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Regio-BrauereitagEin Zipfel, der strammsteht

200 Bierfans, fünf Brauereien: Am Samstag hielt die lokale Craft-Bier-Szene ihre Fahnen hoch. Der Brauereitag war einer der ganz wenigen Anlässe, der nicht der Pandemie zum Opfer fiel.

«Trinkst du Zipfelbier, dann steht er dir» – rund drei Liter Bier pro Person landeten in den Teilnehmern des Regio-Brauereitages.
«Trinkst du Zipfelbier, dann steht er dir» – rund drei Liter Bier pro Person landeten in den Teilnehmern des Regio-Brauereitages.
Foto: Lucia Hunziker

«Trinkst du Zipfelbier, dann steht er dir.» Stefan Schröder klopft sich die Schenkel vor Lachen und präzisiert, dass er damit natürlich nichts Zweideutiges meine, sondern buchstäblich den Zipfel seiner Mütze. Die hat er nämlich tatsächlich auf, in Knallgelb und sogar namentlich beschriftet. Wie auch seine fünf Mitstreiter von der Brauerei Zipfelbier in Muttenz. Und mit Passugger werde er wieder «lugger», kichert er – aber das ginge dann doch etwas weit.

Obwohl das Motiv der Grenzüberschreitung natürlich nicht allzu fern ist an einem Tag wie diesem. Dieser Tag, das ist der Regio-Brauereitag, der vergangenen Samstag zwischen Hofstetten, Reinach, Arlesheim, Muttenz und Himmelried zum elften Mal stattfand. Hier befinden sich die fünf Brauereien, die nacheinander im gecharterten Bus angefahren werden. Sämtliche Touren waren innerhalb weniger Tage ausgebucht.

Fünf Gruppen à 42 Bierliebhaber und – von Jahr zu Jahr auch immer mehr – Bierliebhaberinnen trinken sich dabei durch die hiesige Brauerszene. Die ersten starten morgens um halb zehn, die letzten werden abends um kurz vor acht entlassen. Das frühe Anzapfen ist vielleicht die erste Grenzauslotung für die Teilnehmer an diesem Tag. Weitere folgen, schliesslich multiplizieren sich die fünf Brauereien mit je drei Probierbieren. Fügt man der Gleichung die eingangs verteilten 2-Dezi-Humpen bei, ergeben sich rund drei Liter Bier. «Meistens schaffe ich die auch alle», erzählt eine grinsende Silvia Stämmeli. Für die Duggingerin ist es der zehnte Regio-Brauereitag. Mehr Erfahrung als sie hat wohl keiner der insgesamt über 200 Teilnehmer.

Die Schutzmasken und der Suff

Gibt es besondere Strategien dafür, einen solchen Tag zu überstehen? Von «überstehen» will Silvia Stämmeli natürlich nichts hören. Sie schaut einen betont entgeistert an und lacht mit ihren Begleitern. Der Regio-Brauereitag mache einfach Spass und sei überhaupt geprägt von einer einzigartigen Stimmung. Strategien gebe es aber gleichwohl: «Es ist wichtig, genügend Wasser dabei zu haben – und noch wichtiger, es auch zu trinken. Und genügend zu essen.»

Apropos Start: Der war natürlich in Gefahr, Pandemie verträgt sich nur mässig mit Feuchtfröhlichem, das weiss man nicht erst seit gewissen Geschehnissen etwa in Olten oder Zürich. Doch der durchführende Verein Regio-Brauereitag hat sich das mit der Durchführung gut überlegt. Er hat ein mehrseitiges Schutzkonzept entwickelt, alle Teilnehmer entsprechend instruiert und Masken verteilt, von denen zumindest während der Busfahrten auch ziemlich viele getragen wurden. «Ausserdem treffen sich die einzelnen Gruppen nie», ergänzt Stefan Schröder, «und wir haben alle Namen und Kontakte unserer Teilnehmer. Und zwar die echten.»

Das Maskentragen hätte übrigens sogar einen weiteren Vorteil, erzählt Peter Saladin lachend, während er an einem Arlibrau Spezli nippt: «Mit der Maske hat man noch mehr vom Alkohol.» Als Tambour an der Fasnacht kenne er das nur zu gut, Atem, Alkohol und Larve bildeten einen erheiternden Kreislauf. Den registrierte übrigens auch Marcel Brühwiler, einer der Chauffeure: «Der Lärmpegel steigt mit jeder Fahrt ein wenig mehr», erzählt er lachend.

In Muttenz, wo zur Show der neuste Sud von 1000 Litern in Flaschen abgefüllt wird, zerschellt derweil das erste Glas, dazu trällert Joe Cocker «Summer in the City». Stefan Schröder blickt sich um, über seiner Stirn prangt der gelbe Zipfel wie eine Eins. Was er sieht, sind 42 fröhliche, angeheiterte, mitunter betrunkene Menschen, die plaudern, lachen, singen und natürlich trinken. «Das schafft nur Bier», sagt er; «Bier bringt alle an einen Tisch.»

Am 15. August 2020 findet übrigens ein zweiter Regio-Brauereitag statt, dann in Mikrobrauereien in Tecknau, Liestal, Sissach, Füllinsdorf und Nuglar. Auch dieser war innerhalb weniger Tage ausverkauft.