundtrack und der behexenden Bildregie der Coen-Brothers schnell Kultstatus.

«O Brother, Where Art Thou?» ist natürlich kein Popcorn-Kino, dafür ist die Geschichte doch zu minimalistisch erzählt. Aber für zwei Oscarnominierungen für Kamera und Drehbuch reichte es schon. Und für den Golden Globe an Hauptdarsteller George Clooney – obwohl dieser seine Stimme für den Hit «Man Of Constant Sorrow» sicherheitshalber doubeln liess.

Die schwarze Südstaatenkomödie der Coen-Brüder spielt zur Zeit der Grossen Depression. Bleibt zu hoffen, dass das kein Omen für die Post-Corona-Zeit ist. Uns wäre ein Panoramablick über die Dächer von Nizza jedenfalls ungleich lieber. Möglich ist das im Stadtkino – mithilfe von Alfred Hitchcock, Cary Grant und Grace Kelly. «To Catch a Thief» ist als Filmdokument aus den 50er-Jahren unsterblich – nicht nur wegen der Szene auf der Panoramastrasse zwischen Monaco und Nizza, die so fatal an Grace Kellys Unfalltod 1982 auf einer ähnlichen Klippenstrecke an der Côte d’Azur erinnert. Sondern vor allem wegen der Romanze, die sich wie ein hübscher Schleier über die Thrillerhandlung legt: Das potenzielle Opfer fängt den Gentleman-Ganoven ein. Ein raffinierter, erotisch aufgeladener Twist. Wobei Hitchcock dafür sorgt, dass sich der Zuschauer seines Happy Ends lange nicht sicher sein kann.

Acht Filme zeigt das Stadtkino in der «Tanz in den Sommer»-Reihe. Darunter auch bestes europäisches Autorenkino wie Andreas Dresens Berlin-Komödie «Sommer vorm Balkon» (2005) und Nanni Morettis leichthändigen Episodenfilm «Caro Diario» (1994). Und dann natürlich «Mamma mia!», die Musicalverfilmung von 2008 mit Meryl Streep, Pierce Brosnan, Colin Firth, Amanda Seyfried, leicht kitschverdächtiger Choreografie und fast allen Jukeboxknallern von Abba. Ein einziger Griechenland-Werbeclip, aber immerhin mit Benny Andersson himself am Hafenklavier.

Man sollte solche Szenen vorbehaltlos geniessen. Ob und wo es in diesem Corona-Sommer noch mehr grosse Kinogefühle gibt, ist unklar. Drive-in-Cinemas sind ja nur eine Notlösung.