Zum Hauptinhalt springen

Seismische Messungen der SalinenEin Ultraschallbild des Untergrunds

Um ein genaues Bild der Salzschichten zu erhalten, jagen die Schweizer Salinen Schallwellen in den Untergrund. Auch im Siedlungsgebiet wird gemessen.

Der Vibro-Truck (im Hintergrund) jagt Schallwellen in den Untergrund, die von den Gesteinsschichten reflektiert werden. Die hochsteigenden Signale werden  von Geophonen aufgenommen und aufgezeichnet.
Der Vibro-Truck (im Hintergrund) jagt Schallwellen in den Untergrund, die von den Gesteinsschichten reflektiert werden. Die hochsteigenden Signale werden von Geophonen aufgenommen und aufgezeichnet.
Foto: Lucia Hunziker

Bereits ein Schlag mit dem Hammer, ja sogar Stampfen mit dem Fuss löst auf dem Bildschirm voller Daten Reaktionen aus. Das nebenan in den Boden gesteckte Geophon erfasst bereits die feinsten Schwingungen. In den nächsten zwei Wochen fährt ein Vibrations-Fahrzeug, ein «Vibro-Truck», vordefinierte Strecken vom Röserental in Liestal via Sulzkopf bis nach Münchenstein ab und jagt mit der Vibrationsplatte am Unterboden in regelmässigen Abständen Schallwellen in den Untergrund. Diese werden an Gesteins- oder eben Salzschichten reflektiert. Die dadurch hochsteigenden Signale werden von den Geophonen, die zuvor entlang der Abschnitte in den Boden gesteckt wurden, aufgenommen. Dadurch können Tiefe und Dichte der Schichten im Untergrund dargestellt werden.

Christian Häring, Geschäftsleiter der Geo Explorers AG in Liestal, welche für die Schweizer Salinen die Messungen durchführt, spricht dabei von einem «Ultraschallbild», das so vom Untergrund erstellt werden kann. Ein Detailbild von einzelnen Stellen können aber nur lokale Bohrungen liefern. «Wir erkennen durch die Reflexion der Schallwellen, dass Schichtwechsel vorhanden sein müssen. Wir können auf dem Seismogramm aber nicht genau erkennen, um was für Schichten es sich handelt», erklärt Häring.

Gibt es Schäden?

Zahlreiche Interessierte nahmen am Samstag bei der Schiessanlage Lachmatt in Pratteln die Möglichkeit wahr, solche seismischen Messungen im Rahmen mehrere Demonstrationen aus der Nähe zu erleben. Die durch den Vibro-Truck ausgelösten Bodenschwingungen sorgten für staunende Blicke. Häring versicherte, dass der Truck in Siedlungsgebieten im Vergleich zum freien Gelände nur mit 40 Prozent seiner Energie und in höheren Frequenzen, die weniger wahrgenommen würden, Schallwellen auslöst. Bei tieferen Frequenzen habe er schon die Befürchtung, dass es zu kleineren Schäden kommen könnte, gerade wenn ein Haus bereits zuvor nicht mehr ganz stabil ist, meinte ein Besucher. «Auch Tiere könnten diese Schallwellen spüren, auch wenn es nicht gerade Erdbeben, sondern eher kleinere Erschütterungen sind.» Es sei für ihn aber klar, dass die Messungen durchgeführt werden müssen, um ein genaues Bild über den Untergrund zu erhalten.

Mulmig wird es dem Herrn vor allem, wenn er an die Messungen in zwei Wochen im Muttenzer Siedlungsgebiet denkt. Dort geht es aber nicht darum, Salzvorkommen aufzuspüren, sondern Gründe für Geländeabsenkungen zu finden, die zuletzt in Muttenz vermehrt vorgekommen sind. Die Messungen im Siedlungsgebiet werden im Auftrag des Kantons durchgeführt.

Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig

Auch Mitglieder der IG «Rettet die Rütihard», die erfolgreich gegen Salzbohrungen im Muttenzer Naherholungsgebiet kämpften, schauten sich die Vorführungen an. «Die Salinen haben gelernt, dass Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist und nicht wie bei der Rütihard per Handschlag Vereinbarungen abgeschlossen werden dürfen», meinte Thomas Abel. Sie seien nicht grundsätzlich gegen Salzbohrungen. «Wir wollten einfach die Rütihard schützen. Wenn sie hier etwas finden, ist das gut.»

Doch Urs Hofmeier, Geschäftsleiter der Schweizer Salinen, versicherte, dass es keine Pläne gibt, hier im Gebiet Lachmatt zu bohren. «Nach der Absage der Rütihard mussten wir uns zuerst neu orientieren und werden bis Ende Jahr kommunizieren, wie es weitergeht.» Die seismischen Messungen zwischen Liestal und Münchenstein waren schon lange, bevor die Rütihard-Pläne versenkt wurden, geplant, versicherte Hofmeier. Kritiker der Schweizer Salinen werden aber wohöl dennoch sagen: «Wo Messungen interessante Salzvorkommen aufzeigen, wollen die Salinen wenn möglich auch Salz gewinnen.»