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Hilfe für JungunternehmerEin schneller und unkomplizierter Arbeitsplatz

Jungunternehmer mit dem Fokus auf Umwelt- und Energiethemen erhalten in Liestal auf sie zugeschnittene Büroräume. Der Architekt und Arealunternehmer Hansjörg Fankhauser subventioniert die Start-up-Arbeitsplätze.

Die Promotoren des «clentechLab» in Liestal: Projektmanagerin Sandrine Staub (links), Arealentwickler Hansjörg Fankhauser und Moritz Kistenmacher, Geschäftsführer der Startup Academy in Liestal.
Die Promotoren des «clentechLab» in Liestal: Projektmanagerin Sandrine Staub (links), Arealentwickler Hansjörg Fankhauser und Moritz Kistenmacher, Geschäftsführer der Startup Academy in Liestal.
Foto: zVg

Die Geschichte des Start-up-Unternehmens Resistell, das in der Lage ist, 100 Mal schneller als andere ein passendes Antibiotikum für Patienten zu ermitteln, klingt wie ein kleines Märchen: Einer der Direktoren an der FHNW fragte den Baselbieter Architekten und Areal-Entwickler Hansjörg Fankhauser, ob er nicht schnell einmal für ein paar seiner Studenten einen «Workspace» – Büroräume – zur Verfügung stellen könne. Seine Schüler sollten ausserhalb der Fachhochschule operativ tätig werden können.

Vis-à-vis der Fachhochschule, an der Hofackerstrasse in Muttenz, hat Fankhauser eine solche Bürolandschaft aufgebaut, zugeschnitten auf Jungunternehmer, die sich zu Studentenpreisen einmieten und Investoren in Empfang nehmen können. Die Jungunternehmer werden begleitet – gecoacht – und mit ihrem Einzug für den Erfahrungsaustausch in ein Netzwerk Gleichgesinnter eingebunden. Heute gehört Resistell zu den acht besten und wertvollsten Start-up-Unternehmen der Schweiz.

Zugeschnittene Büroräume für Start-up-Unternehmen bedeutet: kleine Büros für branchenverwandte Unternehmen, Räume, die bei Bedarf vergrössert werden können. Diese Büros sind rund um einen grossen Gemeinschaftsraum – einen Dorfplatz – angesiedelt, wo ein Gedanken- und Erfahrungsaustausch stattfinden kann. «Es sind keine offenen Bürolandschaften, jedes Zimmer muss abschliessbar sein, schliesslich sollen die Firmengeheimnisse gesichert aufbewahrt werden können», ergänzt Fankhauser.

Eine zweite solche Infrastruktur bietet Fankhauser nun auch in Liestal an. Er nennt sie: «cleantechLab». Dort sollen Innovation im Bereich Umwelt und Energie entstehen und daraus Unternehmen entspringen. In den ersten sechs Monaten sind die Räume gratis, danach kostet der Arbeitsplatz 250 Franken pro Monat. Wer scheitert, kann einseitig und unkompliziert kündigen.

Jungunternehmer werden begleitet

Innovationen im Bereich Umwelt und Energie seien gefragter denn je, sagt Projektmanagerin Sandrine Staub und benennt die Entwicklungsfelder: Energiespeicherung, Ressourcen-Effizienz, Recycling, Upcycling, Re-Use. Es ist viel Englisch dabei. Der Standort Liestal für «clentechLab» im nachhaltig entwickelten Holzgebäude Tenum passt darum wohl. Für die bestens ausgebildete Generation Y liegt Liestal zentral, «besser als mancher Standort in Basel», sagt Fankhauser. Und im Tenum geschäften längst Start-up-Firmen zusammen mit erfahrenen Unternehmern unter einem Dach. Der Erfahrungsaustausch findet im Zentrum des Hauses, in der Cafeteria, statt.

Zur Seite steht dem kleinen Start-up-Cluster «cleantechLab» der Verein Startup Academy in Liestal. Die gemeinnützige Institution begleitet mit ihren 35 Mentoren rund 30 Start-up-Unternehmen in der Region. «Es gibt viele Geschäftsideen und gründungswillige Personen», sagt Academy-Geschäftsführer Moritz Kistenmacher. Man bietet Jungunternehmern ein zweijähriges Begleitprogramm und organisiert rund 30 Anlässe pro Jahr. «Wir weisen auf Schwachstellen hin; wer früh scheitert, spart viel Geld», sagt Kistenmacher.

Kluge Köpfe vernetzen sich

Der Leiter Standortförderung Baselland, Thomas Kübler, ist glücklich. «Ein solches Netzwerk-Labor bringt neuen Geist in die Volkswirtschaft. Wir versuchen, die smarten Köpfe miteinander zu verbinden.» «Connecting great minds», heisst es entsprechend auf seiner Powerpoint.

Noch nie war der Gründungswille von Start-up-Unternehmen so gross wie jetzt. Im vergangenen Jahr waren es 3788, Tendenz steigend. Die Startup Academy hat derzeit sieben Standorte in der Schweiz. Ende Jahr werden es neun sein. Fankhauser hat mit dem «clentechLab» in Liestal den zweiten Standort einer solchen Netzwerk-Bürolandschaft eröffnet. 2021 folgt der dritte auf dem Dreispitz Basel/Münchenstein und 2022 in Laufen ein vierter, wie er ankündet.