Zum Hauptinhalt springen

EntdecktEine Baslerin startet als Influencerin durch

Mit knapp einer Viertelmillion Followern gehört Sandra Pinto zu den bekanntesten Modebloggerinnen der Schweiz.

Sandra Pinto lebt zwischen zwei Welten.
Sandra Pinto lebt zwischen zwei Welten.
Foto: zvg

Kurz nachdem sie in ihre erste eigene Wohnung eingezogen ist, passiert es. «Ich reiste für ein Wochenende von Zürich nach Basel und spürte plötzlich: Jetzt bin ich angekommen. Hier, in der Schweiz», erinnert sich Sandra Pinto und lächelt versonnen. «Bis zu diesem Moment fühlte ich mich nirgendwo daheim. Nicht in Basel, wo ich aufgewachsen bin, aber auch nicht in Portugal, wo meine Eltern herkommen.»

Ein Leben irgendwo dazwischen. Dieses Gefühl habe sie so lange begleitet, dass sie sowohl ihren Blog als auch das zughörige Instagram-Profil danach benannte: «Entredois ist portugiesisch und bedeutet zwischen zwei. In meinem Fall bezieht sich das auf zwei Länder, die mich äusserlich und innerlich geprägt haben», sagt Sandra Pinto über den Namen ihrer digitalen Plattformen, auf denen sie bis heute regelmässig ihre Lieblingsoutfits zeigt.

Acht Jahre ist es her, dass sie mit Studienfreund Asmen die ersten Bilder von sich veröffentlichte und damit, ohne es zu wissen, den Grundstein legte zu einer steilen Karriere. «Mir ging es um den Spass an der Sache, ich wollte mit den Fotos meine Leidenschaft für Mode ausleben.» Inspiriert dazu habe sie unter anderem die italienische Bloggerin Chiara Ferragni, die sich schon früh zur Marke machte und so den Sprung in die Modebranche schaffte, wo es auch die damalige Wirtschaftsstudentin hinzog. «Durch den Blog erhoffte ich mir ein paar gute Kontakte in diesem Business», erklärt Pinto mit erfrischender Offenheit.

Sandra Pinto posiert in einem H&M-Kleid, das von Johanna Ortiz designed wurde.
Sandra Pinto posiert in einem H&M-Kleid, das von Johanna Ortiz designed wurde.
Foto: zvg

Zu sagen, dass sie das geschafft hat, wäre massiv untertrieben: Noch an der Universität erhält die Baslerin aufgrund ihrer stetig wachsenden Reichweite auf Instagram lukrative Aufträge als Influencerin und gehört schon bald zu den wichtigsten Mode-Bloggerinnen der Schweiz. Dennoch absolviert sie nach dem Bachelor zuerst ein Praktikum bei Estée Lauder und tritt im Anschluss ihre erste Festanstellung bei Bucherer in der Digital-Media-Abteilung an. «Es war nie mein Ziel, ausschliesslich mit Social Media mein Geld zu verdienen. Dafür ist diese Branche viel zu vergänglich», sagt sie. Weil es aber immer schwieriger wird, beide Berufe unter einen Hut zu bringen, zieht sie im Jahr 2018 Konsequenzen. Kündigt den Job in Luzern, zieht von Zürich zurück nach Basel – und wagt mit der Gründung des eigenen Modelabels Lamarel den Schritt in die Selbstständigkeit.

Zeitlose Mode-Basics

«Schon früh träumte ich von einer eigenen Kleiderlinie. Durch meinen Blog wurde dieser Wunsch immer stärker», sagt Pinto, die ihre Entscheidung damit begründet, dass in der Schweiz kaum ethisch produzierte Kleidungsstücke erhältlich sind. Um diese Lücke zu füllen, habe sie sich mit ihrer portugiesischen Cousine Joana zusammengeschlossen: «Dank ihrer Verbindungen entdeckte ich eine kleine, komplett von Frauen geführte Produktionsstätte in Portugal, in der die Arbeiterinnen unter fairen Bedingungen meine Entwürfe für Lamarel in ihrem eigenen Tempo herstellen konnten.» In kleiner Auflage entsteht auf diese Weise eine langsam wachsende Kollektion an «zeitlosen Mode-Basics für jede Situation», wie Pinto ihre Kleidungsstücke bezeichnet.

Das Geschäftsmodell kommt gut an, immer wieder schafft es Sandra Pinto in die Medien mit Lamarel. Nach wie vor bestimmt die Arbeit ihren Alltag, sie arbeitet rund um die Uhr, führt ein Leben aus dem Koffer. Im Grossen und Ganzen aber läuft alles gut. Bis zu Corona.

«Praktisch über Nacht wurden fast alle Social-Media-Kooperationen gestrichen, das war happig», erinnert sich Pinto mit ernster Miene an die ersten Wochen des Lockdown, den sie in der gemeinsamen Wohnung mit ihrem Freund in Spanien erlebt. Massiv betroffen ist auch das Team in Portugal. «Aufgrund zahlreicher Produktionsstopps hatten die Frauen plötzlich kaum noch Arbeit.» Nach diversen Gesprächen mit ihren engsten Vertrauten entscheidet sich Sandra Pinto dazu, ihre gesamten Ersparnisse in Lamarel zu investieren. «Es war meine Art, mich bei den Frauen in Portugal zu bedanken, die immer an mich glaubten und für mich produzierten, obwohl ich keine grossen Stückzahlen bestellte.»

Bereits wenige Tage nach dieser Erkenntnis entsteht in der portugiesischen Produktionsstätte das erste Teil der neuen Kollektion von Lamarel: ein grauer Trainer, der innert kürzester Zeit ausverkauft ist. Es folgen weitere Modelle, in denen sich viele bekannte Gesichter auf Social Media zeigen, darunter Caro Daur aus Deutschland mit 2,5 Millionen Followern. Natürlich präsentiert auch Sandra Pinto selbst regelmässig die neusten Teile von Lamarel auf Social Media, wo sie – ähnlich wie ihr einstiges Vorbild Chiara Ferragni – mittlerweile vor allem als Botschafterin ihres eigenen Brands unterwegs ist. Und dabei das gute Gefühl geniesst, auch beruflich ihre Heimat gefunden zu haben und angekommen zu sein.

Lamarel-Shop: www.shoplamarel.com.

7 Kommentare
    Jürg Müller

    Ein Beruf den die Welt nicht braucht!