Zum Hauptinhalt springen

Sportliche ErfolgsfamilieEin Korda kommt selten allein

Ein Grand-Slam-Sieger, zwei Spitzengolferinnen, und nun wirbelt der Jüngste Sebastian Korda am French Open.

«Ich bin auf einer Wolke»: Nach der Qualifikation und der ersten Runde gegen Seppi gewann Sebastian Korda am French Open gegen John Isner auch seine fünfte Partie.
«Ich bin auf einer Wolke»: Nach der Qualifikation und der ersten Runde gegen Seppi gewann Sebastian Korda am French Open gegen John Isner auch seine fünfte Partie.
Foto: Clive Brunskill (Getty Images)

Gute Gene allein machen noch keine Sportkarriere, aber helfen tun sie schon. Das zeigt sich an der Familie Korda, aus der momentan gerade der Jüngste auf einer Erfolgswelle reitet. Sebastian Korda, 20 Jahre alt, 196 cm gross und als Nummer 213 der Welt gestartet, steht als Qualifikant nach Siegen über Andreas Seppi und John Isner unter den letzten 32 des French Open.

Korda wuchs in einer Tennisakademie in Bradenton (Florida) auf und spielt wie seine zwei Schwestern für die USA. Die aber setzen auf Golf und gehören zur Weltspitze. Die 27-jährige Jessica ist momentan die Nummer 22, die fünf Jahre jüngere Nelly die Nummer 2 der Weltrangliste. Beide haben schon das Australian Open gewonnen.

Nelly Korda: Sebastians zwei Jahre ältere Schwester ist die Nummer 2 in der Golf-Weltrangliste.
Nelly Korda: Sebastians zwei Jahre ältere Schwester ist die Nummer 2 in der Golf-Weltrangliste.
Foto: Keyn Murray (Getty Images)

In Australien feierte auch Vater Petr Korda seinen grössten Erfolg. Der aus Prag stammende und für Tschechien spielende Linkshänder holte dort 1998 als 30-Jähriger seinen einzigen Grand-Slam-Titel. Die Siegesgeste machte ihn unvergessen: Er feierte den Erfolg mit einem «Scherensprung». In Erinnerung daran zelebrierten auch seine Töchter ihre Siege in Australien auf diese Weise.

Diese Geste machte Petr Korda berühmt: Den Finalsieg gegen Marcelo Rios in Melbourne feierte er mit dem «Scherensprung».
Diese Geste machte Petr Korda berühmt: Den Finalsieg gegen Marcelo Rios in Melbourne feierte er mit dem «Scherensprung».
Foto: Tommy Hindley (Getty Images)

Sebastian Korda machte ebenfalls erstmals in Australien auf sich aufmerksam, als er 2018 den Titel im Juniorenturnier holte. In diesem Sommer nun scheint er den Anschluss an die Profitour geschafft zu haben. In New York hat er sich zuerst für sein erstes Masters-Turnier qualifiziert, am US Open danach in der Startrunde gegen Denis Shapovalov mitgehalten.

Nach dem Sieg über Isner habe er als Erstes seiner Mutter telefoniert, erzählte der Blondschopf. Die heute 52-Jährige war früher ebenfalls Tennisprofi und gehörte als Regina Rajchrtova fünf Jahre zu den Top 100, mit Rang 22 als beste Klassierung. Korda junior wird zwar inzwischen von Dean Goldfine gecoacht, der einst Andy Roddick und Todd Martin betreute. Die wichtigste Person seiner Karriere aber sei der Vater, betont er.

«Sie helfen mir, und ich helfe ihnen.»

Sebastian Korda

«Er hilft mir enorm. Er überwacht alles. Zwar sind wir nicht permanent in Kontakt, aber ich weiss, dass ich ohne ihn nie so weit gekommen wäre», sagte er nach seinem Sieg über Seppi. Der Zusammenhalt innerhalb der Familie sei ohnehin gross. «Mit meinen Schwestern bin ich immer in Kontakt. Wir sprechen darüber, wie wir uns verbessern können. Sie helfen mir, und ich helfe ihnen.» In der Freizeit würden sie abwechslungsweise Tennis und Golf spielen. «Im Golf bin ich auch ziemlich gut», sagt Korda.

Dass er ausgerechnet auf einem langsamen Sandplatz seinen ersten grossen Erfolg bei den Profis feiert, überrascht. Er spiele lieber auf schnelleren Unterlagen, gibt er zu, habe allerdings stets auf Sand trainiert und komme mit diesem Belag auch gut zurecht. Nun trifft er auf einen anderen Ungesetzten, Pedro Martinez (ESP/ATP 105). Mit der Aussicht, im Achtelfinal Rafael Nadal gegenüberzustehen.

Schon jetzt hat er eine Wette gewonnen: Weil er die Qualifikation überstanden und Runde 3 erreicht hat, müssen sein Coach und sein Fitnesstrainer in Prag unter der Karlsbrücke durchschwimmen, verriet er auf Twitter.

Neben Korda bestritt noch ein anderer Sohn eines Grand-Slam-Siegers in Paris sein erstes Major: Emilio Gomez (ECU), dessen Vater Andres 1990 das French Open gewonnen hat. Er ist bereits 28 und schied in Runde 1 aus.