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NachrufEin Leben für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen

Francesco L. Bertoli ist unerwartet im Alter von 66 Jahren gestorben.

«Mein Wirken ist Vermächtnis und Verpflichtung»: Francesco Bertoli.
«Mein Wirken ist Vermächtnis und Verpflichtung»: Francesco Bertoli.
Foto: zVg

Francesco L. Bertoli war eine aussergewöhnliche Person, in jeder Hinsicht, Erscheinung wie Charakter. Selbst Leute, die ihn nicht persönlich kannten, haben den freundlichen Herrn im Elektrorollstuhl wohl häufig gesehen in der Region Basel, denn er war im sprichwörtlichen wie konkreten Sinn ständig auf Achse.

Am 27. April ist er unerwartet im Alter von 66 Jahren verstorben und hinterlässt eine grosse Lücke. Arthrogryposis multiplex heisst die seltene Behinderung von unbekannter Ursache, mit der Francesco Bertoli sein Leben seit Geburt meisterte. Fehlbildungen der Knochen und Muskeln bedingten schon in frühester Kindheit unzählige Operationen, Therapien und Stillliegen im Gips.

Er besuchte die regulären Schulen in Zürich. Schreiben lernte er mit dem Mund, denn alle Handfertigkeiten waren für ihn selbstverständlich «Mundfertigkeiten». Später absolvierte er auf Wunsch der Mutter die Handelsschule, dann strebte er jedoch sein eigentliches Berufsziel an, bewarb sich erfolgreich für den Vorkurs der Kunstgewerbeschule Zürich und schloss diesen mit dem Grafikdiplom ab.

Der bisherigen Heimat kehrte er bald den Rücken. Das Wohn- und Bürozentrum WBZ in Reinach war der Grund, das Elternhaus zu verlassen und in die Region Basel zu ziehen. Im WBZ begann sich Francesco Bertoli auch auf politischer Ebene mit Behindertenfragen auseinanderzusetzen. So engagierte er sich in der Vereinigung der Gelähmten (SVG/ASPr) und ab 1999 beim Schweizerischen Invalidenverband Baselland (heute Procap) und war bis zu dessen regionalem Zusammenschluss deren Vizepräsident.

2004 übernahm er das Präsidium des Behindertenforums, der regionalen Dachorganisation der Behindertenselbsthilfeorganisationen, arbeitete seit 2002 als Assistent der Geschäftsleitung bei der Stiftung Mosaik und als Berater für den Assistenzbeitrag des Bundes.

Zwischenzeitlich war er im Einwohnerrat in Reinach politisch aktiv. Zudem setzte er sich seit 2011 als Vorstandsmitglied und operativ im Team des Vereins Impulse für die berufliche Chancengerechtigkeit von Menschen mit Behinderungen ein.

Über das grosse Engagement für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen und für die Gesellschaft im Allgemeinen hinaus zeichnete Francesco Bertoli aber seine Persönlichkeit aus. Mit seiner zugänglichen und charmanten Art gewann er leicht die Herzen und die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen. Er half damit, die Hemmschwelle zu überwinden, die Nichtbehinderte so oft haben. Mit Beharrlichkeit erreichte er die für ihn grösstmögliche Selbstbestimmung und Unabhängigkeit.

Führte ein Leben im Rollstuhl und nahm sein Schicksal mit Zuversicht und Humor.
Führte ein Leben im Rollstuhl und nahm sein Schicksal mit Zuversicht und Humor.

Vor allem aber beeindruckte der souveräne und gelassene Umgang mit der schweren körperlichen Beeinträchtigung. Francesco Bertoli war ein Vorbild, wie er ohne jegliches Hadern stets mit Zuversicht, viel Humor und Selbstironie durch sein Leben ging. Er machte sich zeitlebens stark für eine Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen selbstbestimmt und gleichberechtigt leben können. Sein Wirken sei Vermächtnis und Verpflichtung.

Vorstand und Team der Vereine Impulse und Behindertenforum Region Basel, Stiftungsrat und Team der Stiftung Mosaik