Zum Hauptinhalt springen

Theater für alleEin pralles internationales Programm

Das Theaterfestival Basel findet in diesem Jahr trotz Corona statt. Der neue Festivalleiter Sandro Lunin und sein Team haben 17 Gruppen aus 13 Ländern eingeladen.

Am Theaterfestival mit dabei: Die Rapperin Laetitia Kerfa und die Tänzerin Janice Bieleu in «Du Sale».
Am Theaterfestival mit dabei: Die Rapperin Laetitia Kerfa und die Tänzerin Janice Bieleu in «Du Sale».
Foto: Willy Vainqueur

Es ist das erste Theaterfestival für Sandro Lunin. In diesem Jahr hat er das Zepter in Basel übernommen und sich bereits einigen Herausforderungen stellen müssen. Im März sei das Programm bereits komplett gewesen, erzählt Lunin. Seitdem seien vom ursprünglichen Plan «sechzig bis siebzig Prozent weggekracht».

«Wir mussten in kürzester Zeit für überzeugenden Ersatz sorgen – aber damit müssen wir leben», sagt der Festivalleiter. Unter dem Druck der Pandemie und den daraus erwachsenen Richtlinien des BAG sind viele Schweizer Kulturevents im Sommer 2020 eingeknickt. Das Theaterfestival hingegen wartet zwischen 26. August und 6. September mit einem «prallen internationalen Programm» auf.

Man habe glücklicherweise nicht auf Ersatzprodukte zurückgreifen müssen, die einen nur mässig begeistern, sagen die Dramaturginnen Hannah Pfurtscheller und Katharina Germo. Hinter den insgesamt 17 Gruppen aus 13 Ländern stehe man voll und ganz.

«Keine Absicht, nur Tourette»

Da wäre beispielsweise der Cirque Trottola aus Frankreich mit dem Manegenprogramm «Campana». In ihrem Zirkuszelt auf der Rosentalanlage setzen die Artisten die Gesetze der Schwerkraft ausser Kraft. Die Mischung aus «surrealistischem Jahrmarkttheater» und «poetischer Traumästhetik» eignet sich für die ganze Familie.

Ein besonders aussergewöhnliches Konzept trifft man bei Rimini-Protokoll aus Deutschland an. In «Chinchilla Arschloch, waswas» begeben sich drei Personen mit Tourette-Syndrom auf die Bühne, um einen Abend voller Überraschungen zu gestalten. Jeder Auftritt ist garantiert ein Unikat und stellt die Konventionen des Theaters infrage.

Auch fürs Publikum gelten nicht die üblichen Regeln: Die Vorstellungen von Rimini-Protokoll sind als sogenannte Relaxed Performances konzipiert. Das bedeutet, dass es im Zuschauerraum nie vollständig dunkel wird und es jederzeit die Möglichkeit gibt, den Saal zu verlassen, etwas zu essen und zu trinken oder sich leise zu unterhalten.

Doch nicht jeder Künstler kann live vor Ort sein: Der Videokünstler Ho Tzu Nyen aus Singapur stellt seine Langzeitarbeit «The Critical Dictionary of Southeast Asia» als Dauerinstallation aus. Da Singapur vermutlich bald zu den Risikoländern zählt, wird er selber nicht physisch anwesend sein.

Am Freitag und Samstag zu sehen: «Tanz» – eine bizarr-komische Performance von Florentina Holzinger.
Am Freitag und Samstag zu sehen: «Tanz» – eine bizarr-komische Performance von Florentina Holzinger.
Foto: Nada Zgank

Das Coronavirus hat das Festival also nicht verunmöglicht, hinterlässt aber nichtsdestotrotz seine Spuren. Wie im Kino werde man die Zuschauer in einem Schachbrettmuster platzieren, und mindestens beim Ein- und Auslass gilt eine Maskenpflicht.

Doch eine Krise bietet auch immer die Möglichkeit, über Traditionen nachzudenken und alte Strukturen aufzubrechen. Durch die Einschränkungen erlangen Solos am diesjährigen Theaterfestival Basel beispielsweise eine zentrale Bedeutung.

Der Westschweizer François Gremaud meistert in «Phèdre» alle Rollen des französischen Klassikers von Jean Racine selbst: Er ist die Königin Phädra und im nächsten Moment ihr verschollener Gatte Theseus oder dessen Sohn Hippolytos. Auch den gesamten Hofstaat stellt Gremaud nur bewaffnet mit einem Buch alleine dar.

Auch Kristina Norman steht alleine auf der Bühne. In «Lighter than Woman» spricht die estnische Künstlerin über die Lebensrealität ukrainischer Pflegerinnen in Italien. Die Schwerelosigkeit steht für sie für Emanzipation, aber auch für den Anspruch nach immer mehr Flexibilität des Arbeitsmarktes.

Das Programm, welches seit vergangenem Montag komplett online ist, beinhaltet neben den Auftritten auch Workshops, ein vegetarisches kulinarisches Angebot beim Festivalzentrum und Künstlertalks. Alle weiteren Angebote und Informationen sind auf der Website des Festivals zu finden.

Das Theaterfestival Basel findet vom 26. August bis zum 6. September an verschiedenen Spielorten in Basel statt.