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Folge des KlimawandelsEisbären könnten bereits in 80 Jahren ausgestorben sein

Forscher zeichnen in einer Studie ein düsteres Bild für die Zukunft des Ursus maritimus. Er befindet sich in freier Wildbahn in einem umweltbedingten Teufelskreis, aus dem es kein Entkommen mehr gibt.

Ein Eisbär im Arctic National Wildlife Refuge, dem nördlichsten Naturschutzgebiet der USA.
Ein Eisbär im Arctic National Wildlife Refuge, dem nördlichsten Naturschutzgebiet der USA.
Foto: Keystone

In rund 80 Jahren wird es Eisbären wohl nur noch in Zoos zu sehen geben. Durch den Klimawandel könnte der Ursus maritimus bis zum Jahr 2100 in freier Wildbahn ausgestorben sein, wenn die Treibhausgase auf demselben Niveau bleiben wie bisher. Dieses düstere Zukunftsbild zeichneten kanadische Wissenschaftler in einer Studie in der Fachzeitschrift «Nature Climate Change».

Wegen des Verschwindens ihres Lebensraums durch die steigenden Temperaturen fänden die Fleischfresser weniger Nahrung, heisst es in der Studie weiter. Die Bären kämen dadurch in einen Teufelskreis, weil hungrige, entkräftete Tiere weniger Erfolg bei der Jagd hätten.

In manchen Regionen sei das bereits zu beobachten. Mit dem Schrumpfen des Eises am Nordpol verkleinere sich das Zeitfenster, das den Bären für die Robbenjagd bleibe. Mit weniger Körpergewicht kämen die Bären dann schlechter durch den arktischen Winter. Zwölf von dreizehn untersuchten Populationen dürften die nächsten 80 Jahre nicht überstehen, so das Fazit. In der Arktis steigen die Temperaturen doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt.

«Für die Bären verlängert sich die Zeit ohne Nahrung, bevor das Eis wieder zufriert und sie sich erneut auf die Jagd machen können», erklärte der Leiter der Studie, Steven Amstrup von der NGO Polar Bears International.

Die Forscher gingen in ihrer Studie von einem Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur um 3,3 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit aus. Bereits die Erwärmung um ein Grad hat zu einer Häufung von Hitzewellen, Dürren und Stürmen geführt.

Auch andere Arten vom Aussterben betroffen

Selbst wenn die Menschheit den Anstieg auf 2,4 Grad begrenzen könnte – ein halbes Grad mehr als im Pariser Klimaschutzabkommen, aber dennoch kaum realistisch – würde es das Aussterben der Bären wohl nur verzögern.

«Das wäre noch immer viel mehr, als Eisbären während einer Million Jahre Evolutionsgeschichte erlebt haben», sagte Amstrup. Die Fleischfresser am oberen Ende der Nahrungskette seien kaum in der Lage, sich einer veränderten Umwelt schnell genug anzupassen. «Ihr Lebensraum schmilzt sprichwörtlich.»

Bisher sind lediglich Eisbären so unmittelbar vom Klimawandel betroffen, das sei aber nur ein Vorbote dessen, worauf sich andere Tierarten in den kommenden Jahrzehnten einstellen müssten, schreiben die Forscher. In freier Wildbahn leben heute noch etwa 25’000 Eisbären.

Schutz oder Schaden? Zoos galten jahrzehntelang als ein Ort, in dem gefährdete Tierarten gezüchtet und so für die Nachwelt gerettet werden können.
Schutz oder Schaden? Zoos galten jahrzehntelang als ein Ort, in dem gefährdete Tierarten gezüchtet und so für die Nachwelt gerettet werden können.
Foto: Keystone

nag/AFP

28 Kommentare
    Sacha Meier

    Wer benötigt schon Eisbären? Die kann man ja nicht verkaufen. Bienen brauchen wir ja auch keine mehr. Der süchtigmachende Diabetesgenerator HFCS (High Fructose Corn Syrup) mit etwas Armastoffen ersetzt nicht nur den Honig, sondern gibt unserer Pharmaindustrie auch ein Auskommen bei der Behandlung der Zuckerkrankheit. Und Xi Jin-Ping hat längst gezeigt, dass Drohnen mit Kamera, Wattestäbschen und KI-Software Obstbäume und Gemüseplantagen genau so gut bestäuben können, wie Bienen. Unser moderne Konsum- und Dienstleistungswirtschaftsgesellschaft lebt nun einmal vom Verzehr importierter asiatischer Billiggüter - möglichst mit geplanter Obsoleszenz - damit die immer und immer wieder produziert, gekauft und weggeworfen werden können. Das setzt halt dem Klima genau so zu wie den planetaren Resourcen, der Flora und Fauna. Mit dem unaufhaltsamen (!) Fortschreiten des Klimawandels, Aufheizung und Verschmutzung der Meere und des gnadenlosen Resourcen-Raubbaus werden wir uns auf ein Massensterben von Arten, umgekippte Ökosysteme und unbewohnbare Landmassen einstellen müssen. Dafür dürfte es immer mehr Viren geben. Zum Ende der Kohle in 400 Jahren könnten wir mit Temperaturanstiegen von gut 20°C und abgeschmolzenen Polkappen rechnen. Dummerweise können wir nichts mehr dagegen tun. Gegen die unendliche Geldgier und geballte, mörderische Finanzkraft der Fossilenergieindustrie kommt keine irdische Macht an. Dazu regiert sie in den Parlamenten mit (vgl. NR Dr. Albert «SwissOil» Rösti).