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Rauswurf eines Kardinals im VatikanEin trüber Immobiliendeal wurde ihm zum Verhängnis

Der einst mächtige Kardinal der Heiligen, Giovanni Angelo Becciu, muss gehen – wegen einer Geschichte um Geld
und vielleicht auch um Gier.

Wollte mit dem Geld der Armen Luxuswohnungen bauen: Kardinal Giovanni Angelo Becciu.
Wollte mit dem Geld der Armen Luxuswohnungen bauen: Kardinal Giovanni Angelo Becciu.
Foto: Gregorio Borgia (Keystone)

Die letzte Audienz mit Franziskus soll «laut» und «hart» gewesen sein, ein «Schocker» gar. So erzählen es die italienischen Zeitungen, die in der Regel gut informiert sind über die Hergänge hinter dem vatikanischen Gemäuer. Der einst mächtige Kardinal der Heiligen, Giovanni Angelo Becciu, muss gehen – wegen einer profanen Geschichte um Geld und vielleicht auch um Gier.

In der formalen Sprache des Bulletins des Heiligen Stuhls heisst es, der Papst habe den Rücktritt des Präfekten der Heiligenkongregation hingenommen und ihn von allen Rechten seines Kardinalsstandes enthoben. Wahrscheinlich war es eher ein Rauswurf. Über die Gründe schweigen sich alle aus, doch viel Fantasie braucht es nicht. Becciu wurden wohl ein nebulöses Immobiliengeschäft in London und Zuwendungen mit Kirchengeld an seine drei Leibsbrüder Tonino, Francesco und Mario zum Verhängnis.

Er galt als weitsichtiger Kopf, als Netzwerker

Die Finanzaffären gehen zurück auf die Zeit, als der Sarde noch als Nummer 2 im vatikanischen Staatssekretariat der Abteilung «Allgemeine Angelegenheiten» vorsass. Berufen hatte ihn Benedikt XVI., Franziskus bestätigte ihn im Amt. Der frühere Nuntius galt als weitsichtiger Kopf, als Netzwerker. Franziskus, so heisst es, vertraute ihm blind. In Beccius Verantwortung fiel die Verwaltung der «Kasse der Päpste», etwa 700 Millionen Euro, die sich vor allem aus dem Peterspfennig nährte.

2014 investierte der Vatikan Hunderte Millionen Euro in eine ehemalige Lagerhalle des Kaufhauses Harrods mitten in London: 60 Sloane Avenue, Stadtteil Chelsea. Vermittelt hatte den überteuerten Kauf ein schillernder italienischer Financier, der Besitzer der Immobilie. Es sollten darin Luxuswohnungen entstehen, dafür also setzte Becciu das Geld für die Armen ein. Nach dem Brexit brach der Immobilienmarkt ein, in den Konten der Kirche klaffte plötzlich ein riesiges Loch. Franziskus, der angetreten war, die Kirchenzentrale von Geschäftemachern zu säubern, sah sich mit einem neuen Finanzskandal konfrontiert.

Korruption, Amtsmissbrauch, Geldwäsche

Die internen Ermittlungen wegen mutmasslicher Korruption, Amtsmissbrauchs, Erpressung, Unterschlagung und Geldwäsche begannen vor einem Jahr und sind nun fast abgeschlossen. Fünf hohe Beamte sind schon entlassen worden. Becciu beteuerte vor einem Jahr, es werde mit Schlamm nach ihm geworfen, er habe nur in Immobilien investiert, wie das der Vatikan immer getan habe. Doch Zweifel gab es schon vorher: 2018 machte ihn der Papst zum Kardinal und versetzte ihn an die Spitze der Heiligenkongregation. Was für Laien wie eine Beförderung aussah, war in Wahrheit eine Strafversetzung.

Und offenbar war da noch mehr als der trübe Immobiliendeal. Das Nachrichtenmagazin «L’Espresso» hat herausgefunden, dass der Kardinal einem seiner Brüder, der eine Kooperative für die Beherbergung von Migranten führt, 700’000 Euro aus den Kassen der Kirche zukommen liess. Als Becciu Nuntius in Angola war, schanzte er einem anderen Bruder, der als Schreiner arbeitete, die Neuausstattung vieler Kirchen in dem Land zu. Auch ohne Ausschreibung. Und einem dritten Bruder half er bei dessen Geschäft mit Bier.

Brachten etwa diese Enthüllungen des «Espresso» den Kardinal zu Fall? Das Heft hatte seine Titelgeschichte vorab etwas gestreut, sie soll erst am Sonntag herauskommen. Die zentralen Punkte sind nun bekannt – und das Cover. Man sieht darauf den Papst von hinten vor dunklem Hintergrund, dazu der Titel: «Jagt die Händler aus dem Tempel.»

6 Kommentare
    Klaus Weber-Fink

    Der Kardinal wollte doch nur Wohnungen schaffen für die Flüchtlinge, die Pabst Franziskus persönlich in seinem Flieger von Lesbos mitgebracht hatte.