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Schynige PlatteEin Selfie vor den Viertausendern

Viel schöner kann die Schweiz nicht sein: Auf der Schynige Platte ob Interlaken auf rund 2000 Metern eröffnen sich ein Wanderparadies par excellence und eine grandiose Aussicht über Seen, Täler und die mächtigen Berner Alpen.

Wanderrast vor beeindruckender Bergkulisse, links im Bild Eiger und Jungfrau.
Wanderrast vor beeindruckender Bergkulisse, links im Bild Eiger und Jungfrau.
Foto: PD


Wer den seltsamen Namen «Schynige Platte» sinnlich begreifen will, müsste bei Regen kommen: Oben, kurz unter dem Gipfelgrat, schimmert dann eine riesige, schräg abfallende Schieferwand in der Nässe – «schynig» oder «scheinend» eben. Bei unserem Besuch allerdings blendet die Sonne. Wir sind von Interlaken-Ost mit der Berner Oberland-Bahn in wenigen Minuten nach Wilderswil gefahren und von dort mit der nostalgischen Zahnradbahn auf knapp 2000 Meter hochgezuckelt. Die Bahn wurde 1893 gebaut und 1914 elektrifiziert; die Lokomotiven stammen noch aus jener Zeit und sind als gut erhaltene Oldtimer für sich selbst schon ein Ereignis.

Plättli und Paraglider

Bei der Zwischenstation Breitlauenen haben wir einen Halt eingelegt und das Buffet direkt an der Bahnstrecke besucht. Sein Interieur passt bestens zur altmodischen Bahn: Das antike Mobiliar und die ausgesuchte Dekoration machen das Bistro laut Schweizer Heimatschutz zu einem der «schönsten Cafés und Tearooms der Schweiz». Diesem Urteil können wir voll zustimmen. Und auch das Plättli mit Alpkäse und der hausgemachte Fruchtkuchen belohnen den Zwischenhalt. Das Spektakel der Paraglider, die hier starten, verkürzt die Zeit zusätzlich.

Während der gemächlichen Bahnfahrt präsentiert sich die Natur in ihrer ganzen Pracht: kühle Wälder und saftig-grüne Alpweiden, stotzige, mit Blumen übersäte Wiesen und immer wieder grandiose Ausblicke auf den Thuner- und den Brienzersee. Oben angekommen, werden wir von weitherum hörbaren Alphornklängen empfangen. Direkt über der schimmernden Schiefer-Felswand befindet sich das Bergrestaurant und -hotel.

Wie ein impressionistisches Gemälde

Aussicht auf den Brienzersee und die Orte Bönigen (vorne), Goldswil und Ringgenberg.
Aussicht auf den Brienzersee und die Orte Bönigen (vorne), Goldswil und Ringgenberg.
Foto: PD

Von der Bergstation auf knapp 2000 Metern über Meer gehen mehrere Wege ab, ein Panorama-Wanderweg zum Aussichtspunkt Daube und von dort auf einem gesicherten Grat rund um das Oberberghorn zum Louchernhorn und zurück. Eine berühmte Tagestour, reine Marschzeit rund sechs Stunden, führt von der Schynige Platte auf den Gipfel des Faulhorns (2681 m ü. M.) und dann hinunter an den malerischen Bachalpsee, der wie ein impressionistisches Gemälde in der Landschaft liegt, und zur Bergstation der Gondelbahn Grindelwald First.

Zuerst aber gibt man sich der unglaublichen Aussicht hin: Auf der einen Seite die Region Interlaken mit Thuner- und Brienzersee, die in der Sonne glitzern; auf der anderen Seite weit unten das Lütschental, vom gigantischen Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau bekränzt. Grosses Kino, wie man im Berner Oberland findet, weshalb auf einem sogenannten Naturkino-Rundweg riesige Holzrahmen aufgestellt sind, in denen man sich samt den mächtigen Viertausendern im Hintergrund auf Selfies verewigen kann.

Alpine Blütenpracht

Der Rundweg durch den botanischen Alpengarten führt vorbei an rund 700 verschiedenen Gebirgspflanzenarten.
Der Rundweg durch den botanischen Alpengarten führt vorbei an rund 700 verschiedenen Gebirgspflanzenarten.
Foto: PD

Wir sind oberhalb der Waldgrenze, und auf einem etwa einen Kilometer langen Rundweg durch den botanischen Alpengarten kann man Edelweiss, Enzian, Alpenrosen und andere Gebirgspflanzen betrachten und sich an ihren Düften berauschen. Etwa zwei Drittel der gesamten Alpenflora, rund 700 Arten, gedeihen an diesem Ort, der auch dem Naturschutz und der wissenschaftlichen Forschung dient.

Mitten im Garten befinden sich zwei grosse, braune Flecken: Das Team der Gärtner hat die Corona-bedingte Flaute im Frühling dazu genutzt, zwei Flachmoore anzulegen. Ein bereits bestehendes Moor war im Lauf der Jahre eingetrocknet; es wurde nun revitalisiert und um ein zweites ergänzt. In den Mooren werden sukzessive Pflanzenarten aus sechs verschiedenen Lebensräumen angesiedelt. Die Schösslinge werden an Ort und Stelle aus Samen herangezogen, damit sie sich an das Bergklima gewöhnen können.

Ob man nur einen Spaziergang oder aber eine längere Wanderung unternommen hat: Am Schluss kehrt man im Berggasthaus ein und lässt sich mit ländlichen Köstlichkeiten verwöhnen. Wer zusätzlich einen spektakulären Sonnenuntergang erleben will und am nächsten Morgen einen ebenso atemberaubenden Aufgang, bleibt für die Nacht und geniesst das altertümliche, gemütliche Ambiente in dem mehr als hundertjährigen Haus.

In Zusammenarbeit von SonntagsZeitung und Interlaken Tourismus