Ein Haus für psychisch kranke Kinder

Die Universitären Psychiatrischen Kliniken haben den Neubau für Patienten bis 18 Jahre eröffnet. Psychiater und Ärzte können darin bis zu 22 Patienten behandeln.

Das neue Gebäude an der Wilhelm-Klein-Strasse hat 15 Millionen Franken gekostet. Foto: Keystone

Das neue Gebäude an der Wilhelm-Klein-Strasse hat 15 Millionen Franken gekostet. Foto: Keystone

Martin Regenass

Es gab zwei Lager bei den Psychiatern. Die einen wollten den Neubau der Klinik für psychisch kranke Kinder und Jugendliche im Stadtzentrum bauen. Die ­anderen befürworteten einen Bau nahe bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK). Dort, wo auch Erwachsene Behandlung finden.

Die Gegner des UPK-Standorts bei der Milchsuppe befürchteten eine Stigmatisierung der Kinder, würden sie auf dem Areal der Erwachsenen therapiert. Die Befürworter sahen einen Vorteil in der Nutzung gemeinsamer Ressourcen wie Infrastruktur oder kurzer Wege für Ärzte und Psychiater. Am Ende des Streits resultierte ein Kompromiss. Die ambulanten Behandlungen für Kinder und Jugendliche bleiben in der Stadt. Dafür kommt der Neubau für die stationäre Betreuung auf das Gelände der UPK in Richtung Flughafen.

Den Neubau eröffneten die Verantwortlichen der UPK sowie die Gäste am Freitag mit Lukas Engelberger. Der CVP-Gesundheitsdirektor sprach bei der ­Einigung von einem «grossen Schritt». «Das ist ein positives Beispiel für unsere Kompromisskultur», so Engelberger.

Der Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche in der UPK zeigt sich während eines Rundgangs erfreut über den neuen Standort. Alain di Gallo: «Früher hatten wir bis zu sieben Standorte für Kinder und Jugendliche über die Stadt verteilt. Heute sind es noch deren drei.»

Platz für 22 Patienten

Insgesamt finden in dem zweistöckigen Gebäude zwölf Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren Platz. Hinzu kommen zehn Kinder im Alter bis 13 Jahre, die bei psychischen ­Erkrankungen von Psychiatern, Ärzten oder Bewegungstherapeuten behandelt werden. Die Schlafzimmer, Küchen oder Aufenthaltsräume befinden sich im oberen Stockwerk. Der Bewegungsraum, die Schulzimmer oder der Werkraum sind im Parterre. In der Mitte gibt es einen Lichthof mit Moosen und einem morschen Baumstamm.

Viele der psychisch angeschlagenen Kinder und Jugendlichen blieben gemäss di Gallo während drei bis vier Monaten im Haus: «Häufig behandeln wir schwere Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen oder den Anfang von psychotischen Krankheiten nach dem Konsum von Drogen.» Die jungen Patienten wiesen Rückstände in der Schule auf, seien dort nicht mehr tragbar, seien voller Aggressionen oder wollten sich nur in sich zurückziehen.

Bei den meisten stationär untergebrachten Kinder und Jugendlichen sei auch das Umfeld unstabil. Di Gallo: «Es herrscht häufig Not. Die Eltern können die Verantwortung nicht übernehmen und haben oft selber psychische Probleme. Das ganze System ist erschüttert.»

Konventioneller Bau

Die Kinder hätten das Vertrauen in die Sicherheit verloren und müssten dieses in der offenen ­Abteilung wiederfinden, sagt di Gallo. Die UPK arbeitet mit der ­sogenannten Milieutherapie. Die Jugendlichen müssen selber kochen oder sich die Zimmer je zu zweit teilen, um in gruppendynamischen Prozessen zu gesunden.

Die Kosten von 15 Millionen Franken für den Bau konnten ebenso wie die Bauzeit einge­halten werden. Minergie-Zertifikate kennt das von Bur-Architekten konzipierte Gebäude nicht. Geheizt wird im Winter mit Fernwärme. Die Hitze im Sommer muss über die Fenster abgeführt oder mit Storen eingedämmt werden.

Besichtigung des Neubaus an der ­Wilhelm-Klein-Strasse 27, 4056 Basel heute von 11 bis 16 Uhr.

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