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Vanlife-BoomEin Transporter mischt die Szene auf

Der VW T6 liegt derzeit auf Platz 5 in den Schweizer Verkaufscharts – ungewöhnlich für ein Nutzfahrzeug. Wir haben uns auf die Suche nach den Gründen für den Erfolg des Nachfahren des legendären VW Bulli gemacht.

Vanlife ist bei den Schweizern total trendy: Der Absatz des T6-Camper-Modells California ist letztes Jahr um 30 Prozent gestiegen.
Vanlife ist bei den Schweizern total trendy: Der Absatz des T6-Camper-Modells California ist letztes Jahr um 30 Prozent gestiegen.
PD

SUV dominieren derzeit das Geschehen im Strassenverkehr. Sechs der zehn meistverkauften Modelle in der Schweiz in diesem Jahr sind SUV. Doch ein Modell hält sich seit Monaten weit vorn in der Schweizer Bestenliste, das man dort nicht erwarten würde – der VW T6. Er liegt aktuell mit 647 verkauften Einheiten per Ende Februar auf Platz 5 – vom Überflieger Skoda Octavia wurden im gleichen Zeitraum 1052 verkauft. Ein grosser Transporter, ein Nutzfahrzeug lässt Modelle wie den VW Golf oder den BMW X3 hinter sich. Wie ist das zu erklären?

«Unsere T-Modelle verkaufen sich in der Schweiz seit Jahren hervorragend», sagt Christian Frey, Mediensprecher von VW-Importeur Amag. «Offensichtlich deckt das Fahrzeugkonzept die Bedürfnisse einer sehr breiten Zielgruppe ab.» Die Verkaufszahlen umfassen denn auch sämtliche Karosserievarianten, und das sind einige: Den T6 gibt es für die zivile Nutzung als gediegenen Familienbus und als Camper-Van in mehreren Versionen sowie für die gewerbliche Nutzung als Kastenwagen, als Personen-Shuttle oder als Pritschenwagen. 2019 machten der Transporter (Kastenwagen) und der California (Camper) je einen Anteil von 40 Prozent der Verkäufe aus, der Multivan (Familienbus) und der Caravelle (Personen-Shuttle) spielten mit 12 respektive 8 Prozent eine Nebenrolle. Dass es den T6 auch mit Allradantrieb gibt, kommt dem Transporter auch zugute – 54 Prozent der Kunden kauften 2019 eine 4Motion-Variante.

Konkurrenz bleibt aussen vor

Doch auch die Konkurrenz bietet eine grosse Karosserievielfalt: Die V-Klasse von Mercedes-Benz, der Ford Custom, der Opel Vivaro, der Renault Trafic sowie das baugleiche Trio Citroën Spacetourer, Peugeot Traveller und Toyota Proace spielen in der gleichen Liga wie der T6, und auch von diesen Modellen gibt es zusätzliche Nutzfahrzeugvarianten, teilweise unter anderem Namen. Doch all diese Modelle zusammen erreichten in den ersten zwei Monaten dieses Jahres nicht annähernd die Stückzahl, die vom T6 in der Schweiz verkauft wurde. Stärkster Konkurrent ist die V-Klasse von Mercedes-Benz respektive das Nutzfahrzeug-Pendant Vito: Kumuliert wurden von diesem Duo im vergangenen Jahr 2173 Stück verkauft. Dem stehen 3588 verkaufte T6 gegenüber – der VW ist ergo die unangefochtene Nummer 1.

Zwar hat der SUV-Boom viele kompakte Vans vom Markt verdrängt und damit den Erfolg des T6 zusätzlich beschleunigt. Zusätzlich aber ist Vanlife vor allem total trendy: Die Freizeit im Bus verbringen, Neues entdecken und dabei im Auto übernachten, ist derzeit bei vielen gross in Mode. Von diesem Umstand profitiert der T6 in der zahlungskräftigen Schweiz: «Die Verkäufe des Modells California, des erfolgreichsten Reisemobils in unserem Land, haben stark zugenommen», bestätigt Amag-Sprecher Christian Frey. Im vergangenen Jahr wurde der Absatz um 30 Prozent gesteigert. «Die Schweizerinnen und Schweizer schätzen es offenbar, spontan Ausflüge zu unternehmen und ihr mobiles Hotelzimmer mit dabeizuhaben.» Auch in diesem Bereich gibt es Konkurrenzangebote: Von der Mercedes-Benz V-Klasse (Marco Polo) und vom Ford Tourneo (Nugget) sind ebenfalls Camper-Varianten ab Werk erhältlich, andere Transporter können mit offiziellem Zubehör zu Camper-Vans umgebaut werden.

Doch eines hat der VW T6 seinen Konkurrenten voraus – den Kultfaktor. Der legendäre VW Bulli wird weltweit von einer riesigen Fangemeinde gefeiert, und der T6 ist immerhin sein Nachfahre. Für echte Fans zählen zwar nur die ersten drei Modellgenerationen als Bulli – mit dem Motor und dem Antrieb im Heck, am besten luftgekühlt. Ab der vierten Generation bekam der VW-Bus einen Frontantrieb, und der wassergekühlte Motor wurde vorne verbaut – und ab diesem Zeitpunkt wird er von der Fangemeinde nur noch als T4, T5 oder eben T6 bezeichnet.

Elektroversion folgt 2022

Unter dem Strich ist es wohl die Summe vieler Aspekte, die den VW T6 in der Schweiz so beliebt machen: ein bisschen Kultfaktor, ein wenig Vanlife-Boom, die Tatsache, dass viele klassische Vans vom Markt verschwunden sind, und ganz sicher das vielseitige Angebot samt Allradantrieb. Und bald kommt ein weiteres Verkaufsargument hinzu: Den Transporter wird es bald auch mit Elektroantrieb geben. Da hat die V-Klasse von Mercedes-Benz zwar schon vorgelegt, doch spätestens 2022, wenn VW den Elektro-Bulli namens ID. Buzz im Retrodesign lanciert, werden die Wolfsburger ihren Vorsprung vergrössern – dann nämlich dürfte auch der moderne VW-Bus kultig werden.

Gesuchter Klassiker: Für den VW T1 (1950 bis 1967) in der Sonderversion Samba werden heute sechsstellige Summen aufgerufen.
Gesuchter Klassiker: Für den VW T1 (1950 bis 1967) in der Sonderversion Samba werden heute sechsstellige Summen aufgerufen.
PD
Ausdruck eines Lebensgefühls: Der VW T2 wurde ab 1967 gebaut, in Brasilien lief er bis 2013 vom Band.
Ausdruck eines Lebensgefühls: Der VW T2 wurde ab 1967 gebaut, in Brasilien lief er bis 2013 vom Band.
PD
Boom-Modell: Der VW T6 stürmt die Top-10 in der Schweiz. Er wurde 2015 lanciert und ist inzwischen in der überarbeiteten Variante T6.1 erhältlich.
Boom-Modell: Der VW T6 stürmt die Top-10 in der Schweiz. Er wurde 2015 lanciert und ist inzwischen in der überarbeiteten Variante T6.1 erhältlich.
PD
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1 Kommentar
    Jürgen Baumann

    Die Attraktivität des Bullis kann ich schon nachvollziehen. Allerdings würde ich mir jetzt beim Kauf auch mal überlegen, wie es mit dem Verlauf des Restwertes aussieht. Als Verbrenner Fahrzeug sieht es sich ja immer mehr Fahrbeschränkungen gegenüber - in ganz Europa. Und was ist ein Fahrzeug wert, das nicht fährt?