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Wiedereröffnung des StadtcasinosEndlich wieder ein Society-Event in Basel

Der umgebaute und sanierte Musiksaal wurde vergangenen Samstag eingeweiht. Die geladenen Gäste des feierlichen Anlasses waren sich einig: Vom neuen Konzept profitieren sowohl die Musikfans als auch die Stadt Basel.

Im neuen Foyer des Stadtcasinos wird das Sehen-und-Gesehen-Werden zu einer lustvollen Angelegenheit.
Im neuen Foyer des Stadtcasinos wird das Sehen-und-Gesehen-Werden zu einer lustvollen Angelegenheit.
Foto: Pino Covino

Gut gelaunt stand Tout Bâle in feinem Zwirn und Abendkleid am vergangenen Samstagabend vor dem umgebauten und erweiterten Stadtcasino. Gleich mehrere Gründe sorgten für die ausserordentliche Feststimmung unter den rund 600 geladenen Gästen der Wiedereröffnung des Stadtcasinos, das nach vier Jahren Umbauzeit in neuem Glanz erstrahlt.

In dieser Zeit wurde der Musiksaal von den Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron um einen Erweiterungsbau auf der Seite des Barfüsserplatzes ergänzt – nun befindet sich der Eingang hier und nicht mehr am Steinengraben. Das neue Konzept bietet nun ausreichend Platz für ein Foyer, Garderoben, und ausladende Treppenaufgänge. Ausserdem wurde der Musiksaal unterkellert und mit einem neuen Lüftungssystem versehen. Durch die Entkoppelung des Musiksaals vom Kopfbau entstand zudem ein direkter Zugang vom Steinengraben hin zum Barfüsserplatz. Das kam bei den Gästen gut an, wie sich im Lauf des Abends zeigte.

In erster Linie freute man sich aber darüber, endlich den weltberühmten Musiksaal zurückzuhaben. Aber mehr noch, dieses neue Stadtcasino mit dem grosszügigen, von einem riesigen Kronleuchter beleuchteten Foyer und den gediegenen, mit Brokatstoff ausgekleideten Treppenaufgängen bietet endlich auch einen passenden Rahmen für das gesellschaftliche Vor und Danach eines Konzerts.

Im neuen Erweiterungsbau des Stadtcasinos erinnert nichts mehr an die beengenden Verhältnisse des alten Gebäudes.
Im neuen Erweiterungsbau des Stadtcasinos erinnert nichts mehr an die beengenden Verhältnisse des alten Gebäudes.
Foto: Pino Covino

Die feierliche Wiedereröffnung des Stadtcasinos war der erste Anlass nach der langen, Corona-bedingten Zwangspause, die in den vergangenen Monaten Veranstaltungen dieser Art verunmöglichte. Das Sehen-und-Gesehen-Werden schien den Anwesenden an diesem Abend eine besondere Freude zu machen. Auch die von der Casino-Gesellschaft vorgeschriebene Maskenpflicht im Gebäude konnte dieses Gefühl nicht trüben. Im Gegenteil: Da und dort erschienen Gäste mit edel glitzernden Masken oder farblich auf die Garderobe abgestimmtem Mundschutz das lässt erahnen, dass sich das vielerorts verhasste Präventionsmittel zum Accessoire der Stunde mausern wird.

Couturier Raphael Blechschmidt schneiderte für sich und seinen Partner Peter Potoczky einen Anzug aus dem Originalstoff des Stadtcasinos – inklusive passendem Mundschutz.
Couturier Raphael Blechschmidt schneiderte für sich und seinen Partner Peter Potoczky einen Anzug aus dem Originalstoff des Stadtcasinos – inklusive passendem Mundschutz.
Foto: Pino Covino

Allen voran hatte es sich Couturier Raphael Blechschmidt nicht nehmen lassen, sich und seinen Lebenspartner Peter Potoczky dem Anlass entsprechend einzukleiden. Sie waren von Kopf bis Fuss, inklusive Schutzmaske, in Anzüge aus dem roten Originalstoff des Stadtcasinos gewandet. «Wir mussten dafür eine Bewilligung der Manufacture Prelle in Lyon einholen», so Blechschmidt. Die barocke Erscheinung, die der Stoff dem neuen Erweiterungsbau des Casinos verleiht, ist gemäss Jacques Herzog Absicht und eine Reminiszenz an die Ursprungszeit des Musiksaals. In seiner Ansprache erwähnte Herzog denn auch, dass man sich bei der Erarbeitung des Erweiterungsbaus an diesem Raum orientiert habe. «Der Saal ist der Chef, da durfte nichts ‹dazugepflüümlet› werden. Vielmehr sollten die Foyers und die Treppenhäuser daraus hervorwachsen.»

Mit dem Erweiterungsbau hat Architekt Jacques Herzog gemeinsam mit seinem Partner Pierre de Meuron das Stadtcasino zum Barfüsserplatz hin ausgerichtet.
Mit dem Erweiterungsbau hat Architekt Jacques Herzog gemeinsam mit seinem Partner Pierre de Meuron das Stadtcasino zum Barfüsserplatz hin ausgerichtet.
Foto: Pino Covino

Der Architekt Emanuel Christ, hält diese Idee für genial: «Es ist ein Gewinn für den Barfüsserplatz und die Stadt.» Er genoss den Abend zusammen mit seiner Frau, der Ärztin Mirjam Christ-Crain. «Die Gestaltung der neuen Foyers und Treppenhäuser ist eine lustvolle Interpretation von Festlichkeit

Architekt Emanuel Christ erlebte das feierliche Ambiente des neuen Stadtcasino-Foyers gemeinsam mit seiner Frau Mirjam Christ-Crain.
Architekt Emanuel Christ erlebte das feierliche Ambiente des neuen Stadtcasino-Foyers gemeinsam mit seiner Frau Mirjam Christ-Crain.
Foto: Pino Covino

Vergessen ist die muffige Atmosphäre und das Gedränge im alten Foyer mit Eingang am Steinenbergwo man stets Angst haben musste, nach dem Konzert von einem Tram oder einem Taxi überfahren zu werden. FDP-Grossrätin Karin Sartorius erhofft sich durch den Erweiterungsbau am Barfüsserplatz und die Attraktivität des Stadtcasinos gar eine neue Klientel für das Musikhaus: «Diese neue Sichtbarkeit des Stadtcasinos zieht vielleicht auch vermehrt junge Leute an.»

FDP-Grossrätin Karin Sartorius nahm ihre Mutter Uta Brüschweiler zur Wiedereröffnung des Stadtcasinos mit.
FDP-Grossrätin Karin Sartorius nahm ihre Mutter Uta Brüschweiler zur Wiedereröffnung des Stadtcasinos mit.
Foto: Pino Covino

Begeistert zeigte sich auch Elisabeth Ackermann. «Mit dem neuen Konzept ist es den Architekten gelungen, den gordischen Knoten dieser komplexen Situation rund um den Musiksaal zu lösen.» Als ausgebildete Gitarrenlehrerin war Ackermann zudem gespannt auf die Akustik im sanierten Saal.

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann besuchte den Event mit ihrem Ehemann Werner Baumann.
Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann besuchte den Event mit ihrem Ehemann Werner Baumann.
Foto: Pino Covino

Ob diese in derselben Qualität wie vor dem Umbau wiedergegeben würde, fragten sich zwar alle Gäste. Um das zu beurteilen, dafür fehlte aber vielen das musikalische Gehör wie etwa Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr rundweg zugab.

Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürrs musikalisches Gehör lässt eine präzise Beurteilung der Akustik im Stadtcasino nicht zu.
Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürrs musikalisches Gehör lässt eine präzise Beurteilung der Akustik im Stadtcasino nicht zu.
Foto: Pino Covino

Glücklicherweise wartete seine Frau, eine studierte Pianistin, diesbezüglich mit mehr Fachkompetenz auf. Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger, zwar geübter Konzertgänger und ehemaliges Mitglied der Casino-Kommission, wagte ebenfalls kein Urteil über die Akustik. Er stellte dem Veranstalter aber ein gutes Zeugnis betreffend des Schutzkonzepts aus und freute sich unter seiner Maske, dass nun gesellschaftliche und kulturelle Events wieder möglich sind.

Gruppenbild mit Maske: Für Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (rechts, mit Baschi Dürr, Conradin Cramer und Raphael Blechschmidt) ist das der neue Weg, gesellschaftliche Anlässe durchzuführen.
Gruppenbild mit Maske: Für Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (rechts, mit Baschi Dürr, Conradin Cramer und Raphael Blechschmidt) ist das der neue Weg, gesellschaftliche Anlässe durchzuführen.
Foto: Pino Covino

Xavier Zuber, Direktor der Berner Oper mit Basler Wurzeln, dürfte jener Minderheit in der Gästeschar angehört haben, die den Klang des Saals fachlich beurteilen konnten. Er stellte der Akustik Exzellenz aus: «Vor dem Umbau empfand ich den Saal etwas ‹hallig›. Der Klang jetzt ist sensationell.» Nach dem Konzert traf Zuber auf dem Barfi auf Simon Lutz und Esther Keller. Der Gastronom mit dem Flair für ungewöhnliche Raumgestaltung zeigte sich begeistert vom neuen Stadtcasino. «Die Kombination aus plüschigem Material mit modernem Metall und Spiegeln ist absolut gelungen.» Die Regierungsratskandidatin und studierte Historikerin Keller ist Mitautorin eines Buches über das Stadtcasino und von dessem neuen Auftritt begeistert. «Wenn man das Haus jetzt betritt, kommt man in eine andere Welt.»

Begeisterung pur: Gastronom Simon Lutz, Regierungsratskandidatin Esther Keller und Xavier Zuber, Direktor der Oper Bern.
Begeisterung pur: Gastronom Simon Lutz, Regierungsratskandidatin Esther Keller und Xavier Zuber, Direktor der Oper Bern.
Foto: Pino Covino

Über so viel Zuspruch freute sich Christoph Gloor. Zwar fehlte am Festakt aus bekannten Gründen der Apéro, und das Haus war auch nicht bis auf alle Plätze gefüllt. «Aber unter den gegebenen Umständen haben wir einen schönen, feierlichen Anlass erleben dürfen», so der Präsident der Casino-Gesellschaft Basel.

Christoph Gloor, Präsident der Casino-Gesellschaft Basel, empfing die geladenen Gäste in feierlichem Rahmen – aber ohne Apéro.
Christoph Gloor, Präsident der Casino-Gesellschaft Basel, empfing die geladenen Gäste in feierlichem Rahmen – aber ohne Apéro.
Foto: Pino Covino